Gin Botanicals Zitrone

Man könnte meinen, es komme beim Gin nur auf die Wacholderbeeren sowie eine ganze Reihe an Kräutern und Gewürzen an. Doch bei den Botanicals – grob als pflanzliche Zutaten zusammengefasst – spielen neben den Wurzeln, Blumen und Krautarten noch die Früchte eine wichtige Rolle. Im Grunde sind es zwei Früchte, die in der Form ihrer Schalen unerlässlich sind: Zitronen und Orangen. Welche Bedeutung kommt der Zitrone beim Gin zu?
 

Allgemeines zur Zitrone


Zitronenscheiben

Zitronenscheiben

Die Zitrone ist gemeinsam mit der Orangen die bekannteste Zitrusfrucht und wird auch mit dem Synonym Limone bezeichnet. Jeder kennt die im reifen Zustand gelben, recht runden und großen Früchte, die so sauer sind, dass sie kaum jemand verzehrt. Sie stellt die Frucht des Zitronenbaumes dar, der wiederum zu den Zitruspflanzen gehört und in vielen Teilen der Welt verbreitet ist. Genau genommen handelt es sich bei den Zitronen, wie wir sie kennen, um eine Kreuzung aus der Zitronazitrone und der Bitterorange. Interessanterweise liegen die Ursprünge der heute so eng mit dem mediterranen Raum assoziierten Frucht wahrscheinlich in Asien, genauer gesagt, in Indien. Erstmals schriftlich erwähnt wurde sie ungefähr zur selben Zeit in China und im Mittelmeerraum rund 1.000 Jahre nach Christi Geburt.

Die bis zu faustgroß werdenden Zitronen sind im unreifen Zustand hart und grün und im reifen Zustand leuchtend gelb. Sie weisen eher eine länglich ovale bis rundliche statt komplett runde Form auf, und ihre raue Schale ist vergleichsweise dick. Das Fruchtfleisch im Inneren, von einer dünnen weißen Haut ummantelt und von kleinen Kernen durchzogen, weist ebenfalls einen gelblichen Farbton auf. Es ist nicht nur sauer und saftig, sondern beinhaltet reichlich Vitamin C. Der Anteil an Zitronensäure beträgt je nach Sorte und Frucht zwischen 3 und 8 %.

Die Zitronenbäume werden im großen Stile angebaut, denn aus ihren Früchten lässt sich durch Pressung nicht nur Saft gewinnen. So stecken die Schalen der Zitrusfrüchte voller wertvoller ätherischer Öle. Die Citronensäure wird zudem in der Lebensmittelindustrie verwendet, und es lässt sich aus der Zitrone das Verdickungsmittel / Geliermittel Pektin gewinnen.

Zitronen und Spirituosen – eine Liebesgeschichte Kaum eine Frucht weist eine so enge Verbindung zu den alkoholfreien und alkoholischen Getränken auf wie die Zitrone. An der erfrischenden Zitronenlimonade führt kein Weg vorbei, und es gibt sogar Zitronengeist bzw. Limonengeist zu kaufen. Daneben wird ein Schnitz oder eine Scheibe Zitrone bei einer Reihe von Cocktails und Longdrinks zum Garnieren genutzt. Ein Spritzer frischer Zitrone kommt bei vielen Drinks ins Glas, u. a. auch beim allseits beliebten Gin & Tonic. Mit Zitronen lässt sich Vodka aromatisieren, wobei auch der eine oder andere Likör, mit dem Flavoured Vodka verwandt, existiert. Davon abgesehen haben sich die Italiener den landestypischen Spezialitäten auf der Basis der Zitrusfrucht verschrieben, denn schließlich gedeihen die Bäume beim italienischen Klima vorzüglich. Aus Sizilien hat der Limoncello / Limoncino, ein Likör auf der Basis der Zitronenschalen, seinen Siegeszug um die ganze Welt angetreten. Eine ähnlich wichtige Rolle spielen die Zitronen bei der Aromatisierung von Gin. Sie werden hierfür meist aus Italien oder Spanien bzw. vom Mittelmeerraum bezogen und kommen in vielen Fällen gemeinsam mit den Orangen zum Einsatz.

