Der Rum

Rum

 
Was haben die Kanaren, Mauritius und die Karibik gemeinsam? Bei allen Dreien handelt es sich um Inseln beziehungsweise Inselgruppen, wunderschöne Urlaubsorte – und überall dort wird Rum produziert. Das alkoholische Getränk gewinnen die Hersteller meist aus Melasse (etwa zu 95%), einem sirupartigen Nebenerzeugnis von der Zuckergewinnung aus Zuckerrohr, gelegentlich (vermutlich etwa 5%) aber auch aus frischem Zuckerrohrsaft.
 
Herstellung
 
Egal, welche unterschiedlichen Geschmacksrichtungen Rum entwickeln kann, die Herstellung beginnt meist bei der Melasse, einem Nebenerzeugnis der Zuckergewinnung. Bei der Zuckerproduktion werden die Stengel der Zuckerrohrpflanze in der Fabrik kleingehexelt . Um Zuckerrohrsaft zu gewinnen, müssen diese kleinen Stücke ausgepresst werden. Der Saft wird zur Zuckerproduktion zu einer sirupartigen Flüssigkeit eingekocht und es bilden sich Zuckerkristalle. Anschließend werden die Zuckerkristalle vom Sirup getrennt und dieser Vorgang mehrmals wiederholt. So entsteht Zucker und bei dem übriggebliebenen Reststoff handelt es sich um Melasse, dem Grundstoff für die Rumproduktion.
 
Da die Melasse immer noch sehr süß ist, muss sie zunächst verdünnt werden, damit sie vergären kann. Neben Melasse und Wasser sind die beiden wichtigsten Inhaltsstoffe Skimming und Dunder. Skimming bezeichnet einen Schaum, der bei der Zuckerproduktion gewonnen wird. Dieser Stoff ist später wichtig für das Aroma des Rums. Bei Dunder handelt es sich um Rückstände aus früheren Gärprozessen, die Säuren enthalten, die wiederum für den eigentlichen Geschmack des Rums verantwortlich sind. Diese Mischung ergibt die Maische, die Grundlage des Rums. Die Zusammensetzung dieser vier Stoffe bestimmt den Geschmack des fertigen Rums. Weitere mögliche Geschmacksstoffe, die zusätzlich hinzugegeben werden können, sind Ananassaft, Rinden, Blätter und noch vieles mehr. Dadurch und durch die Vielzahl der Mischungsverhältnisse für die Maische lässt sich Rum in vielen verschiedenen, teilweise exotischen Geschmacksrichtungen produzieren und ist deswegen ein sehr vielseitiges alkoholisches Getränk.
 
Zur Gärung werden der Maische Hefestämme hinzugefügt. Dabei ist das Verfahren von Unternehmen zu Unternehmen verschieden. Einige Unternehmen verwenden industrielle Hefe, andere wiederum nur bestimmte Hefestämme, und das seit Jahrhunderten, für einige Unternehmen wurden eigens für die Rumproduktion eigene Hefestämme gezüchtet. Der Gärungsprozess selbst findet in riesigen Fässern aus Beton, Stahl oder Holz statt. Bei der Gärung wird Zucker aufgespalten und es entstehen Alkohol und Kohlenstoffdioxid. Dieser Vorgang dauert etwa zwischen ein und zehn Tagen. Natürlich muss dieser Vorgang auch beobachtet werden. Je nachdem, welche Hefestämme verwendet werden, ist es notwendig, eine bestimmte Temperatur beim Gärungsvorgang zu beachten, damit die Hefe nicht abstirbt. Auch der Alkoholanteil, bei dem die Hefe abstirbt, unterscheidet sich von Stamm zu Stamm. Läuft alles normal, endet der Gärungsprozess genau zu dem Zeitpunkt, an dem der Zucker aufgebraucht ist.
 
Nach dem Gärungsprozess wird der Rum einem Destillationsprozess unterzogen. Dabei wird der Rum erhitzt und es verdampfen Teile des Wassers und der enthaltene Alkohol. Diese Gase können anschließend aufgefangen und kondensiert werden. Die am häufigsten verwendete Variante ist die kontinuierliche Destillation, bei der das gegärte Grundprodukt regelmäßig beim Destillieren nachgefüllt wird. Don Facundo Barcadi war dabei der Pionier der Rumfilterung, da er herausfand, dass natürliche Kohle für die Destillation der geeignetste Filter ist, um die kleinsten Unreinheiten im Rum schon vor der Gärung herauszufiltern. Die Kohle, die er verwendete, bestand aus ausgewählten Naturhölzern.
 
