Gin-Botanicals-Ingwer

Zur Aromatisierung von Gin kommen allen voran Fruchtschalen – speziell von der Orange und der Zitrone – sowie Wacholderbeeren und Koriandersamen zum Einsatz. Doch daneben eignen sich auch Gewürze, Kräuter und diverse pflanzliche Komponenten wie Blumen oder Wurzeln für das Verfeinern von Wacholderschnaps. Einer Wurzel begegnet man überdurchschnittlich häufig, wenngleich sie nicht wirklich zu den Klassikern gehört: der Ingwerwurzel. Was ist ihr Erfolgsgeheimnis und in welcher Hinsicht wirkt sie sich auf den Genuss aus?

Allgemeines zur Ingwerpflanze

Ingwerwurzel

Ingwer ist eine Knolle bzw. wird als Wurzelgewächs bezeichnet. Einige sprechen auch von einem Rhizom. Der Ingwerwurzelstock ist im Pharmazeutischen unter dem lateinischen Fachbegriff Zingiberis rhizoma bekannt, während man beim Ingwer allgemein von Zingiber officinale spricht. Die Pflanzenart zählt zu den Ingwergewächsen und findet im Grunde nicht nur als Küchengewürz, sondern auch als Arzneidroge in der alternativen Medizin Verwendung. Tropische und subtropische Gebiete liefern das passende Klima für das Wachstum der Ingwerpflanze, die in erster Linie mit Asien in Verbindung gebracht wird. Woher genau sie stammt, ist nach wie vor nicht geklärt, wobei manche Experten davon ausgehen, dass ihre Geburtsstätte auf den pazifischen Inseln zu finden ist. Heute wird die überwiegende Mehrheit der Ingwerwurzeln in Indien angebaut. In diesem asiatischen Land beläuft sich die Produktionsmenge auf bis zu 250.000 Tonnen im Jahr. Kein anderes Land baut so viel Ingwer an wie Indien, doch interessanterweise ist China vermutlich der größte Exporteur davon. Im mitteleuropäischen Raum kennt man die Ingwerwurzel erst seit dem 9. Jahrhundert. Man wurde durch den Handel mit Asien auf die scharfe Knolle aufmerksam und nutzt sie seither in erster Linie zum Würzen von Speisen – frisch und gerieben, zerstoßen oder als getrocknetes Pulver – sowie darüber hinaus als natürliches Heilmittel. Der unterirdische Teil der Pflanze ist den meisten bekannt. Die Wurzel wächst knollenförmig mit mehreren Verästelungen, sowohl länglich als auch dicklich. Das Innere der Ingwerwurzel weist einen hellen, gelblichen Farbton auf und ist faserig sowie saftig. Umgeben ist es von einer dünnen, bräunlichen Schale, die man am besten nicht mit verwendet. Bei der Ingwerpflanze an sich handelt es sich um ein optisch an Schilf erinnerndes Kraut mit einer durchschnittlichen Wuchshöhe von 0,5 bis 1,5 m und langen Laubblättern sowie dicken Stängeln. Das verzweigte Rhizom – der uns bekannte Ingwer – wächst unterirdisch horizontal.

Die Verwendung von Ingwer

Die Knolle kommt in der alternativen Medizin beispielsweise bei Erkältungen oder Verdauungsbeschwerden zum Tragen. Ingwertee ist relativ weitverbreitet, wenngleich er von vielen eher als Genuss statt als Heilmittel betrachtet wird. Manchmal wird grüner Ingwer in der Form von jung geernteten, pralleren bzw. saftigeren Rhizomen eingelegt und verzehrt und ist dann zwar aromatisch, aber nicht mehr brennend scharf. Junger Ingwer ist etwas milder. In der Küche begegnet man dem Ingwergeschmack bei süd- und ostasiatischen Gerichten wie Curries, in der einen oder anderen Gewürzmischung, beim Backen und zur Dekoration. Es hat sich eingebürgert, hierfür die Wurzel zu kaufen und nach dem Reinigen und Schälen zu reiben oder in hauchzarte Scheiben zu schneiden. Je frischer die Knolle, desto intensiver ist ihr unverwechselbarer Geschmack und anregender Duft. Setzt man die Wurzel zu viel Sonnenlicht oder Hitze aus oder lagert man sie zu lange, trocknet und schrumpelt sie. Zu viel Feuchtigkeit hingegen bringt sie zum Schimmeln. Geschätzt wird der Ingwer aufgrund seiner Schärfe, die einen ziemlichen Biss mitbringt, aber z. B. komplett anders scharf ist als Chilischoten oder Pfeffer. Etwas Herzhaftes und leicht Herbes wohnt der pikanten Ingwerknolle inne. Manche riechen gern an der frischen, von ihrer Schale befreiten Ingwerwurzel, um damit quasi aufmerksam und wach zu bleiben.

