GIN-Botanicals-Rosmarin

Kraut-artigen Pflanzen begegnet man überdurchschnittlich oft, wenn es um Botanicals für die Aromatisierung von Gin geht. Man nehme nur einmal das Bohnenkraut, Fenchelsamen oder Sternanis. Aber nicht viele davon können auch als Kräuter eingestuft werden, wie wir sie aus dem Alltag kennen. Eine Ausnahme ist der Rosmarin, der wirklich fast jedem ein Begriff ist und auch bei den Zutaten für Gin eine wichtige Rolle spielt.

Allgemeine Informationen

Rosmarin


Der lateinische Fachbegriff für Rosmarin ist Rosmarinus officinalis. Die Pflanze gehört zur Familie der Lippenblütler, was sich an dem hierfür charakteristischen Aufbau der Blüten ausdrückt. Die Rosmarinus-Gattung unterteilt sich in zwei Arten, von denen eine weitaus bekannter ist als die andere. Der immergrüne, buschig verzweigte Halbstrauch bis Strauch verdankt seinem lateinischen Namen der Tatsache, dass die Sträucher bevorzugt an der Mittelmeerküste wachsen, denn das Wort lässt sich mit "Meerestau" übersetzen. Manch einer ist jedoch der Meinung, man habe sich am Altgriechischen orientiert und meine damit "balsamischer Strauch". Der Rosmarinstrauch verfügt über aufrechte, braune Äste und 1 bis 4 cm lange Blätter, die so schmal und länglich sind, dass sie an Nadelbäume denken lassen. Eine bestimmte Blütezeit im Jahr gibt es nicht, sondern die Blüten bilden sich theoretisch das ganze Jahr über. Sie sind von heller, violetter bis blauer Farbe und zweilippig mit zurückgezogener Oberlippe. Im Inneren befinden sich die braunen, kleinen Samen mit den ätherischen Ölen, welche den Rosmarin für die Aromatisierung von Gin interessant machen. Die Keimdauer beträgt knapp einen Monat. Bei der Ernte achtet man meist darauf, nicht einzelne Nadeln, sondern ganze Zweiglein zu pflücken.

Der Mittelmeerraum gilt als die Heimat der Rosmarinsträucher, die in Küstennähe bestens gedeihen. Vom Ionischen Meer bis nach Portugal begegnet man den wildwachsenden und den gezielt kultivierten Sträuchern, wobei auch der Küstenstreifen am Schwarzen Meer sie beherbergt. Man kultiviert den Strauch seit der Antike, um den Rosmarin u. a. in der Naturheilkunde zu verwenden. Kalkreiche Böden sowie sonnige, trockene Standorte sind für den Rosmarinstrauch ideal. Es lässt sich nicht genau belegen, wo die Pflanze ihren Ursprung hat und wann man in der Mittelmeerregion mit ihrem Anbau begann. In England wurde die Pflanze auf Geheiß des Königshauses gegen Ende des 14. Jahrhunderts eingeführt. Der Rosmarin Rosmarinus officinalis officinalis ist am weitesten verbreitet. Die Unterart palaui findet man lediglich auf den Inseln der Balearen, die zu Spanien gehören. 2014 wurde man auf eine dritte Unterart, valentinus, aufmerksam, die in Südspanien zu Hause ist und damit noch mehr Seltenheitswert besitzt.

Die Nutzung von Rosmarin

2,5 % der Pflanze sind ätherische Öle, was die Verwendung in der Heilkunde, in der Küche und bei der Aromatisierung von Wacholderschnaps und dem einen oder anderen Gewürzlikör / Kräuterlikör nahelegt. 8 % entfallen auf Gerbstoffe und Bitterstoffe sowie ähnliche Substanzen. Der Rosmarin wird gern im Garten angepflanzt, weil er sowohl zu den Küchenkräutern der Mittelmeerregion als auch zu den Duftpflanzen gehört. Der aromatische, unverwechselbare Rosmarinduft kommt anhand der ätherischen Öle bei der Herstellung von Parfüm zum Tragen. Schon im 14. Jahrhundert wusste man um diese Verwendung, als das bis heute bekannte Ungarische Wasser veröffentlicht wurde. Davon inspiriert ist das nach wie vor hergestellte Kölnisch Wasser mit Alkohol und Rosmarinöl. Man fühlt sich beim Geruch von Rosmarin etwas an Eukalyptus und Kampfer erinnert. Damals nutzte man ihn wegen des intensiven Dufts sogar als Ersatz für Weihrauch. Manche befüllen Duftkissen mit Rosmarin (statt mit Lavendel).