Anschließend wird der Rum in Holzfässer umgefüllt und zur Reifung gebracht. Unverdünnt hat er dabei einen Alkoholgehalt von 75 Prozent bis 95 Prozent, kann aber auch je nach Vorgabe des Herstellers auf 50 Prozent bis 75 Prozent verdünnt werden. Je länger der Rum so reifen kann, umso "reiner" ist er, das heißt, umso weniger Fuselöle, die als Nebenstoffe bei der Alkoholgewinnung entstehen, sind enthalten. In aller Regel lagert der Rum so zwischen sechs Monaten und ein paar Jahrzehnten. Resultat dieser Reifung ist die dunkle Farbe und ein milder, angenehmer Geschmack des Rums. Nicht gewünschte Aromastoffe werden vom Holz aufgenommen und verdunsten. Außerdem ist das Holz, in dem der Rum gelagert wird, verantwortlich für das Aroma, da der Rum diese Aromastoffe aufnimmt. Da es sehr schwer ist, diesen Vorgang zu dirigieren, ist stets eine sehr genaue Prüfung der äußeren Umstände nötig.
 
Nach der Reifung ist der letzte mögliche Schritt das Blending. Dabei handelt es sich um einen Verschnitt aus unterschiedlichen Rumsorten, um einen konstanten Geschmack zu erzielen und dem Rum den letzten Schliff zu verpassen. Jahrgang und Reifegrade spielen dabei keine Rolle, übergeordnet geht es nur um den Geschmack des fertigen Rums. Außerdem können Gewürze und andere Inhaltsstoffe beigefügt werden, um das Aroma zu verfeinern und den gewünschten Rum herzustellen. Nach diesem Vorgang wird der Rum noch einmal gefiltert und ist danach bereit, in Flaschen abgefüllt zu werden. Verbrauchsfertig ist der Rum dann auf 40 Prozent, 50 Prozent oder 55 Prozent Alkoholgehalt verdünnt.
 
Die Geschichte des Rums
 
Die Zuckerrohrpflanze als Grundlage für Rum hat ihren Ursprung in Asien. In Indien gab es bereits einige Jahrhunderte vor Christus Bezeichnungen für Zucker – das Produkt der Zuckerrohrpflanze. Bereits aus Überlieferungen Alexanders des Großen und seinen Heeren lässt sich ableiten, dass sie eine Art Honig kennengelernt haben und die Verarbeitung des Zuckerrohrs bekannt war. Aus der gleichen Zeit stammen erste Hinweise, dass man Zucker nicht nur als reines Gewürz verwenden kann, sondern auch gegorene Säfte daraus gewonnen werden können. Über Arabien kam die Zuckerrohrpflanze im Mittelalter nach Europa und von dort aus war es Christoph Kolumbus, der die idealen Wachstumsbedingungen für Zuckerrohr erkannte und sie auf seiner zweiten Reise 1494 auf Haiti anpflanzte. Hier wurde aus dem Zuckerrohr Rum produziert, der zu einem der wichtigsten Handelsgüter der Kanaren über Jahrhunderte hinweg wurde.
 
Die Sklaverei spielte für die Entdeckung des Rums eine sehr wichtige Rolle. Nach den Eroberungszügen der Europäer in Afrika wurden afrikanische Sklaven in die Karibik mitgenommen und zum Anbau von Zuckerrohr genutzt. Um die Kosten der Sklaven nicht zu hoch werden zu lassen und so möglicherweise die Gewinne deutlich zu reduzieren, galt der Zuckerwein aus Melasse und Wasser als eine günstige Variante, um die Sklaven zu belohnen und zu stärken. Zuvor war die Melasse als kräftiges Futtermittel für Tiere verwendet worden. In Europa wurde dieses Grundprodukt dann weiterentwickelt und die Methode des destillierten Brandes entstand.
 
Es handelt sich übrigens nicht um ein Gerücht, dass Rum eng mit der Seefahrt verbunden ist. Neben Freibeutern der Karibik, Schmugglern und Sklavenhändlern wurde es auch Getränk der britischen Royal Navy, die vom Rum angetrunken, weder Tod noch Teufel fürchteten und den Spitznamen "Kill Devils" erhielten.
 
