Gin-Botanicals-Engelswurz

Es bieten sich unglaublich viele pflanzliche Komponenten an, um damit Gin zu aromatisieren. Zu den Klassikern – die neben den obligatorischen Wacholderbeeren zum Einsatz kommen – gehören u. a. Koriandersamen, Zitrone, Orange, Iriswurzel und Angelikawurzel. Letzteres Botanical wird auch Engelswurz oder Engelwurz genannt und ist überdurchschnittlich oft mit von der Partie.

Allgemeine Informationen zu Engelswurz

Engelswurz

Diese Pflanze ist Teil der Familie der Doldenblütler. Der lateinische Name der Engelwurzen ist Angelica, was den Begriff Angelikawurzel erklärt. Bis zu 100 Arten der Pflanze sind bekannt, wobei die meisten davon auf der Nordhalbkugel vorzufinden sind. Es handelt sich unabhängig von der Art um eine krautartige Pflanze, bei der das Hauptaugenmerk auf dem Wurzelstock liegt, der nicht zuletzt für das Aromatisieren von Gin zum Tragen kommt. Das Kraut besitzt einen gestreiften Stängel mit Verzweigungen und Blattscheidenresten am oberen Ende des Wurzelstocks. Die doppeldoldigen Blütenstände sind ein weiteres Merkmal der Pflanze. Engelswurz bildet mehrere, kleine, weiß-gelbe Blüten in doldenförmigen Blütenständen aus. Diese wachsen zu den Früchten mit den winzigen Samen heran. Anders als bei vergleichbaren Botanicals für Gin, die zu den Krautarten gehören, nutzt man nicht nur die Samen oder Früchte, sondern auch die Wurzel.

Die Angelikawurzel kennt man unter jenem botanischen Begriff und schriftlich erwähnt seit Mitte des 18. Jahrhunderts. Carl von Linné stellte die Pflanzengattung der Engelwurzen auf. In Europa (in den nördlichen Breitengraden) sowie in den USA kommen zahlreiche Arten von Engelwurz vor. In Amerika sind es über 20, in China am anderen Ende der Welt (aber ebenfalls auf der Nordhalbkugel) zwischen 40 und 50. Sogar im hohen Norden bei kaltem Klima wie im Himalaya-Gebirge, in Lappland und in Island gedeiht die genügsame Pflanze, die eine Wuchshöhe von 1 bis 3 m erreicht. Auch in Deutschland wächst die Engelswurz, die u. a. als Arzneipflanze in der Form von Angelica archangelica bekannt ist. Die Arznei-Engelwurz ist im Hinblick auf die Wachstumsbedingungen recht anspruchslos, wobei sie feuchte Böden bevorzugt. Am Ufer von Gewässern wie Seen und Flüssen kann man sie wildwachsend oft vorfinden, wobei sie in der Bundesrepublik weder ausgesprochen bekannt noch komplett unbekannt ist.

Die Nutzung von Engelwurz

Angelika wird größtenteils in der alternativen Medizin und Pflanzenheilkunde verwendet. Eben jene Art Angelica archangelica kommt zum Einsatz, wenn man Gin aromatisieren möchte. Die Pflanze wird zu unterschiedlichen Verwendungszwecken in Ländern wie Deutschland, Polen, Niederlanden, Frankreich, Italien, Belgien, Tschechien und Schweiz kultiviert, wohingegen sie in den nördlicheren Ländern vorwiegend natürlich vorkommt. Kennzeichnend für die Pflanze in ihren verschiedenen Arten ist die Farbe. Deutsche Engelswurz ist im Vergleich zu französischer Angelikawurzel ein wenig dunkler. Die Arznei-Engelwurz wird auch Echte Engelwurz genannt, und verschiedene Pflanzenteile können genutzt werden. Die Küsten-Engelwurz ist eng mit ihr verwandt.

Es gibt Unterschiede zwischen jenen zwei Unterarten, von denen eine hierzulande in der Volksmedizin eine wichtige Rolle spielt. Die Küsten-Engelwurz verfügt über kleinere Döldchen und härtere Stängel. Jene Stängel besitzen einen stechend scharfen, herben Geruch und Geschmack. Wie der Name es nahelegt, bevorzugt sie Küstenregionen und Ufernähe. Die salztragende Pflanze findet man aber ebenso in Gebüschen. Bevorzugt wird die andere Unterart, die Echte Engelwurz. Ihr Stängel ist nicht hart, sondern weich und saftig. Zudem riecht und schmeckt er zwar würzig, wirkt aber nicht unangenehm scharf. In diesem Sinne ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Arznei-Engelwurz rege angebaut und verarbeitet wird. Sie ist sowohl als Heilpflanze als auch als Gewürzpflanze anerkannt. Sie gilt als sehr schwach giftig, wobei sie in so geringen Mengen zum Tragen kommt, dass keinerlei Grund zur Sorge besteht. Lediglich, wer auf dem Feld bzw. in frisch gemähten Wiesen oder bei der Ernte in Berührung mit den Furocumarinen im Inneren der Pflanze in Kontakt kommt, riskiert Hautirritationen wie Dermatitis.

