Kaum eine Spirituose birgt eine so große Faszination in sich wie der Gin, mit Ausnahme vielleicht vom Rum. Der Gin ist viel mehr als einfach nur ein Wacholderschnaps – er ist ein Klassiker, ein Kulthit, ein Multitalent und ein Spitzenreiter in einem. Was macht die Spirituose so beliebt?
 

Eine Umfrage zum Gin


Verschiedene Arten des Gins

Verschiedene Arten des Gins

Wer einmal einen guten Gin genossen hat, der weiß, dass sich die Begeisterung eigentlich nicht in Worte fassen lässt. Pauschale Angaben, Bewertungen und Awards sind nur eine Seite der Medaille, denn das Besondere an der Spirituose ist ja gerade, dass sie von jedem individuell leicht anders empfunden und erlebt wird. Aber ein Blick auf die Daten und Fakten macht dennoch deutlich, wie sehr vom Gin geschwärmt wird und dass er zurecht zu den Top Sellern gehört.

Es gibt von den Spezialisten von GinFoundry so manch eine aufschlussreiche Infografik zu entdecken. Dafür stellten die Webseitenbetreiber Fragen und ließen die Besucher aus aller Welt anonym antworten und bewerten. Natürlich lassen sich die Ergebnisse nicht verallgemeinern, jedoch sind sie repräsentativ und aufschlussreich.

  • Frage 1 suchte nach dem beliebtesten Tonic Water, das ja untrennbar mit dem Gin verbunden ist. Fever Tree schaffte es auf den ersten Platz, gefolgt von Schweppes, Fentimans und anderen Marken.
  • Frage 2 beschäftigte sich damit, wie viele Cocktails mit Gin pro Woche getrunken werden. 42 % der Umfrageteilnehmer kamen auf ein bis zwei Drinks, 37 % auf drei- bis vier Drinks, und sogar 18 % auf fünf bis zehn Drinks. Damit wird ein Fakt untermalt: Gin ist die perfekte Wahl für das Mixen von Cocktails und Longdrinks und wird in dieser Form regelmäßig getrunken.
  • Frage 3 forschte nach, wie viele Ginmarken in der Hausbar vertreten sind. Mehr als zwei Drittel der Befragten besitzen demnach Flaschen von drei bis vier Herstellern. Weniger als 30 % konzentrieren sich auf ein bis zwei Ginmarken, und über 20 % sammeln geradezu mit fünf bis zehn Marken Gin. Es scheint also ein Mythos zu sein, dass Fans oft nur einer einzigen Marke treu bleiben.
  • Frage 4 forderte dazu auf, eine von vier vorgegebenen Ginmarken als "cool" einzustufen. Das kuriose Ergebnis: Jeweils 37 % fanden, dieser Charakterzug passe zu Hendrick's Gin und zu Sipsmith Gin. Die beiden anderen Optionen – Tanqueray Gin und Bombay Sapphire Gin – lagen mit über zehn Prozent beinahe gleich auf. Damit hat man quasi die vier Top Seller herausgearbeitet, denn ihr cooles Image macht sie vor allem, aber nicht nur, bei der jüngeren Generation beliebt.
  • Frage 5 brachte ein weniger überraschendes Ergebnis zum Vorschein: Der Gin & Tonic wurde zum beliebtesten Mixgetränk mit Gin gewählt. Danach kamen Gin-Drinks wie Martini, Negroni, andere und Tom Collins.
  • Frage 6 wollte es genauer wissen und untersuchte, welches Mischverhältnis beim Gin & Tonic (selbst gemixt) bevorzugt wird. Fast die Hälfte der Umfrageteilnehmer mischt einen Anteil Gin mit drei Anteilen Tonic Water. Ein Drittel zieht es vor, einen Anteil Gin auf zwei Anteile Tonic kommen zu lassen. Mehr als zehn Prozent geben zu einem Anteil Gin stolze vier Anteile Tonic-Wasser. Nur fünf Prozent entscheiden sich für ein Verhältnis von 1:1. Daraus geht hervor, wie wichtig die Qualität und der Charakter von Tonic Water ist.
  • Frage 7 war erneut dem Gin & Tonic gewidmet. Man wollte wissen, ob die Gin-Fans es erwarten, in einer Bar danach gefragt zu werden, welchen Gin sie für ihren Gin & Tonic möchten. Über die Hälfte erwartete dies nur von Top-Bars mit gehobenem Ambiente, aber immerhin 40 % wollten immer danach gefragt werden. Daraus wird ersichtlich, welch bedeutende Rolle dem Gin bei Drinks zukommt. Schließlich bestimmen seine Aromatik und sein Geschmack das Endergebnis. Den Spaniern war Entscheidungsfreiheit besonders wichtig, wobei allgemein auf mehr Individualität Wert gelegt wurde als noch vor einigen Jahren.
  • Frage 8 ging in dieselbe Richtung und ermittelte, dass mehr als die Hälfte bei der Bestellung von Gin & Tonic angeben, welcher Gin dafür verwendet werden soll.