In der alternativen Medizin ist der Rosmarinstrauch ebenfalls bedeutsam. Im Mittelalter zog man ihn besonders rege und vielfältig zurate, u. a. zum Bekämpfen von innerlichen Schmerzen, Zahnschmerzen, Ermattung, Dreitagefieber und Husten. Darüber hinaus verließ man sich auf mit Fett aufgelegtes, zerstoßenes Rosmarinkraut zur Behandlung frischer Wunden. Pastillen, Flüssigkeiten und Tees sowie Salben wurden je nach Beschwerde verschrieben und finden sich nach wie vor in der Naturheilkunde. Rund um die Behandlung der Verdauungsorgane sowie zur Kreislaufanregung soll sich das Rosmarinkraut ebenfalls bewährt haben. Bei Migräne und Rheuma kommt es extern zum Einsatz, und Rosmarinöl soll angeblich eine antiseptische Wirkung entfalten. Das ätherische öl im Rosmarin kommt bei der Aromatherapie zum Tragen. 2000 und 2011 wurde das Kraut in der Bundesrepublik zur Heilpflanze des Jahres gewählt.

Natürlich darf man nicht vergessen, dass Rosmarin zu den Küchenkräutern gezählt wird. Man assoziiert es allen voran mit der mediterranen Küche, wobei es auch in Mitteleuropa Einzug gehalten hat. Das Rosmarinkraut liefert den Rosmarinhonig, der nicht ganz so bekannt, aber ausgesprochen begehrt ist. In Kräutermischungen der Provence sowie bei Gerichten aus Frankreich und aus Italien ist die Zugabe von Rosmarin unerlässlich, gern mit Thymian kombiniert. Es hat sich als Grillgewürz und zum allgemeinen Würzen von Fleischgerichten bewährt. Zum Würzen von Kartoffeln, Zucchini und Teigwaren wird es genauso gern genutzt. Manch eine Kräuterbutter macht sich Rosmarin zunutze. Sowohl frische Zweige als auch Pulver eignen sich zum Verfeinern von heißen oder kalten Speisen aller Art.

Einst war Rosmarin von religiöser und symbolischer Bedeutung und wurde z. B. der Göttin Aphrodite geopfert. Man schmückte Bräute mit Rosmarinzweigen, überreichte sie als Zeichen von Treue an den Partner oder nutzte sie zum Gedenken an Verstorbene. Man kreierte Totenkränze oder stattete sich mit Rosmarinzweigen aus, um sich gegen ansteckende Krankheiten zu schützen sowie den Gestank von Tod und Verwesung zu überdecken.

Gin und Rosmarin

Es gab eine Zeit, in der das Kraut als Bitterstoff für Bier verwendet wurde, doch heute kommt es in Verbindung mit Spirituosen fast nur noch bei Wacholderschnaps zum Einsatz. Rosmarin und Gin ist eine tolle Kombination, der man weder sehr oft noch sehr selten begegnet. Vor allem moderner New Western Dry Gin, der sich von der experimentellen oder mediterranen Seite zeigen soll, verlässt sich auf die ätherischen Öle von frischem oder getrocknetem Rosmarin. Ein Paradebeispiel hierfür ist der Gin Mare mit seinem Mittelmeer-Flair. Weitere Gins mit feinherbem, aromatischem Rosmarin als eines der Botanicals sind Niemand Dry Gin, Applaus Stuttgart Dry Gin, Gin Sul, Ransom Old Tom Gin, Mascaro Gin 9 und Ginphony 1.0 Hanse Spirit Dry Gin. Davon einmal abgesehen gibt es Cocktails und Longdrinks, die sich auf Gin und auf einen frischen Zweig Rosmarin stützen. Man nehme nur einmal den Rosemary Gimlet oder den Rosemary Gin Fizz. Zitrone oder Gurke passen gut dazu.