Gin und Zitronen Die Botanicals bei der Herstellung von Gin beeinflussen das Aroma und den Geschmack und werden deshalb sorgfältig ausgewählt. Bei einem klassischen London Dry Gin kommen sie weniger deutlich zum Ausdruck, da dieser die obligatorischen Wacholderbeeren in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stellt. Bei einem New Western Dry Gin hingegen erhalten fast alle Komponenten die Chance, zu brillieren. Gerade bei dieser modernen Gattung an Gin begegnet man auch den fruchtigeren Varianten, bei denen die Zitrusnoten ein fester Bestandteil des Genusses sind. So oder so spielen die Zitronen eine wichtige Rolle und sind das viertwichtigste Botanical.

Bei der Aromatisierung von Gin kommen die Zitrusfrüchte nicht zuletzt deshalb zum Einsatz, weil die in ihren Schalen steckenden ätherischen Öle die ureigenen Noten der übrigen Botanicals gut zur Geltung bringen, unterstreichen und komplementieren. Zwar wird zum Teil auch auf Koriander gesetzt, um einen Zitrusgeschmack zu erzeugen, doch die Zitrone ist bei über 90 % aller Gins mit von der Partie. Die Mehrheit der Hersteller verlässt sich auf die Schale der Zitrusfrucht, getrocknet oder frisch und in Alkohol eingelegt. Denkbar ist die Kombination mit Orangenschalen sowie den Schalen von anderen Zitrusfrüchten wie Limette oder Grapefruit. In manchen Fällen verwendet eine Brennerei zur Aromatisierung nicht nur die Schalen, sondern die gesamte Frucht. Das bedeutet dann besonders viel Zitrusaromen.

Die Zitronen im Gin sind ein Ausdruck von Frische und Herzhaftigkeit. Sie kontrastieren mit den herben und teilweise auch süßlicheren Noten, passen perfekt zur unterschwelligen Würze und zu den herbalen Beiklängen und prädestinieren den Gin zum Mixen. Je ausgeprägter die Zitrusnoten sind, desto frischer und sommerlicher sowie zugänglicher und gehaltvoller wirkt der Wacholderschnaps. Manche Gins setzen ganz besonders auf einen Beigeschmack von Zitrone, bei anderen hingegen ist nur ein Hauch davon zu verspüren. Manchmal wird die Zitrone sogar in das Haupt-Botanical verwandelt wie beim Gordons Lemon Gin. Solche Gins mit Zitrusnote waren einst sehr populär, doch heute ist der Flavoured Gin nicht mehr oft anzutreffen, da es stattdessen modernere Wacholderschnäpse mit teilweise exotischen Botanicals und fruchtiger Note zu entdecken gibt. Nicht zuletzt ist der Beiklang von Zitronengeschmack von Vorteil, wenn man einen Gin & Tonic mixen will. Zu diesem Longdrink gehört das Tonic Water mit seinem bitteren Chinin, und auch hier kommt in fast allen Fällen die Zitrone zum Aromatisieren zum Einsatz. Sie liefert ihre Zitronensäure, die perfekt zur Kohlensäure passt.

Gin mit Zitrone mixen Nicht nur als eines der wichtigsten Botanicals ist die Zitrone untrennbar mit dem Gin verbunden, sondern auch beim Mixen von Cocktails und Longdrinks mit Wacholderschnaps spielt die Zitrusfrucht eine bedeutende Rolle. Die folgenden Drinks wollen auf sie nicht verzichten:

  • Gin Fizz
  • Gin & Tonic
  • Gin Sour
  • Aviation
  • Arthur Thomkins
  • Bad Day
  • Big Ben
  • Berlin Burning
  • Bramble
  • Brittany
  • Gin Daiquiri
  • Martini
  • Tom Collins

Hier kommt in der Regel frischer Zitronensaft zum Einsatz, der ins Glas gepresst wird. Häufig garniert man den Drink mit einer Zitronenscheibe oder Zitronenzeste. Fast jeder Gin mag es, wenn man ihn mit der Zitrone kombiniert.