Die Namensgebung des Begriffes Rum lässt sich nicht mehr eindeutig klären, aber eine Vermutung ist auf besagte "Kill Devils" zurückzuführen, die aus "Rebellion", dem Aufstand der Sklaven, die Verballhornung "rumbuillon" gemacht haben könnten. Andere Hypothesen sind Ableitungen aus den Wörtern "brum", einem Likör, der aus vergorenem Zuckerrohrsaft besteht, "rheuma", Altgriechisch für "fließen", oder "Saccharum", Lateinisch für Zucker.
 
Nicht nur als alkoholisches Getränk diente Rum in der frühen Neuzeit. Ein Admiral der britischen Flotte ersetzte im 18. Jahrhundert die übliche Ration Bier von einer Gallone, also 4,5 Litern, durch ein Pint Rum, also etwas mehr als ein halber Liter. Diese Entscheidung schützte die ganze westindische Flotte vor schwerer Krankheit, als das mitgenommene Trinkwasser aufgrund des tropischen Klimas verdarb. Die befürchtete Seuche unter den Seeleuten blieb aus, da der kontinuierliche Rumkonsum der Besatzung die Seeleute in gewisser Weise "immunisiert" hatte und vor allem Skorbut vorbeugte. 1731 wurde deswegen Rum für die gesamte britische Marine eingeführt. Darüber hinaus wurden darin eingelegte Früchte haltbarer, was vor allem für lange Seereisen von Vorteil war.
 
Diese Verordnung war allerdings nicht von großer Dauer, da der Rum besonders auf langen Kriegsfahrten knapp wurde. 1740 wurde deswegen die Tagesration von einem Pint auf ein halbes Pint, der mit Wasser zu mischen sei, reduziert. Die Seeleute brachte es an den Rand der Meuterei, da es für sie nur Wasser mit Rumgeschmack war, doch wir verdanken dieser Maßnahme den Grog, eine der bekanntesten Rummischungen, die es heutzutage gibt. Rum wurde in diesem Jahrhundert sogar zur Bezahlung von Seeleuten. Diese Tradition setzte sich in der britischen Marine bis in das Jahr 1973 fort. Der Reifungsprozess des Rums wurde ebenfalls auf See entdeckt. Um den Rum besser transportieren zu können, wurde er zum Transport in Holzfässer umgefüllt. Da die Schiffsreisen zu dieser Zeit sehr lang waren, absorbierte das Fass die schlechten Inhaltsstoffe und so wurde aus dem ursprünglich rauen und scharfen Rum ein angenehmes, wohlschmeckendes alkoholisches Getränk, das sich vor allem in Europa langfristig durchgesetzt hat.
 
Arten von Rum
 
Durch die verschiedenen Mischungsverhältnisse der Maische, die verschiedenen Zugaben zur Verfeinerung des Aromas und die Produktion in vielen verschiedenen Ländern gibt es nicht nur unterschiedliche Geschmacksrichtungen, sondern auch die unterschiedlichesten Arten von Rum. Bekannte Rumsorten stammen beispielsweise aus Haiti, Jamaika, Kuba, Indien, Barbados und Puerto Rico, aber auch aus Trinidad, Demerara (Guyana), Martinique und von den Virgin Islands. Um den Jahrhundertwechsel zum 20. Jahrhundert gab es beispielsweise auf Martinique über 300 Destillerien, die Rum produzierten, die meisten davon stellten sogar mehrere Sorten her. Bis heute existieren noch über 1.500 verschiedene Sorten Rum.
 
Im deutschsprachigen Raum gibt es dabei die Unterteilung in original Rum, echten Rum, den Flensburger Rumverschnitt, Kunstrum und Strohrum. Originaler Rum ist, wie der Name schon sagt, originaler Rum, der direkt aus der Destillerie abgefüllt und verkauft wird und nicht weiter durch die Zugabe von Aromastoffen oder anderen Dingen versetzt oder verändert werden darf. Allerdings darf er maximal 56 Prozent Alkohol enthalten. Echter Rum unterscheidet sich nur geringfügig vom originalen Rum. Er ist auf einen Alkoholgehalt von 36 bis 54 Prozent heruntergesetzt. Der Flensburger Rumverschnitt ist eine Mischung aus Wasser, Neutralalkohol und Rum. Originaler Rum muss zu mindestens fünf Prozent enthalten sein, der Alkoholgehalt liegt bei mindestens 37,5 Prozent. Diesen Rumverschnitt gab es vor allem in Flensburger Rumhäusern. Hintergrund waren hohe Zölle bei der Einfuhr von Rum. Durch das Strecken des Rums konnte so Geld gespart werden.
 