Wer trinkt gern Gin? Ein Blick auf die Hauptabsatzmärkte

Philippinen und USA

Unabhängig von jenem Experiment gibt es auch offizielle Statistiken, Daten und Fakten, die beispielsweise auf dem Statistik-Portal Statista nachlesbar sind. Diese unterstreichen das weltweite Phänomen Gin und werfen einen Blick auf die Akteure, die den Markt beherrschen und für den Ruf der Spirituose verantwortlich sind. So ist erkennbar, dass 2013 gemessen an den weltweiten Verkaufszahlen die Marke Ginebra San Miguel an erster Stelle lag und ihre Konkurrenz mit mehr als 21 Millionen 9-l-Kästen weit hinter sich ließ. Bemerkenswert ist, dass man hierzulande so gut wie nicht auf diesen Produzenten aus den Philippinen trifft. Anders sieht das bei den anderen Marken in der Top 10 aus. Auf den zweiten Platz schaffte es Gordon's mit fast vier Millionen Kästen, und auf den dritten Platz kam Bombay Sapphire mit beinahe drei Millionen Kästen. Seagram's Gin, Beefeater Gin und Tanqueray Gin schafften es gemeinsam mit Carew's Dry ebenfalls an die globale Spitze. Es ist hierbei erwähnenswert, dass die Philippinen den größten Absatzmarkt von Gin darstellen – etwas, das man eigentlich nicht gedacht hätte. Mehr als 60 % des Marktanteils an Spirituosen entfällt auf den Wacholderschnaps, allen voran auf die spanisch geprägte Marke San Miguel Ginebra, die im Land selbst produziert wird. Die Philippinen allein machen rund 40 % des globalen Marktanteils aus – und das, obwohl der Anteil an aus dem Ausland importierten Marken verschwindend gering ist.

Ebenfalls ein großer Fan von Gin sind die Amerikaner, die ihn durch die Einwanderer aus Europa und dank der Prohibition sowie den Cocktails in ihr Herz geschlossen haben. Die USA ist nach den Philippinen der zweitgrößte Abnehmer an Gin. Statistiken zufolge konsumieren innerhalb eines Monats bis zu 11 Millionen Amerikaner Wacholderschnaps. Dabei stellen die Vereinigten Staaten nicht nur den größten Absatzmarkt für britische Ginmarken dar, sondern ein Teil der Gins aus England wird sogar in den Staaten produziert. 2013 verkaufte man insgesamt mehr als 10 Millionen Gin (in 9-l-Kästen). Rund 3,6 Millionen Kästen wurden 2012 importiert, fast alle davon aus Großbritannien.

