Gin Botanicals Fenchelsamen

Es bieten sich theoretisch bis zu 120 Botanicals an, um damit Gin zu aromatisieren. Darunter gibt es wahre Exoten, denen man so gut wie nie begegnet oder die nur bei den modernen Kreationen wie dem New Western Dry Gin zum Einsatz kommen, und Klassiker, die überdurchschnittlich häufig verwendet werden. In letzte Kategorie gehören u. a. neben den Wacholderbeeren (die ein Muss sind) noch Koriander, Zitronenschalen, Orangenschalen und Anis. Des Weiteren begegnet man oft Wacholderschnaps, der mit Kümmel oder Fenchelsamen angereichert wurde. Wie kommt Fenchel zum Einsatz, und was bewirkt er?
 

Allgemeine Informationen zu Fenchelsamen


Fenchelsamen

Fenchelsamen

Die Fenchelpflanze gehört zu den Doldenblütlern, wie dies auch bei vielen anderen Kräutern und Gewürzen der Fall ist. Eingestuft wird sie sowohl als Heilpflanze als auch als Gewürzpflanze und Gemüsepflanze. Damals existierte im Deutschen der Begriff Köppernickel für den Fenchel, wobei man ihm heute nur noch selten begegnet. Der englische Ausdruck ist "fennel" und wird bei manchen Produktbeschreibungen von Gin aus Großbritannien wie London Dry Gin erwähnt. 2009 hat man den Fenchel in der Bundesrepublik zur Arzneipflanze des Jahres gewählt. Das mag daran liegen, dass man dem Fenchel eine beruhigende Wirkung bei Magen- und Darmbeschwerden nachsagt. Des Weiteren verfügen die Samen wahrscheinlich über eine antibakterielle Wirkung und können Atemwegsbeschwerden lindern. Die Pflanze wird häufig unter dem Begriff Gartenfenchel oder Echter Fenchel geführt und ist in Deutschland und den europäischen Nachbarländern recht weit verbreitet. Fenchelhonig kommt zum Teil bei Störungen des Magen-Darm-Traktes und bei Erkältungen als Hausmittel zum Tragen. Bereits Hippokrates soll den Fenchel erforscht und empfohlen haben.

Der Fenchel ist eine krautige Pflanze mit einem Lebenszyklus von zwei Jahren. Je nach Art und Anbaugebiet beträgt die Wuchshöhe zwischen 0,4 und 2 m. Kennzeichnend für die Fenchelpflanze ist ihr würziger Geruch, der an Anis und Sternanis denken lässt und doch als Klasse für sich betrachtet werden sollte. Die Pflanze weist doppeldoldige Blütenstände auf, an deren langen Stängeln 30 bis sogar 40 Döldchen vorzufinden sind. Aus den kleinen Blüten von gelblicher Farbe bilden sich die winzigen Früchte und danach die Fenchelsamen heraus. Unterschieden wird beim Fenchel in drei Oberkategorien: Bitterfenchel / Wilder Fenchel, Süßfenchel / Gewürzfenchel, und Knollenfenchel / Zwiebelfenchel / Gemüsefenchel. Sowohl der Wuchs als auch die pflanzlichen Eigenschaften wie der Duft als auch die Verwendung unterscheiden diese Arten. Der Gewürzfenchel bzw. Süßfenchel liefert meist die Fenchelsamen für die Aromatisierung von Gin.

Ursprünglich stammt der Fenchel vermutlich aus dem Mittelmeerraum, und noch heute wird er dort im großen Stile angebaut und verarbeitet. Die Kulturpflanze kommt dort zudem wild vor. Um ideal zu wachsen, benötigt die Krautpflanze ausreichend Wärme und mäßige Trockenheit. Der Boden sollte im Idealfall Löss oder Lehm beinhalten und basen- sowie nährstoffreich sein. Wer Lust auf deutschen Fenchel verspürt, der kann ihn im Sommer von Juni bis September frisch im Handel kaufen. Die Fenchelsamen sind (getrocknet) natürlich das ganze Jahr über erhältlich.

Die Verwendung von Fenchel


Manche werden aus ihrer Kindheit die Nutzung von Fenchel für Tees kennen, die zum Teil als verdauungsfördernd angesehen werden und mit ihrem süßlich bitteren Geschmack und unverwechselbaren Aroma nun wirklich nicht jedermanns Sache sind. Fencheltee ist hierzulande relativ bekannt. Doch nur wenige wissen, dass die Fenchelsamen auch zum Aromatisieren von Spirituosen genutzt werden. Sie verfeinern nicht nur den Gin, sondern auch so manch einen Absinth. Hin und wieder kommen sie bei einem Kräuterlikör / Gewürzlikör / Magenbitter zum Einsatz. Der Pastis, wie er aus Frankreich kommt und in anderen Ländern inzwischen geschätzt wird, verlässt sich ebenfalls auf die Samen der Fenchelpflanze.

Abgesehen von der Verwendung zum Herstellen oder Aromatisieren von alkoholfreien und alkoholhaltigen Getränken kommen Fenchelsamen natürlich noch in der Küche zum Einsatz und dienen dem Würzen. Es umgibt sie ein mediterranes Flair. Die Knollen sind noch bekannter als die Samen und werden z. B. in Kombination mit Fischgerichten, Gemüsegerichten und Salat eingesetzt. Wer damit keinen Fisch dünsten will, der kann die Samen oder fein geschnittene Knollenstücke zu Hackfleisch oder Saucen hinzugeben. Die Blätter lassen sich hacken und zum Abschmecken von Salaten und Suppen verwenden. Was die Samen angeht, so stecken sie voller ätherischer Öle und Inhaltsstoffe, denen man auch bei vergleichbaren Pflanzen und Gin-Botanicals begegnet. Dazu gehören u. a. Limonen (siehe Zitrone) und Estragol. Die Samen kommen für Teeaufgüsse zum Tragen und können in Schwarzbrot eingebacken werden. Bei indischen und allgemein asiatischen Gerichten sind Fenchelsamen unerlässlich, wobei sie sowohl allein als auch als Bestandteil von Gewürzmischungen vorzufinden sind.

Fenchelsamen und Gin


Nicht die Fenchelknollen, sondern die Samen werden genutzt, um Gin zu aromatisieren. Die kleinen, länglichen, hellgrün bis gelblich und hellbraun aussehenden Samen dürfen meist im Alkohol mazerieren, indem sie gemeinsam mit anderen Botanicals darin eingelegt werden. Sie geben so ihre Aromen an das Destillat ab, die an Anisnoten denken lassen. Teilweise verlassen sich die Hersteller auf eine schonende Dampfdestillation. Die meisten Produzenten erwähnen es nicht explizit, wenn sie Fenchelsamen in ihren Gin integrieren. Das liegt daran, dass man den Geschmack nicht direkt herausschmeckt. Manche denken sogar, die feinherben Noten seien dem Anis zu verdanken. Gin mit Fenchelsamen findet sich u. a. in den Versionen Citadelle Reserve Gin und Citadelle Gin, Death's Door Gin, Saffron Gin und Gabriel Boudier London Dry Gin. Die Gins mit Fenchel eignen sich wunderbar zum Mixen von Cocktails und Longdrinks.