Es existieren diverse Ginsorten, die alle als Klasse für sich betrachtet werden sollten und dennoch zahlreiche Gemeinsamkeiten aufweisen. Aus der Reihe tanzt neben dem Sloe Gin – eigentlich ein Likör mit Schlehen – noch der Plymouth Gin, der eine Spezialität darstellt und gar nicht einmal so bekannt ist. Was verbirgt sich hinter dem Wacholderschnaps aus England?
 

Begriffserklärung


Plymouth Gin

Plymouth Gin

Der London Dry Gin mag zwar auf die englische Hauptstadt London anspielen, aber er hat damit nur indirekt etwas zu tun. Die Spirituosengattung entstand in jener Metropole im Zentrum von Großbritannien während des 18. Jahrhunderts und wurde dort weiterentwickelt – und sie wird auch nach wie vor im großen Stile von mehreren Londoner Brennereien hergestellt – aber sie ist nicht zwingend an London gebunden. Der Produktionsstandort von London Dry Gin kann sich überall auf der Welt befinden, denn London Gin ist der Fachbegriff für eine Herstellungsweise, bei der alle Botanicals zusammen beim zweiten Brennvorgang zum Einsatz kommen und kein Zucker beigemischt werden darf. Anders ist das beim Plymouth Gin. Dieser profitiert in der Tat von einer geschützten Herkunftsbezeichnung, wie dies z. B. beim Cognac, Champagner und Calvados aus Frankreich der Fall ist. Der Gin darf nur in Plymouth destilliert und abgefüllt werden – und das derzeit lediglich von einem einzigen Betrieb.

Wissenswertes zur Stadt Plymouth in England


Plymouth Gin ist untrennbar mit der englischen Stadt Plymouth verbunden. Sie befindet sich an der Südküste der Grafschaft Devon nicht weit von Exeter und London entfernt und liegt zwischen den zwei Flüssen Tamar und Plym. Letzterer ist namensgebend und mündet in den Plymouth Sound. Gegründet wurde die Siedlung vermutlich während der Bronzezeit, wobei sie ihren Anfang auf und um den Berg Mount Batten nahm. Während des Römischen Reiches entwickelte sich die Ortschaft zu einem wichtigen Dreh- und Angelpunkt des Handels. Sie hörte lange auf den Namen Sutton, bevor sich der Begriff Plymouth durchsetzte. Die Stadt spielte in der Geschichte mehrfach eine bedeutende Rolle. So entsandte sie während des 17. Jahrhunderts Missionare in die Vereinigten Staaten und gründete dort eine der ersten englischen Siedlungen, die Plymouth Colony. Im Zuge der industriellen Revolution in England war Plymouth eine wichtige Hafenstadt und stellte die Verbindung zu Exportgütern und Passagieren nach Amerika dar. Lokale Rohstoffe wie Kupfer, Blech, Arsen und Sandstein wurden vom Plymouth-Hafen aus in die weite Welt hinaus transportiert, während der benachbarte Hafen Devonport zur strategischen Basis der Royal British Navy wurde. Eben jene Tatsache wurde der Bevölkerung zur Verhängnis, denn im Zweiten Weltkrieg führte man den "Plymouth Blitz" aus und zerstörte einen Großteil der Stadt. Das Zentrum wurde komplett neu errichtet. Heute leben rund 258.000 Menschen in der Hafenstadt, deren Wirtschaft sich größtenteils auf den Schiffbau und die Seefahrt stützt. Der Verteidigungssektor beschäftigt 12.000 Einwohner, und circa 7.500 sind Mitglieder in Militär, Marine und Luftwaffe. Die Stadt ist für den Fährenverkehr nach Frankreich und Spanien zuständig, entdeckt derzeit aber auch das Potenzial der Plymouth University und des Dienstleistungssektors. Der Plymouth Gin war einst ein bedeutender Bestandteil der Stadtkultur und Ökonomie und ist nach wie vor ein Markenzeichen. Verantwortlich hierfür ist die Plymouth Gin Distillery.

Die Plymouth Gin Distillery


Der Gin mit Premium-Qualität ist der ganze Stolz dieses Betriebs, der seit 1793 Plymouth Gin produziert. Die Entstehungsgeschichte hiervon hängt mit der militärischen bzw. maritimen Vergangenheit der Hafenstadt zusammen, denn der Wacholderschnaps wurde in erster Linie für die Angehörigen der British Navy produziert. Eben jene Royal Navy ist dafür verantwortlich, dass die Spirituose ihren Siegeszug um die ganze Welt antrat. Das führte dazu, dass der Plymouth in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts der am weitesten verbreitete Gin war. Wichtig ist dabei die geschützte Herkunftsbezeichnung, denn der Produktionsstandort und die Produktionseigenheiten prägen seit mehr als 200 Jahren diese typisch englische Ginsorte.