Bis heute findet man den Flensburger Rumverschnitt noch in deutschen Rumhäusern. Der Kunstrum wird in Österreich gerne auch als Inländer-Rum bezeichnet und bezeichnet ein Fabrikat, das in Deutschland eines der vielen Fabrikate synonym dem Strohrum darstellt. Der Strohrum hat einen sehr hohen Alkoholgehalt, der zwischen 60 und 80 Prozent liegt. Wegen dieses hohen Alkoholgehalts darf er in Deutschland nicht unter dem Namen "Rum" verkauft werden. Dieser Rum eignet sich vor allem dafür, um ihn in Longdrinks, Cocktails oder auch Bowlen zu verwenden. Auch zum Kochen und Backen ist er sehr gut geeignet. Darüber hinaus gibt es noch den Flavoured Rum, der speziell im Extraktionsverfahren aromatisiert wird, den Blended Rum, der aus verschiedenen Rumsorten zusammengemischt wird, und den Rhum Agricole, der – unüblich im Vergleich zum Großteil der Rumarten – aus frischem Zuckerrohrsaft hergestellt wird.
 
Rumsorten
 
Durch die verschiedenen Mischverhältnisse der Maische und noch vielen weiteren Faktoren wie der Kohlehaltigkeit der Umgebung, dem Holz des Fasses und der Luft, die durch das Fass und somit den Rum zieht, entstehen viele verschiedene Reifungsbedingungen und viele unterschiedliche Geschmacksnoten bei der Produktion und Reifung des Rums. Deswegen gibt es auch viele verschiedene Rumsorten in unzähligen Geschmacksvariationen.
 
Pyrat
 
Die Rumsorten dieser Destillerie sind auf einen englischen Segler zurückzuführen, der sich auf der Insel Anguilla niederließ und dort im 18. Jahrhundert eine Rumfabrik eröffnete. Es handelt sich hierbei um einen hochgelobten Rum, der schon immer viel Anerkennung genoss und auf der ganzen Welt viele Käufer fand und auch heute noch findet. Mit viel Liebe zum Detail werden die Rumflaschen teilweise sogar noch per Hand geblasen.
 
Wer es gern exotisch mag, wird dabei vor allem den "Pyrat XO Reserve Planters Gold" lieben. Hierbei handelt es sich um einen extrem hochwertigen Rum, der sehr lange reift und in bernsteinfarbenem Antlitz glänzt. Sein süßlicher Duft, der an Mandeln, Vanille und Orangeat erinnert, und sein herb-süßer, fruchtiger, fast schon likörartiger Geschmack machen ihn zu einem idealen Dessert-Rum. Beim "Pyrat 23 Cask" handelt es sich um eine echte Rarität. Die Auflage ist streng limitiert und es ist schwierig, an eine Flasche dieses 23 Jahre lang gereiften, sehr feinen Rums zu gelangen. Entsprechend ist dieses seltene Stück sehr teuer in der Anschaffung. Der Flaschenkörper ähnelt dem einer Cognacflasche. Vor allem eignet sich dieser Luxusrum zum entspannten Genießen bei einer Zigarre.
 
Ebenfalls sehr lange gereift ist der "Pyrat Pistol". Er ist etwa vergleichbar mit dem "Pyrat XO Reserve Planters Gold". Seine feinen Aromen vermitteln den süßen, leicht tropisch angehauchten Duft von Rosinen, Vanille, Mandeln und Orangen. Auch er glänzt in purem bernsteinfarbenem Gewand und steht im Geschmack in nichts nach. Dieser Rum ist eher eine trockene Version des Rums, fruchtig, würzig-süß und sehr mundfüllend. Im Abgang klingt er sehr lang und intensiv nach und eignet sich am besten, um ihn pur zu genießen. Und auch, wenn man weißen Rum liebt, kommt man beim Pyrat voll auf seine Kosten, denn mit dem Pyrat Superior Blanco ist auch hier eine sehr hochwertige Variante vertreten. Hochgelobt für seinen weichen Geschmack, geschätzt für seinen runden Abgang, ist der Pyrat Superior Blanco ein Rum für Genießer, die ihn entweder gern pur auf Eis genießen oder in Mischgetränken, Cocktails und Longdrinks verwenden möchten.
 