Sowohl die Wurzeln als auch das Rhizom und die Samenkörner beherbergen wertvolle ätherische Öle in sich und werden für die Volksmedizin, das Würzen von Speisen und die Aromatisierung von Gin zurate gezogen. Die unterirdischen Pflanzenteile wie die eigentliche Angelikawurzel kommen am häufigsten zum Einsatz, beispielsweise für die Droge Angelica radix. Ein Tee oder ein alkoholischer Auszug soll angeblich gegen Magen-Darm-Beschwerden, Appetitlosigkeit und Blähungen oder Völlegefühl helfen. Als Angelica aetheroleum setzt man das ätherische Öl der Arznei-Engelwurz ein, wenn man Neuralgien, Gicht und Rheuma (äußerlich) oder Schlaflosigkeit (innerlich) bekämpfen möchte. Koliken und Urinprobleme können therapiert werden. Insgesamt ist jedoch Vorsicht bei der Dosierung geboten, damit der Wirkstoff nicht toxisch wird. Engelswurz findet sich hin und wieder in Schnupftabakmischungen wieder. Selten stößt man im Handel auf kandierte Pflanzenstängel, die als Dekoration für Gebackenes und als Süßigkeit geschätzt werden. Die Lappländer verzehren die fleischigen Wurzeln. Vermutlich hat sich diese Verhaltensweise eingebürgert, weil man Engelwurz eine wärmende Wirkung nachsagt. Die Wirkstoffe – und das ist nicht eindeutig belegt – sollen die Blutzirkulation in den Händen und Füßen verbessern. In Deutschland war die Angelika damals mit dem Aberglauben verbunden. Sie sollte gegen Hexenwerk und allerlei Übel schützen, gegen den bösen Blick feien und sogar Vergiftungen bekämpfen oder verhindern. Auch im englischsprachigen Raum war man im Hinblick auf die Engelswurz etwas abergläubisch. Die Legende will es, dass ein Erzengel die Pflanze zur Bekämpfung der Pest eingesetzt hat, weshalb sie als "the root of the Holy Ghost" bekannt war.

Engelswurz und Gin

Die Angelikawurzel liefert ihre ätherischen Öle, um Wacholderschnaps – und ebenso manche Kräuterliköre und Bitterschnäpse / Magenbitter wie z. B. Chartreuse und Benedictine – zu aromatisieren. Interessanterweise wird das Rhizom bevorzugt, sodass der Begriff Engelswurz bzw. Angelikawurzel / angelica root ein wenig irreführend ist. Aber auch die Wurzel liefert ihre Inhaltsstoffe für den Wacholderschnaps, wenn man sie in einem alkoholischen Destillat mazerieren lässt. Während einst die gelblichen Samen ebenfalls Verwendung fanden, stützen sich die meisten Gins heutzutage nicht mehr auf sie. Das hat damit zu tun, dass die Hersteller von Zahnpasta die Angelikasamen für sich entdeckt haben und damit fast den gesamten Bedarf abdecken. Gin mit Engelswurz setzt noch auf zahlreiche weitere Botanicals, sodass die feinherb würzigen Noten der Pflanze sich nicht wirklich herausschmecken oder herausriechen lassen. Diverse Produzenten und Marken nutzen Engelwurz bei der Herstellung von Gin. Man kann sich beispielsweise für Sipsmith London Dry Gin, Jodhpur Gin, Geranium Gin, Hendrick's Gin, Monkey 47 Schwarzwald Dry Gin, Tanqueray London Dry Gin und Tanqueray Old Tom Gin, Reisetbauer Blue Gin, Beefeater 24 Gin, Pure Gin, Gordon’s London Dry Gin, Pink 47 London Dry Gin, Bombay London Dry Gin sowie Roundhouse New Western Dry Gin und Roundhouse Imperial Barrel Aged Gin entscheiden. Welche Botanicals gern in Begleitung der Engelwurz verwendet werden, das variiert von Produkt zu Produkt.