Gin-Botanicals-Bohnenkraut

Unter den pflanzlichen Zutaten, die sich für die Aromatisierung von Gin anbieten, befinden sich überdurchschnittlich viele Kräuter bzw. Kraut-artige Pflanzen. Oft sind es die Samen oder Früchte, die z. B. in der Form von Koriander oder Anis zum Einsatz kommen. Eine Ausnahme stellt das Bohnenkraut dar, das eher zu den Geheimtipps als zu den Klassikern zählt. Sowohl der eine oder andere etwa aus der Reihe tanzende London Dry Gin als auch manche moderne New Western Dry Gins profitieren von diesem Botanical.

Allgemeines zur Pflanze

Die Bohnenkräuter gehören zur Familie der Lippenblütler, die breit gefächert ist und in unseren Breitengraden zum Teil vorkommt. Es handelt sich in den meisten Fällen um krautige Pflanzen, wobei auch Zwergsträucher zu beobachten sind. Die ausdauernden oder zweijährigen Bohnenkräuter verfügen über aufrechte Stängel, schmale, längliche Blätter und lockere Blütenstände. Je nachdem, um welche Art von Bohnenkraut es sich handelt, können die kelchförmigen Blüten verschiedene Farben annehmen, die von Weiß über Zartrosa bis hin zu Rötlich und Blassviolett reichen. Am bekanntesten aus der Gattung der Bohnenkräuter (Satureja) ist hierzulande das Berg-Bohnenkraut (Satureja montana), das man auch als Winter-Bohnenkraut bezeichnet, wobei man noch das Sommer-Bohnenkraut (Satureja hortensis) zu schätzen weiß. Obgleich in Mitteleuropa keine Art heimisch ist, kennt man im europäischen Raum rund zwölf Arten. Gemäßigte bis warme Gebiete und Gebirgsregionen in den Tropen liefern die besten Bedingungen für die wildwachsenden Bohnenkräuter, die teilweise eher unscheinbar aussehen. Insgesamt sind beinahe 40 Arten vorzufinden, von denen einige nur in einem bestimmten Land oder einer Region der Welt vorkommen. Im Iran finden sich gleich mehrere Arten, wobei man sich nicht sicher sein kann, dass das Bohnenkraut ursprünglich aus jenem Land im Nahen Osten stammt. Ebenso finden sich diverse Arten in der Türkei und im Irak. Abgesehen von der Balkanhalbinsel beherbergen einige Mittelmeerländer wie Spanien und Griechenland diverse Bohnenkrautarten.

Die Verwendung von Bohnenkräutern

Das Sommer-Bohnenkraut bezeichnen manche korrekterweise als Echtes Bohnenkraut oder Gartenbohnenkraut, und eben jene Bezeichnungen legen nahe, dass diese Art weitverbreitet und bekannt ist sowie genutzt wird. Man nutzt das Sommerbohnenkraut sowohl als Gewürzpflanze als auch als Heilpflanze in der alternativen Medizin. Die einjährige, krautige Pflanze ist stark verzweigt und besitzt eine kräftig ausgeprägte Hauptwurzel sowie hell violettfarbene Blüten. Von Juli bis Oktober blüht das Echte Bohnenkraut und kann geerntet werden, um es medizinisch zu verwenden oder damit Gin zu aromatisieren. Eiförmige bis rundliche, dunkelbraune Samenkörner befinden sich im Inneren und sind ausgesprochen klein mit einer Länge von 1 bis 1,5 mm. Das ursprünglich vermutlich aus dem östlichen Mittelmeerraum stammende Sommer-Bohnenkraut beinhaltet in den Samen ätherische Öle, die sich für die Verwendung in der Naturheilkunde und in der Küche anbieten. Stickstoffreicher, steiniger und lockerer, nicht zu trockener Boden ist ideal für das Wachstum des Bohnenkrauts, sowohl im Garten als auch in freier Natur. Das Gartenbohnenkraut kannte man schon zur Zeit der Römer, wobei es im Mittelalter gezielt angebaut wurde. Mitte der 90er-Jahre kultivierte man das Sommerbohnenkraut in der Bundesrepublik auf rund 80 Hektar. Importiert wurde und wird es vor allem aus Russland, Sri Lanka, der Türkei, Indien und Afghanistan. Bei der Zucht wird darauf geachtet, dass ein möglichst hoher Anteil an ätherischen Ölen und an Blättern erzielt wird. Geerntet wird sowohl kurz vor als auch während der Blütezeit. Erst kannte man das Kraut in Deutschland in der Heilkunde, später entdeckte man es zudem als Gewürz. Den Namen Bohnenkraut hat es wahrscheinlich der Tatsache zu verdanken, dass es sich bestens zum Würzen von Bohnengerichten eignet. Die getrockneten Blätter (und Samen) kommen genauso zum Einsatz wie die frischen Blätter. In der Pflanzenheilkunde nutzt man Tees zur Verdauungsförderung und erhofft sich zudem, damit Bronchialerkrankungen zu lindern.