Europa

Innerhalb von Europa ist Spanien der klare Spitzenreiter. Das Land befindet sich außerdem international an dritter Stelle. 75 % der verkauften Ginsorten stammen aus der Produktion im Land selbst. Vor allem in den letzten Jahren gab es zudem eine Flut an neuen Marken und Produkten zu entdecken, sodass sich der spanische Gin in einem Aufschwung befindet. Was Großbritannien selbst angeht, so steht der Länderzusammenschluss allen voran mit England ebenfalls an der Spitze. Die Briten sind der größte Gin-Exporteur. Circa 70 % der Produktion ist für den Exportmarkt gedacht und wird in knapp 140 Länder ausgeliefert. Indien und China als bevölkerungsreiche und sich im Wirtschaftsaufschwung befindliche Länder werden derzeit als Absatzmärkte für den Wacholderschnaps interessant.

Nicht vergessen darf man im europäischen Raum natürlich Deutschland. Im letzten Jahrzehnt schossen die Marken wie Pilze aus dem Boden und es verging kaum ein Monat ohne Neueinführung. Knapp 70 Ginsorten aus der deutschen Produktion sind derzeit erhältlich, und es ist noch immer keine Flaute in Sicht. Die Deutschen haben den Gin (wieder)entdeckt und mit ihrem meist regionaltypisch geprägten Gin eine Marktlücke geschlossen. Gin Made in Germany hat sich auch außerhalb der Landesgrenzen einen Namen gemacht. Er steht meist für besondere Zutaten, eine Herstellung mit Liebe zum Detail oder im small batch, und hohe Qualität. Diese drei lobenswerten Kriterien tragen allgemein zur Beliebtheit von Gin bei. German Gin sollte nicht unterschätzt werden, denn obwohl sich bis vor Kurzem nur rund 12 der 160 bis 200 Gin-Destillerien der Welt in der Bundesrepublik befanden, hat man sich einen Weg an die Spitze gebahnt. Die Deutschen kontrollieren doch tatsächlich rund 6 % der Ginproduktion. Zum Vergleich dazu: Im Heimatland des Gins, in England, kümmern sich nicht ganz 50 Brennereien um die Produktion und schaffen es damit auf einen Anteil von fast 30 %. Einige der deutschen Produkte haben es in Rekordzeit zu Weltruhm gebracht, darunter der Duke Munich Dry Gin und der Monkey 47 Schwarzwald Gin, die beide bei der "International Wine & Spirits Competition" – ausgerechnet in der englischen Gin-Hochburg London – mit Gold ausgezeichnet wurden.

Zitate rund um den Gin

Welch faszinierendes Thema der Gin ist und wie poetisch er manche Genießer macht, das führen die folgenden Zitate eindrucksvoll vor Augen.


Ich trinke nichts Stärkeres als Gin vor dem Frühstück. – W. C. Fields


The proper union of gin and vermouth is a great and sudden glory;
it is one of the happiest marriages on earth,
and one of the shortest lived. – Bernhard de Voto

(Übersetzung: Die perfekte Vereinigung von Gin und Wermut (zu Martini) ist etwas unerwartet Glorreiches; Sie ist eine der glücklichsten Vereinigungen dieser Erde, und eine der kürzesten.)


Nothing is more pleasurable than to sit in the shade,
sip gin and contemplate other people's adulteries. – John Skow

(Übersetzung: Es gibt nichts Angenehmeres, als im Schatten zu sitzen, Gin zu trinken und über die Ehebrüche anderer nachzudenken.)


Glück bedeutet "einen anständigen Martini, ein anständiges Essen,
eine anständige Zigarre und eine anständige Frau." – Robert Burns


Gin is a confusing drink.
It's the only liquid that's both wet and dry. – Jarod Kintz

(Übersetzung: Gin ist ein verwirrendes Getränk. Er ist die einzige Flüssigkeit, die sowohl nass als auch trocken ist.)


They all thought she was dead;
but my father kept ladling gin down her throat till she came to so sudden
that she bit the bowl off the spoon. – George Bernard Shaw

(Übersetzung: Alle dachten, sie sei tot; aber mein Vater löffelte so lange Gin ihre Kehle hinunter, bis sie das Bewusstsein erlangte und den Löffel in zwei Teile biss.)