Antigua Distillery Ltd.
 
Diese Destillerie in Antigua hat ihren Ursprung 1932. Portugiesische Händler beschafften sich einige alte Brennapparate und gründeten ihre Brennerei am Rande von St. John's. Neben einer eigenen Zuckerfabrik sicherten sie sich auch verschiedene Zulieferer, um ihren Bedarf an Melasse decken zu können. In dieser Destillerie wurde die Grundlage für den "Caballero Rum" geschaffen, der später auch als "Cavalier Muscovado Rum" bekannt wurde. Heutzutage werden von der Antigua Distillery Ltd. die "Cavalier Rums" und die "English Harbour Rums" produziert und vertrieben.
 
Einer von ihnen ist der "English Harbour 5 Years". Hierbei handelt es sich um einen vierzigprozentigen goldenen Rum, der mindestens fünf Jahre in kleinen Eichenfässern reift. In ihm sind Aromen verschiedener Trockenfrüchte enthalten, er duftet zart nach Honig und Vanille. Im Geschmack sehr würzig und mit leichtem Biss eignet er sich perfekt, um ihn pur zu genießen. Ein weiteres Prachtstück der Reihe ist der "English Harbour Xtra Old". Er reift volle 16 Jahre in kleinen Eichenfässern und wird mit feinsten Aromen von Trockenfrüchten und Schokolade versetzt. Hierbei handelt es sich um einen Rum, der sehr gut für den Genießergaumen geeignet ist, da es sich um einen sehr weichen, würzigen Rum handelt, der fruchtig und delikat anmutet. Insgesamt ein sehr empfehlenswertes Geschmackserlebnis, das jeder, der einen guten Rum zu schätzen weiß, einmal ausprobiert haben sollte.
 
Bei den Cavalier-Produkten sind die zweijährigen Rums der "Cavalier Light", ein kohlegefilterter, farbloser Rum, der sich fabelhaft für Mixgetränke der exotischeren Sorte eignet, der Cavalier Gold, ein weicher, leicht kolorierter Rum, und der ebenfalls kohlegefilterte "Cavalier 151 Proof". Bei Letzterem handelt es sich um einen Rum mit einem sehr hohen Alkoholanteil von 75,5 Prozent. Trotz ihrer vergleichsweise kurzen Reifezeit handelt es sich um qualitativ sehr hochwertige Rums, die sich dadurch auszeichnen, dass sie weich und dennoch sehr geschmackvoll sind. Eine wirkliche Rarität verkörpert der Cavalier Extra Old, der volle 22 Jahre in einem kleinen Eichfass reift. Seinen charakteristischen Geschmack erhält er von den Eichfässern, die für sein Blending verwendet werden. Diese sind so alt wie das Unternehmen selbst. Jeder, der einen sehr alten, traditionsreichen Rum sein Eigen nennen möchte, kommt um den Cavalier Extra Old nicht herum. Wer ihn sich leisten kann, sollte nicht zögern, zuzugreifen, um das Geschmackserlebnis selbst ausprobieren zu können.
 
Zuletzt sei hier noch ein Exot unter den Rumsorten erwähnt. Wer herkömmliche Rumsorten nicht mag, könnte am "Cavalier Rum Punch" dennoch großen Gefallen finden. Es handelt sich hier um ein sehr leichtes Getränk, das dazu verleitet, schnell viel davon zu trinken. Passt man nicht auf, wird man davon sehr schnell betrunken. Hierbei handelt es sich um ein spezielles Zutatenrezept von Antigua. Es beinhaltet eine große Menge exotischer Früchte, die einen unheimlich leckeren Geschmack geben. Insgesamt ein sehr untypisches, aber vielleicht gerade deswegen sehr empfehlenswertes Rumgetränk.
 