Im Süden von Europa ist das Winter-Bohnenkraut weitverbreitet, das hellere und größere Blüten von fast weißer Farbe aufweist. Diese ebenso als Berg-Bohnenkraut bezeichnete Krautpflanze wird als immergrüner Halbstrauch klassifiziert und wird bis zu einem halben Meter hoch. Die Nektar-führenden Lippenblüten locken allerlei Insekten an. Das Winterbohnenkraut aus Südeuropa kann ebenfalls in der Naturheilkunde sowie als Küchengewürz genutzt werden, da es kleine Samen mit ätherischen Ölen und Bitterstoffen besitzt. Man importiert es u. a. von der Balkanhalbinsel. Hierzulande baut man es nicht im großen Stil an, obwohl es anspruchslos ist. Man gewinnt hauptsächlich das ätherische Öl in Reinform, um damit z. B. Gin anzureichern. Des Weiteren pflanzen manche das Bergbohnenkraut in Steingärten als Zierpflanze oder als Futter für Bienen an. Es ist beliebt, weil man es sowohl in Mischkulturen mit Bohnen anpflanzen kann, um Käfer fernzuhalten, als auch mit Rosen, um Blattläuse und Mehltau zu vertreiben. Da es einen intensiveren Geschmack als das Sommer-Bohnenkraut sein Eigen nennt, kommt es nur selten als Gewürzpflanze zum Tragen. Eine Ausnahme ist das treffend benannte Zitronen-Bergbohnenkraut mit seinem zitronigen, warmen Aroma, das nur sehr dezent bitter ist und daher u. a. für Tees verwendet wird.

Gin und Bohnenkraut

Man begegnet dem Bohnenkraut beim Gin vergleichsweise selten. Sowohl das Sommer-Bohnenkraut als auch das Winter-Bohnenkraut lässt sich theoretisch aufgrund der ätherischen Öle nutzen, wobei Letzteres überwiegt. Da ein bitterer Geschmack kennzeichnend für die Pflanze ist, sollten nur geringe Mengen zum Einsatz kommen – speziell beim intensiveren Berg-Bohnenkraut. Zu den Gins auf dem Markt, die sich Bohnenkräuter zunutze machen, gehören z. B. Moabit London Dry Gin, Tanqueray Bloomsbury London Dry Gin, Citadelle Gin, Mayfair London Dry Gin und Clouds Gin Limited Edition. Der englische Begriff für Bohnenkraut ist savory bzw. savoury, was weiterhelfen kann, wenn bei internationalen Produktbeschreibungen auf der Suche nach der interessanten, nicht mit Bohnen verwandten Zutat ist. Manche Hersteller von Wacholderschnaps kombinieren es mit Minze oder mit Rosmarin.