Die Plymouth Gin Distillery hat im Stadtteil The Barbican ihren Sitz. Sie wurde Ende des 18. Jahrhunderts auf die Beine gestellt und hört auch auf den Firmennamen The Blackfriars Distillery. Das hat seinen guten Grund, denn das historische, alte Firmengebäude beherbergte einst ein im 15. Jahrhundert konstruiertes Kloster eines dominikanischen Mönchsordens. Jene Blackfriars beeinflussten wohl die Ginherstellung mit ihrer cleveren Rezeptur für den Wacholderschnaps und seine Botanicals. Legenden zufolge kamen einige Pilgerväter damals in dem Gebäude unter, während die Mayflower im Hafen von Plymouth repariert wurde, bevor sie in die USA segelte. Das Gebäude umfasst heute zusätzlich eine Bar mit Bistro im Obergeschoss, und dort werden in Schaukästen alte Brennapparate und Sammelstücke der langen Gin-Geschichte ausgestellt.

Die Plymouth Gin Distillery gehört seit 2005 zur V&S Gruppe aus Skandinavien. Diese wiederum ist für den weltbekannten Absolut Vodka aus Schweden zuständig und wurde in den Spirituosenkonzern Pernod Ricard aus Frankreich integriert. Die Black Friars Distillery ist gegenwärtig der alleinige Hersteller von Plymouth Gin. Sie vermarktet ihn auf raffinierte Weise, in dem sie Merchandise in verschiedenster Form (wie z. B. Gläser und Aschenbecher sowie Miniatur-Flaschen) anbietet.

Die Eigenheiten von Plymouth Gin


Der festgelegte Standort der Herstellung und der Hersteller sind nicht die einzigen Besonderheiten am Plymouth Gin aus England. Es gibt ihn in einer Standardabfüllung mit einem Alkoholgehalt von 41,2 % vol., womit er ganz leicht über den Durchschnitt von 40 % und unter dem britischen Favoriten von 47 % vol. liegt. Plymouth Gin gilt als nicht ganz so trocken wie London Dry Gin und doch wird er nicht so stark nachgesüßt wie der liebliche Old Tom Gin. Kennzeichnend für den Gin aus Plymouth ist darüber hinaus, dass er nicht nur leicht gesüßt ist, sondern auch vollmundig und gefällig wirkt. Angeblich hat er seine geschmeidige Weichheit und seinen Hauch von Süße der Tatsache zu verdanken, dass die Blackfriars Distillery bei den Botanicals das Hauptaugenmerk auf Wurzeln legt – wobei natürlich Wacholderbeeren und Koriandersamen die dominierenden Zutaten sind. Die Wurzeln verleihen dem Gin ein erdiges Flair und einen runderen, weicheren Touch. Zum Einsatz kommt landwirtschaftlicher Neutralalkohol, der per dreifacher Destillation mit eigens ausgesuchten Botanicals aromatisiert wird. Auf Bitterstoffe verzichtet der Produzent.

Wer mag, kann sich für den Plymouth Gin in Navy Strength entscheiden, wie er jahrzehntelang der Royal Navy in täglichen Rationen verabreicht wurde und die Seefahrt angenehmer machte. Dieser Wacholderschnaps besitzt eine erhöhte Trinkstärke von 57 % vol. und ist damit intensiver und charaktervoller. Es gibt eine internationale Version, welche die goldene Mitte zwischen den zwei Versionen darstellt und 47 % vol. Alkoholgehalt aufweist. Inzwischen ist von der Plymouth Gin Distillery sogar noch Sloe Gin zu haben.

Was das Aroma und den Geschmack von Plymouth Gin aus Plymouth angeht, so zeigt er sich süßlich und eher fruchtig, ohne zu sehr an den Old Tom Gin denken zu lassen. Zitrusfrüchte und Wacholder machen sich gemeinsam mit Angelikawurzel und ein wenig Kardamom bemerkbar. Die Schwertlilie gesellt sich als weitere Wurzel dazu, und man vernimmt nicht zuletzt einen Beiklang von Getreide. Das Finish ist angenehm sanft.

 

weiterführende Links

Gin Tonic Tonic Fever Tree Tonic Fentimans Tonic 28 Drinks Tonic 1724 Tonic Gents Tonic Thomas Henry