Hanschell Inniss Ltd
 
Auf Barbados gibt es heute noch sehr viele Destillerien, die sehr guten Rum produzieren. Charakteristisch ist, dass hier vor allem exotische, auf den ersten Blick vielleicht sogar seltsam anmutende Inhaltsstoffe verwendet werden. Trotzdem – oder gerade deswegen – sind die Rumsorten einmalig und unverwechselbar. Eines dieser Unternehmen ist die Hanschell Inniss Ltd, die die Marke Cockspur vertreibt. Das Unternehmen wurde 1884 gegründet und füllt heute auch Rum in Großbritannien, den USA, Deutschland, Kanada, Schweden und Japan ab. Die bekannteste und auch älteste (registrierte) Destillerie für Rum ist Mount Gay. Seit 1703 produziert Mount Gay exzellenten Rum auf Barbados aus Melasse. Dabei gehen sie nicht den kostengünstigen Weg über eine Column Still anlage, sondern verwenden die aufwendige Copper Pot Still Methode, um maximal aromatischen Rum zu erzeugen!
 
Die vergleichsweise junge Rumvariante ist der "Cockspur Five Star Fine Rum". Dabei handelt es sich um einen Rumverschnitt aus verschiedenen Destillaten, die bis zu zwei Jahre gereift sind. Dieser goldene Rum wird in Eichenfässern gereift und entwickelt ein Aroma von Muskatnuss, Vanille und Mango. Am Gaumen mundet er nach Honig, Ingwer und etwas Zitrone, sodass er etwas spritzig scheint und eine feine Süße im Geschmack entwickelt. Insgesamt hat dieser Rum einen sehr ausgewogenen Geschmack und vermittelt einen angenehmen Gesamteindruck. Beim "Cockspur Old Gold Reserve" handelt es sich um ein Fabrikat, das aus bis zu fünf Jahre alten Destillaten verschnitten wird. Dieses dunkelgoldene Exemplar ist bereits ein recht edler Rum. Er entwickelt ein eichiges Aroma und enthält Noten von Bratapfel und Birne.
 
Durch die individuelle Gestaltung und Zusammenstellung des Geschmacks darf der Gaumen sich hier auf den Eindruck von Holzkohle und milden, reifen Früchten freuen. Dadurch vermittelt er den Eindruck, dass er schon älter und reifer ist, als die Reifezeit es vermuten ließe. Der Premiumrum von Hanschell Inniss ist zweifellos der "Cockspur Very Special Old Rum". Dieser dunkle Rum vereint die ungewöhnlichen, aber perfekt harmonierenden Noten von Rose, Menthol, Koriander, schwarzem Pfeffer und getrockneten Früchten. Das Resultat ist ein süßer, weicher Rum, der sehr wuchtig im Mund schwingt. Er vermittelt den Eindruck von etwas Orange und schwarzer Banane, ist sehr reichhaltig im Abgang. Gerade diese einmalige Aromenkombination macht ihn zu einem wahren Gaumenerlebnis erster Güte.
 
J. Wray & Nephew Ltd
 
Hierbei handelt es sich um einen bekannten jamaikanischen Rumhersteller. Seit 1749 wird hier Rum produziert, seit 1916 unter der Leitung von Wray & Nephew, der Firma, die das Unternehmen übernahm und modernisierte. Wray & Nephew selbst verschneiden seit 1825 Rum verschiedener Brennereien. Weltberühmt sind der "Wray & Nephew Bright Overproof", wobei es sich um den weltweit am meisten verkauften Overproof-Rum handelt, außerdem der "C.J. Wray Dry Rum" und der Coruba.
 
Beim "Wray & Nephew Bright Overproof" handelt es sich um einen sehr klaren, weißen Rum mit einem Alkoholgehalt von 62,8 Prozent. Sein Aroma beinhaltet ein reichhaltiges, abgerundetes Bukett mit reifer Banane, Limone und Melasse. Im Geschmack ist er reif, süß und spritzig, vermittelt Noten von Gras, Bananen und Nüssen. Obwohl es sich um einen sehr starken Rum handelt, vermittelt er zu jedem Zeitpunkt seine Erstklassigkeit. Nicht umsonst wurde er zum meistverkauften Overproof-Rum weltweit. Der ebenfalls sehr berühmte Coruba Jamaica Rum ist eine der dunklen Rumvarianten der "J.Wray & Nephew Ltd." Bei ihm wird der Reifeprozess besonders penibel überwacht, um eine sehr genaue Reifung zu garantieren. Er ist pur oder in Mixgetränken gut genießbar, eignet sich vor allem aber für einen sehr guten Rumpunsch. Der C.J. Wray Dry Rum ist der leichteste Rum des Hauses. Durch das Entfärben mit Kohle erhält er seinen durchsichtigen Glanz. Auch er eignet sich sehr gut zum Verzehr in Mischgetränken mit beispielsweise Tonic oder Limone.
 