Was die Kombination Ingwer und Spirituosen betrifft, so kann man die Kategorie in zwei Unterkategorien unterteilen. Zum einen gibt es Getränke mit Ingwergeschmack, die komplett ohne Alkohol auskommen und gern in Kombination mit Spirituosen verwendet werden, um Cocktails und Longdrinks zu mixen. Dazu gehören natürlich die Klassiker Ginger Ale und Ginger Beer. Sie weisen nur geringe Unterschiede auf und wurden von Großbritannien geprägt. Man zählt die Erfrischungsgetränke wie Tonic Water und Bitter Lemon zu den Bitterlimonaden mit herbem Beigeschmack und eher wenig Süße. Der scharfe Ingwergeschmack wirkt durch die Kohlensäure noch frischer und herzhafter. Der bittere Beiklang wird durch eine dezente Süße aufgelockert und passt sowohl zu fruchtigen Mixzutaten als auch zu den verschiedensten Spirituosen. Manche Hersteller bieten neben den Klassikern noch Varianten an, die z. B. mit dem Zusatz "hot" versehen werden und auf eine Extraportion Ingwerschärfe setzen. Getränke mit Ingwer oder Ingwersirup können zum Mischen von Drinks sowohl mit Gin als auch mit Champagner oder Vodka oder mit Limettensaft kombiniert werden.

Gin und Ingwer – ein Traumpaar?

Des Weiteren kommt die Ingwerwurzel selbst zum Einsatz, um gewisse Spirituosen zu aromatisieren, obwohl aus ihr im Gegensatz zu Früchten nicht direkt Alkohol gebrannt wird. Auf keinen Fall vergessen darf man den Gin mit Ingwer, denn bei Kräuterlikören und Gewürzlikören wendet man sich eher selten an die Ingwerwurzel. Doch so manch ein Fruchtlikör macht sich die Wurzel zunutze, da sie bestens zu Zitrusfrüchten passt. Andere Wurzeln wie Iriswurzel und Engelswurz (Angelikawurzel) kommen für die Aromatisierung von Gin ein wenig häufiger zum Tragen als Ingwer. Das typische, kräftige Aroma der Ingwerknolle und ihr scharfer, würziger Geschmack machen sich unterschwellig bemerkbar, wobei jeder Wacholderschnaps bekanntlich auf ein Zusammenspiel aus vielen verschiedenen Botanicals setzt. Die nur schwer in pauschalen Worten beschreibbare, pikante Würze hat die Wurzel dem Inhaltsstoff Gingerol (aromatische Substanz) und den ätherischen Ölen zu verdanken.

Beachtet werden sollte dabei, dass Zuviel des Guten den Gin quasi zerstören statt bereichern kann. Verwendet man beim Aromatisieren zu viel Ingwer, dann gerät die Schärfe außer Rand und Band und wird beinahe zum Scherzauslöser oder lässt die übrigen Zutaten untergehen. Das Rhizom sollte daher in Maßen genutzt werden, ähnlich wie z. B. Fenchel. Richtig dosiert kann es den Gaumen kitzeln und der Spirituose einen gewissen Pep verleihen. Zu den Ginsorten mit Ingwer gehören u. a. Adler Berlin Dry Gin, Gordon's London Dry Gin, Jodhpur London Dry Gin, Monkey 47 Schwarzwald Dry Gin, Ferdinand's Saar Dry Gin, Applaus Stuttgart Dry Gin, Boë Superior Gin, 5 Continents Hamburg Dry Gin, Windspiel Premium Dry Gin, G'Vine Nouaison Gin, Niemand Dry Gin, O49 Organic Gin, Nordisch Gin und Six Ravens London Dry Gin.