Gin-Botanicals-Iriswurzel

Wurzeln begegnet man bei der Aromatisierung von Gin relativ oft. Bekannt sind u. a. die Ingwerwurzel und die Angelikawurzel / Engelswurz. Ebenso trifft man auf die Iriswurzel, die man sofort mit der Blume Iris in Verbindung bringt. Was zeichnet sie aus?

Allgemeine Informationen

Die Iriswurzel ist auch unter dem Namen Veilchenwurzel bekannt. Es handelt sich in der Tat um die Wurzel einer Irisart, wobei die Pflanzengattung Iris für gewöhnlich in der Familie der Schwertliliengewächse zusammengefasst wird. Die Unterart, deren Wurzeln bei Gin und Parfüm zum Einsatz kommt, wird im Lateinischen als Iris germanica var. florentina bezeichnet, und ihr klangvoller Name lässt an Deutschland denken. Die Gattung der Schwertlilien hat man nach der griechischen Göttin des Regenbogens benannt. Das erklärt genauso den Bestandteil des Auges, der als Regenbogenhaut oder Iris bezeichnet wird. Anlass der Namensgebung waren vermutlich die vielen verschiedenen Farbschläge, die sich bei den Schwertlilien beobachten lassen und beinahe einen Regenbogen liefern. Die Schwertlilien sind übrigens trotz der Ähnlichkeit des Namens nicht wirklich mit den Lilien verwandt. Im Englischen bezeichnet man den ersten Teil der Iris-Wurzel als "orris root".

Es handelt sich bei der Iris-Gattung um krautartige Pflanzen, die als ausdauernd und genügsam gelten und aufgrund ihrer bunten, schönen Blumen zu den beliebten Zierpflanzen in unseren Breitengraden gezählt werden. Zwiebel-ähnliche Knollen und Rhizome sind ein Wachstumsmerkmal der Schwertlilien, und genau hierunter versteht man die "Wurzel". Das Hauptaugenmerk liegt bei den Iris-Pflanzen auf den wunderschönen und vergleichsweise großen Blüten. Der Blütenstand unterteilt sich in drei separate Drittel, die von den angelockten Bienen und Insekten unabhängig voneinander angeflogen werden. Aus den befruchteten Blüten bilden sich Kapselfrüchte, die im reifen Zustand aufreißen. Je nachdem, wie man die Kategorie betrachtet, gibt es weltweit zwischen 200 und fast 300 Arten der Schwertlilien mit wiederum diversen Unterarten. Sie stammen ausschließlich von den gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel. Sechs Untergattungen unterteilen die Gattung Iris innerhalb der Schwertlilien-Familie. Bei den rund 280 Arten, die in offiziellen Checklisten und botanischen Nachschlagwerken aufgelistet sind, stechen einige hervor, die bekannter sind. Ein Großteil davon ist in Kleinasien zu Hause, der Rest stammt ursprünglich aus Mitteleuropa oder aus den Regionen rund um China. Die Löwenblume ist in Asien beheimatet, die Gras-Schwerlilie in Europa, die Regenbogen-Schwertlilie in einem Gebiet in den USA. Die Englische Schwertlilie stammt nicht etwa aus England, sondern aus dem Mittelmeerraum, und die Sumpf-Schwertlilie bzw. Wasser-Schwertlilie fühlt sich fast überall auf der nördlichen Halbkugel wohl. Genauer betrachten wollen wir die Deutsche Schwertlilie (Iris germanica / Iris flavescens / Iris florentina), die streng genommen zu den bekannten Hybriden gehört. Die Unterart Iris pallida liefert ebenfalls ihr Wurzelrhizom.

Die Verwendung der Schwertlilie

Die Deutsche Schwertlilie hört auch auf den Namen Ritter-Schwertlilie. Die krautartige Pflanze ist mehrjährig und wird maximal 80 cm hoch. Sie besitzt auffällige Blüten in einem Farbton von bläulichem, sowohl dunklem als auch hellem Violett. Das Schwertliliengewächs von deutscher Abstammung ist eine Burgenpflanze, die damals der Feinabwehr dienen sollte. Ab dem Mittelalter wurde sie zur alten Bauerngartenpflanze, wobei man sie für die Nutzung in der Heilkunde entdeckte. Der Frühlingsblütler besitzt einen wohlriechenden Wurzelstock, der in der alternativen Medizin u. a. als Aphrodisiakum bekannt war und gegenwärtig bei der Aromatherapie eingesetzt wird. Damals in der Antike wollte man mit der nach der griechischen Götterbotin Iris benannten Pflanze verstorbenen Menschen den Weg über die Regenbodenbrücke erleichtern und ihnen zu ewigem Frieden verhelfen. Manch einer behauptet heute noch, der Duft beim Räuchern könne bei der Kommunikation mit Engeln und spirituellen Helfern nützlich sein.

In der heutigen Zeit weiß man die Iriswurzel als Duftfixierer bei der Seifenherstellung zu schätzen. Aus einem ähnlichen Grund ist sie beim Aromatisieren von Gin und dem einen oder anderen Likör gern gesehen. Das Rhizom wird kaum mehr therapeutisch genutzt, da sich seine Wirkungen nur schwer nachweisen lassen. Stattdessen hat die Iriswurzel Einzug in der Herstellung von Duftstoffen wie Parfums gehalten. Die Wurzel umfasst im Rhizom circa 0,1 bis 0,2 % ätherische Öle, und deren Duft erinnert an Veilchen. Aus diesem Grund ist Veilchenwurzel ein Synonym für die Iriswurzel. Vor der Nutzung trocknet man die Iriswurzel und lagert sie in der Regel rund fünf Jahre lang. Per Dampfdestillation wird aus den grob zerkleinerten Rhizomen der Duftstoff in den ätherischen Ölen gewonnen. Das Irisöl gilt dabei als ausgesprochen kostbar und eher selten. Nur sehr, sehr kleine Dosierungen hiervon kommen zum Einsatz und reichen schon aus, um als Duftträger bzw. Duftfixierer zu agieren. Nicht nur Parfüm, sondern in raren Fällen auch Liköre, Backwaren und Süßwaren lassen sich mit Irisöl verfeinern. Meist handelt es sich um Produkte aus dem teuren Premium-Segment. Als Gewürz begegnet man dem Iriswurzel-Pulver in der nordafrikanischen Gewürzmischung Ras el hanout.

Gin und Iriswurzel

Die Veilchenwurzel kommt beim Gin gern in Kombination mit der Engelwurz zum Einsatz, aber das ist kein Muss. Ihr floraler Duft von Veilchen, gemischt mit etwas Ureigenem und leicht Erdigem, ist unverkennbar. Da jedoch so viele andere Botanicals hinzukommen, ist ein deutlicher Veilchenduft bzw. Irisduft eher nicht vernehmbar. Die Iriswurzel mag heute ihre mythische Bedeutung verloren haben, aber sie lebt im Wacholderschnaps weiter. Sowohl klassischer London Dry Gin als auch moderner New Western Dry Gin kann hiermit aromatisiert werden. Zu den Produkten, die sich auf die Veilchenwurzel verlassen, gehören u. a. Bombay Sapphire Gin, The Botanical's Premium Dry Gin, Gin Ibiza London Dry Premium Gin, Jodhpur Reserve Gin, Helsinki Gin, Adnams Gin, Broker's London Dry Gin, Brockmanns Gin, Diplome Gin, Roundhouse New Western Dry Gin sowie Roundhouse Imperial Barrel Aged Gin, Cold River Traditional Dry Gin und Botanist Islay Dry Gin.