Gin-Botanicals-Lakrize

Die meisten von uns verbinden Lakritze mit schwarzen Süßigkeiten mit unverkennbar bitterem Geschmack, doch im Grunde verbirgt sich dahinter ein Gewürz. Und eben jenes hat einen festen Platz unter den Botanicals für die Aromatisierung von Gin. Was zeichnet die natürliche Zutat aus, und wie wirkt sie sich gemeinsam mit anderen, klassischeren Botanicals wie Zimt, Koriander und natürlich Wacholder auf die Spirituose aus?

Allgemeines zu Lakrize

Lakrize

Der Begriff Lakritze oder Lakritz bezieht sich wie Ingwer auf eine Wurzel. Genau genommen handelt es sich um das Wurzelextrakt von Echtem Süßholz. Außerdem dient der Begriff als Synonym für die Produkte mit Lakritzgeschmack, allen voran für Salzlakritz und Süßlakritz. Gewonnen wird der Würzstoff in Extraktform aus der Wurzel des Baumes. Nach dem Extrahieren steht eine Verdickung an. Durch die Beigabe von Gelatine, Mehl und Zuckersirup entsteht die bekannte schwarze Masse, aus denen man schlangenartige, längliche Lakritze formt, die wiederum zu Lakritzschnecken geformt wird. Weitere Zutaten werden benötigt, um unterschiedliche Arten von Lakritze herzustellen, darunter z. B. Anis, Stärke, Agar, Fenchelöl, Salmiak und Pektin. Zwar hat Lakritz von Haus aus einen dunklen Farbton, doch meist wird auch auf künstliche Farbstoffe zurückgegriffen, um das Ganze wirklich schwarz aussehen zu lassen.

Der Süßholzbaum, aus dessen Wurzel man das Lakritzextrakt gewinnt, gedeiht größtenteils im Vorderen Orient, wobei die Ursprünge vermutlich in Westasien oder im Mittelmeerraum liegen. Daher kannte, nutzte und schätzte man Lakritze viele Jahrhunderte lang in Küstenregionen rund um die Welt und in den Nachbarländern. In den skandinavischen Ländern, in England bzw. Großbritannien, im Norden von Italien und entlang der französischen Küste liebte und liebt man Lakritzkonfekt, in Österreich hingegen kennt man es kaum. Interessanterweise kultivierte man auch in Süddeutschland lange Süßholz, doch heute beschränkt sich die Holzart fast ausschließlich auf Bamberg. Den höchsten Verbrauch an Lakritz kann man in den Niederlanden beobachten; er liegt bei jährlich rund zwei Kilogramm pro Person. Im Vergleich sind es bei den Deutschen nur rund 200 g pro Person, wobei die Norddeutschen erheblich größere Fans der Lakritze sind als die Süddeutschen.

Produkte und Spirituosen mit Lakritze

In Deutschland gibt es sowohl salzige als auch süße Lakritze in verschiedenen Formen, und in Skandinavien wissen die Menschen diese Leckerei ebenfalls sehr zu schätzen. Die Skandinavier schwören auf die Beigabe von Salmiak für einen intensiven Geschmack. Hierzulande darf der Salmiakgehalt höchstens 2 % betragen; bei Produkten mit einem höheren Anteil müssen offizielle Warnhinweise wie "Erwachsenenlakritz - kein Kinderlakritz" auf die Verpackung. In Großbritannien kombiniert man die Lakritze – liquorice genannt – mit verschiedenen süßen Zutaten und Geschmacksrichtungen und präsentiert Süßigkeiten mit einem Mix aus Schwarz und bunten Farbakzenten. Es gibt viele Fans der Lakritze mit ihrem unnachahmlichen Geschmack, doch manche können sich so gar nicht damit anfreunden. Daher hält sich die Aussage, man liebe Lakritz entweder oder hasse es. Manche hegen zudem die Befürchtung, der übermäßige Genuss hiervon könnte negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. So ist nachgewiesen, dass zu viel davon im Ernstfall zu Kopfschmerzen, Ödemen oder Bluthochdruck führen kann. Das liegt an einem Inhaltsstoff von Lakritze, der Glycyrrhizin genannt wird und sich anteilig auch in Zigarren mit Lakritze als Aromastoff findet. Diese etwas riskante Nebenwirkung von übermäßigem Lakritzkonsum hat zu Warnungen des Bundesinstituts für Risikobewertung geführt, und bestimmte Produkte mit hohem Gehalt dieses Inhaltsstoffes müssen nun als "Starklakritz" gekennzeichnet werden. In der Regel braucht man sich jedoch keine Sorgen zu machen, denn kaum jemand wird so viel Lakritze auf einmal oder tagtäglich zu sich nehmen, dass ein schädlicher Effekt zu bemerken ist. Naschkatzen dürfen also weiterhin getrost ihre Lakritztaler und salzige oder süße Lakritze essen.

Auch bei einigen Getränken kommt die Lakritze als Aromastoff zum Einsatz, und manchmal sind sich die Verbraucher dessen überhaupt nicht bewusst. Anders ist das im Ausland, wo die Lakritze bewusst genutzt wird. So mögen die Finnen einen speziellen Schnaps mit schwarzer Farbe und intensivem Lakritzgeschmack, und die Araber machen aus Lakritzpulver Aufgüsse und genießen diese als gekühltes Erfrischungsgetränk (speziell vor dem Fasten). Manche Hersteller von Gin nutzen die Lakritze zur Aromatisierung und verzichten dabei auf andere Bitterstoffe wie beispielsweise Fenchel. Gin mit Lakritz greift manchmal auch auf Anis zurück, wie ein Teil der Süßwaren mit dem schwarzen Wurzelextrakt. Der Grund für die Nutzung von Lakritze bei Gin ist – im Gegensatz zur allgemeinen Vermutung – nicht (nur) der unverwechselbare, bittere Geschmack der Zutat. Vielmehr ist das Glycyrrhizin (ein Glycosid) der Lakritze ein organisches Salz, das bis zu 50-mal süßer ist als Zucker. Anethol und Geraniol sind ebenfalls ätherische Öle bzw. Inhaltsstoffe der Lakritze. Die Süßholz-Wurzel wurde schon in der Vergangenheit für die Aromatisierung von Gin verwendet. Das mag damit verbunden gewesen sein, dass Lakritz einst aufgrund seiner Heilwirkung geschätzt wurde. Man versuchte und versucht in der alternativen Medizin, damit Atemwegsbeschwerden und Husten zu kurieren oder es antibakteriell einzusetzen. Mit diesem Effekt hat der Gin mit Lakritzgeschmack aber eigentlich nicht viel zu tun. Wer nach Wacholderschnaps sucht, bei dem der Aromastoff zum Tragen kommt, wird u. a. bei Sipsmith London Dry Gin, Helsinki Dry Gin, Dactari Original German Gin (I Dream of Gini), O49 Organic Gin, Adler Berlin Dry Gin und Gin Mare fündig. Auch manch ein modernes Tonic Water umfasst diese Komponente, z. B. das Windspiel Tonic, das Fever Tree Premium Indian Tonic Water oder das 28 Drinks Tonic Water.