I would like to observe
the vermouth from across the room
while I drink my martini. – Winston Churchill

(Übersetzung: Ich möchte den Wermut vom anderen Ende des Zimmers aus betrachten, wenn ich meinen Martini trinke. [Spielt darauf an, dass der Churchill Martini eigentlich nur eiskalten Gin beinhaltet. Fast dasselbe soll einst Alfred Hitchcock gesagt haben.])

Eines lässt sich bemerken: Viele der Gin-Zitate drehen sich um einen beliebten Cocktail mit Gin, den Martini. In diesem Sinne kommt natürlich auch noch das "geschüttelt, nicht gerührt" (shaken, not stirred) aus dem Büchern und Filmen zu James Bond in den Sinn. Dieses Zitat löst übrigens hitzige Diskussionen aus, denn nach wie vor scheiden sich die Geister daran, ob ein Martini mit Gin gerührt oder geschüttelt werden sollte. Mitte der 50er-Jahre wurde in dem Buch "Casino Royale" sogar ein expliziter Gin genannt, und zwar Gordon's, der bis heute zu den Klassikern gehört.

Gin: Alleskönner und Everybody's Darling

Wie aus den oben genannten Hintergrundinformationen ersichtlich wird, ist der Gin nicht zuletzt deshalb so beliebt, weil er schier unendliche Möglichkeiten eröffnet. Es gibt kaum eine andere Spirituose und eine Mixzutat, die nicht zum Wacholderschnaps passt. Ob einfach und wirkungsvoll wie beim Gin & Tonic und beim Martini, ob komplizierter oder fruchtiger, ob traditionell oder modern – der Gin ist wunderbar mixbar. Außerdem bietet der Gin an sich schon so viel Spielraum, dass es niemals langweilig wird. Das liegt daran, dass sich weit mehr als 100 pflanzliche Zutaten anbieten, um das Destillat zu aromatisieren. Man kann sich auf eine Handvoll an typischen, altbewährten Botanicals beschränken, das Ganze mit ein oder zwei exotischen Komponenten auffrischen oder sogar über 20 oder 30 Zutaten zum Einsatz kommen lassen. So gibt es nicht nur trockenen, aufrichtigen Gin, sondern auch fruchtigen, blumigen, würzigen, herben bis herbalen oder süßlichen Wacholderschnaps zu entdecken. Ein Blick in die Kategorien London Dry Gin, Dry Gin, New Western Dry Gin, Old Tom Gin, Plymouth Gin, Genever / Jenever und Sloe Gin macht deutlich, wie breit gefächert das Angebot ist.

Wofür steht also der Gin? Für manche bedeutet er Glück, für andere in Kombination mit einer anderen Zutat die perfekte Vereinigung bzw. Liebe und für wieder andere drückt er Heimatgefühl bis fast schon Patriotismus aus. Die meisten suchen schlichtweg eine Spirituose, die allein und in Mixgetränken auf ganzer Linie überzeugt, die viele Gesichter besitzt und die Menschen aus jeder Gesellschaftsschicht und in jedem Alter zusagt. Zu den bekannten Fans von Gin gehören neben den Schriftstellern und Politikern – von denen es ein paar Zitate zu lesen gab – noch die Stars und Sternchen und die Reichen und Schönen. Berühmte Fans von Gin waren u. a. die Queen Mum – inzwischen leider verstorben und ein großer Fürsprecher von Gin & Tonic – Richard Nixon, Julia Child und Ernest Hemingway. Queen Elizabeth II ist einem guten Gin übrigens auch alles andere als abgeneigt und trinkt angeblich Gordon's Gin mit drei Zitronenschnitzen. Und was für die anspruchsvolle Regentin gut genug ist und mit solchen Lobeshymnen besungen wird, das sollte man nun wirklich nicht unterschätzen.