Neben den normal geführten Standardrumsorten brachte das Unternehmen auch eine Sondersorte zum 250-jährigen Jubiläum des Gründungsunternehmens Apple Estate heraus. Der "Appleton Estate 250th Anniversario" erscheint in dunklem Bernstein. Für diesen Blend wurden nur die ältesten, erlesensten und besten Rumsorten verwendet. Es handelt sich um eine Mischung aus vier besonders guten Jahrgängen. Wer das Glück hat, eine der insgesamt 6.000 produzierten Flaschen erwerben zu dürfen, kann sich auf eine feine Süße aus eingemachten Früchten und dunklem Karamell freuen. Neben einer edlen Geschenkbox, in der der Rum vertrieben wird, liegt jeder Flasche ein numeriertes Echtheitszertifikat der Appleton Estate bei.
 
Bristol Spirits Ltd
 
Auch in Großbritannien gibt es mittlerweile viele Rum produzierende Unternehmen. Ein kleines, aber feines Unternehmen ist die Bristol Spirits Ltd. aus Cloucestershire. Hier wird eine hervorragende Arbeit bei der Komposition guter Rumsorten betrieben. Der Rum ähnelt hier von der Produktionsweise eher einem Maltwhisky und Rumflaschen werden nur streng limitiert abgefüllt. Das Unternehmen möchte gerne vor allem seltene und alte Rums der Karibik anbieten und daraus gute Blendings fertigen. Die Komplexität, die dabei erreicht wird, erinnert eher an Cognacs oder Maltwhiskys. Das ist der Garant für den guten Geschmack dieser Rumsorten.
 
Eines der Produkte ist der Bristol Classic Rum Gardel Guadeloupe 10 Y.o., der verschiedene Rumsorten aus Gouadeloupe vereinigt. Dieser edle Rum mundet süß und aromatisch, mit einem Hauch von Vanille. Neben acht Jahren Reifung in alten Eichenfässern wird er noch zwei weitere Jahre in französischen Limousineneichenfässern gelagert, um sein volles Aroma zu entwickeln. Daher auch der süße und sehr reine Geschmack von Honig, Zucker Karamell und Sultaninen. Er fühlt sich im Mund sehr angenehm an, wirkt reichhaltig und geht eher in die Richtung eines trockenen Rums. Dabei vermittelt er einen Hauch von Schokolade und wartet im Abgang mit Frucht und Eiche auf. Insgesamt ist er sehr fruchtig, lässt dabei aber nicht den Eindruck von viel Substanz vermissen.
 
Ein weiterer sehr guter Rum aus diesem Unternehmen ist der "Bristol Classic Rum Portley Still 12 Y.o", der 12 Jahre lang reift. In seinem goldfarbenen leuchtenden Antlitz kann man ihn auch sehr guten Freunden anbieten und vermittelt vom ersten Moment an Qualität allererster Güte. Er ist zusammengestellt aus Rumsorten von Barbados, entwickelt ein starkes, aromatisches Bouquet und erinnert daher stark an einen Islay Whisky. Im Geschmack ist er sehr stark und vermittelt den Eindruck von Pfeffer. Er hat einen langen Abgang und hallt "lakritzig" nach. Beim "Bristol Classic Rum Monymusk Still 25 Y.o". Handelt es sich um einen Vertreter der sehr langen Reifezeiten. Er vereinigt verschiedene jamaikanische Rums und reift volle 25 Jahre, davon 24 in Eichenfässern und ein weiteres Jahr in Bourbonfässern.
 
Dieser Rum ist ein perfektes Beispiel dafür, welch ausgezeichnete Balance man aus einem Rum herausholen kann. Er entwickelt sehr vielschichtige und komplexe Düfte, im Vordergrund stehen Vanille und Eiche. Am Gaumen zeichnet er sich durch seine elegant strukturierte Komplexität aus und vermittelt einen blumigen, süßen Geschmack, gespickt mit Zitrusnoten. Er wirkt sehr gewichtig, im Abgang hingegen merkt man seine Ausgeglichenenheit und Harmonie und weiß genau, warum es sich hier um etwas ganz Besonderes handelt. Insgesamt entwickelt dieser Rum die Komplexität eines Cognac oder Armagnac. Einen solch abgerundetes Meisterwerk lässt sich nur sehr selten finden.
 
Corporation Cuba Ron S.A. / Pernod Ricard
 
Die Corporation Cuba Ron S.A. ist heute das bekannteste der kubanischen Rumhäuser. Dort werden bekannte Marken wie Havana Club, Cubay, Santiago de Cuba, Arecha und Caney vertrieben. Der Havana Club selbst existiert seit 1878. Eine vertragliche Vereinbarung zwischen der französischen Gruppe Pernod Ricard und der Corporation Cuba Ron S.A. beschleunigte das Marktwachstum des Havana Clubs erheblich. Diese Rummarke wird sehr oft in bekannten Cocktails wie Daiquiri und Mojito verwendet.
 
Zu den Rumsorten dieser Destillerie zählt beispielsweise der "Havana Club Anejo 3 Anos". Er gehört zu den Rumsorten, die ideal für Cocktails geeignet sind. Es handelt sich hierbei um einen hellen bernsteinfarbenen Rum, der drei Jahre in Eichenfässern gelagert wird. Er hat ein mildes, leichtes Aroma und wirkt nussig. Im Geschmack offenbart er Tabak, Gewürze und Vanille. Ein höherwertiger Rum aus diesem Hause ist der Havana Club Barrel Proof, ein bernsteinfarbener Rum mit 45 Prozent Alkoholanteil. Bis er gereift ist, verbringt er zwölf Jahre in alten Weißeichenfässern und reift zum Abschluss in speziell ausgewählten Fässern nach. Anschließend wird er direkt aus dem Fass abgefüllt. Er verfügt über einen sehr würzigen Duft nach hellem Karamell, gerösteten Nüssen und Tabak. Im Geschmack erinnert er an Kakao, Kaffee, dunkles Karamell, karamellisierte Früchte und süßen Tabak. Der Nachklang mit feinen Röstaromen ist ein wahrer Genuss. Er gehört zu den Rumsorten, die man am besten pur genießt.
 
Der Premiumrum dieses Hauses schlechthin ist allerdings der" Havana Club Maximo Ron Extra Anejo", eine absolut einzigartige Kreation von Don Jose Navarro, dem "Primer Maestro Ronero" des Hauses. Dieser dunkle, bernsteinfarbene Rum ist ein Blend aus den ältesten und erlesensten Rumsorten. Er bietet ein sehr reiches Aroma voll Eiche und Rauch, akzentuiert durch Birne und Kokosnuss. Sein Geschmack ist kraftvoll, aber dennoch weich, getragen von Edelholz, Vanille und Schokolade. Und auch die Optik steht dem Geschmack in nichts nach. Geliefert wird der Rum mit einer Kristallkaraffe. Außerdem ist jede einzelne Flasche mundgeblasen und mit einem Gewicht von drei bis vier Kilogramm ein robustes Edelstück. Neben dem für exklusive Rums üblichen Zertifikat ist er handsigniert. Es handelt sich um einen absoluten Luxusrum, der sehr exklusiv, entsprechend aber auch sehr teuer ist.
 
Auch über die hier vorgestellten Häuser hinaus gibt es viele verschiedene Rumhäuser, die eine lange Tradition besitzen und qualitativ sehr hochwertigen Rum herstellen. Doch wie an den vorherigen Darstellungen zu erkennen ist, gilt bei Rum, dass er zu den vielseitigsten alkoholischen Getränken gehört, die es gibt. Die Mischung, die verschiedenen Aromastoffe, die verschiedenen Destillierungs- und Reifemöglichkeiten tragen dazu bei, dass Rumsorten sich untereinander sehr stark voneinander unterscheiden. Entsprechend gibt es fast für jeden die passende Rumsorte, aber auch nicht jede muss genau die Richtige sein. Deswegen sollte man von Zeit zu Zeit einfach auch mal ein bisschen ausprobieren, welcher Rum derjenige sein könnte, den man sehr gut für sich selbst genießen kann.