Rum Qualitäten (1.500)

Es ist eigentlich unabdingbar: Bei jedem Produkt, das es zu kaufen gibt, zeigen sich Qualitätsunterschiede, seien es nun Spirituosen oder Lebensmittel oder auch Mode oder Elektronik. Speziell in der Welt von Whisky, Gin und Rum sowie anderen Spirituosen können diese Qualitätsunterschiede sowohl verschwindend gering als auch überraschend groß sein. Wie sieht es z. B. mit den Rum Qualitäten aus? Woran erkennt man einen guten Rum? Und wer bestimmt überhaupt, was ein "guter" Rum ist?

Allgemeine Qualitätsmerkmale

Drei Aspekte geben allgemein einen Aufschluss über die Rum Qualität: die Angabe der Lagerung in Jahren, die Art der Herstellung und das Herkunftsland. Auch der Hersteller selbst ist oft ein Anhaltspunkt, denn manche Unternehmen sind für ihre hohen oder niedrigen Standards bekannt oder gehören z. B. zu den internationalen Top Sellern. Ein Rum aus Kuba beispielsweise gilt als traditionell und empfehlenswert, und ein Rum aus Fiji wäre beispielsweise ein Geheimtipp voller Faszination.

Die Lagerung und ihr Effekt

Es ist ein Ausdruck von Qualität, wenn ein Rum lange reifen durfte. Im Grunde lautet die Devise: Je reifer der Rum, desto faszinierender der Genuss und desto höher die Güte. Das hat seinen guten Grund. Bei der Lagerung im Fass aus Eichenholz wird die Spirituose nämlich für gewöhnlich weicher, runder und harmonischer. Sie findet ihre Mitte und bildet mehr Nuancen für ein komplexes Trinkerlebnis aus. War das Fass zuvor mit einer anderen Spirituose wie Bourbon Whiskey, Cognac, Sherry, Portwein, Madeira, Rotwein, Weißwein oder Calvados befüllt, dann ist ein Rest jener Flüssigkeit im Holz verblieben. Eben jenes winzige Bisschen wird während der jahrelangen Ruhephase an den neuen Inhalt weitergegeben, sodass der Rum unweigerlich hiervon geprägt wird.

Das erklärt, warum Blanco in der Regel als weniger anspruchsvoll – wenn auch nicht automatisch als weniger hochwertig – angesehen wird. Schließlich landet dieser farblose Rum mehr oder weniger sofort nach der Destillation in der Flasche, nachdem er auf seine Trinkstärke herabgesetzt wurde. Manche Hersteller haben es daher eingeführt, selbst diesen jungen Rum eine Weile ruhen zu lassen. Einige Monate bis ein Jahr lagert er im Eichenfass, wobei er damit nicht wirklich reift. Der helle Farbton, der dadurch entsteht, wird dem weißen Rum durch eine Filterung entzogen.

Die Produktion und ihre Auswirkungen

Manche sind auch der Ansicht, Rhum Agricole sei hochwertiger als Rhum Industriel. Ersterer ist Rum aus Zuckerrohrsaft, der in den französischen Antillen produziert wird. Verantwortlich hierfür sind die Inseln Martinique, Guadeloupe und La Réunion. Sie stellen den Rum aus frisch gepresstem, fermentiertem Zuckerrohrsaft statt aus Melasse – einem Beiprodukt der Zuckergewinnung – her, was für mehr Authentizität und Charakter sorgt. Zudem gelten für die Brennereien die AOC-Bedingungen der geschützten Herkunftsbezeichnung. Sie sind mit diversen Vorschriften verbunden und werden von übergeordneten Organisationen regelmäßig kontrolliert. Die strikten Qualitätskontrollen und die gleichen Regeln für die Destillerien eines Landes sorgen für hohe Standards. Der Agricole Rum (landwirtschaftlich) ist damit dem Melasse Rum (industriell) um Längen voraus und oft auch ein wenig teurer. Kenner wissen ihn hoch zu schätzen, wobei er nicht einmal 5 % der gesamten Rumproduktion ausmacht. Es gibt ein genaues Regelwerk, wie lange die verschiedenen Qualitätsstufen von Rhum Agricole wie Ambre, Vieux, VO, VSOP und XO (sowie Hors d'Age und Tres Vieux) lagern müssen.

Rum kann im pot still auf kontinuierliche Weise und im column still auf diskontinuierliche Weise gebrannt werden. Die erstere Methode ist aufwändiger, aber angesehener und traditioneller. Sie liefert meist ein schweres und aussagekräftiges Destillat, während die rentable und moderne Methode mit dem Säulensystem leichte Destillate ergibt und sich vor allem für die Produktion in großen Mengen anbietet.

Natürlich spielt auch der Rohstoff selbst eine Rolle. Hunderte von Zuckerrohrsorten stehen zur Auswahl, wobei diese vom Standort mit seiner Bodenbeschaffenheit und seinem Mikroklima beeinflusst werden. Die Verarbeitung des Zuckerrohrs – im Idealfall schnell für eine frische Maische – übt ebenfalls einen Einfluss auf das Endergebnis aus. Wird gespaltetes Zuckerrohr als Ganzes gepresst, um Saft zu gewinnen, dann weist es nicht unerwünschte Fremdstoffe auf, wie dies bei zerhacktem und dann gepresstem Zuckerrohr der Fall ist.

Davon abgesehen gilt small batch Rum als hochwertig. Es handelt sich hier um eine Qualitätsstufe, die mit der Produktion in geringen Mengen zusammenhängt. Man geht davon aus, dass eine kunstvolle Destillation in geringen Chargen mit Liebe zum Detail erfolgt. Das ist nicht zuletzt ein Grund, warum Abfüllungen von kaum bekannten Destillerien ebenfalls mit hoher Güte assoziiert werden.

Blended Rum

Die überwiegende Mehrheit der Rumsorten auf dem Markt ist ein Blend. Das bedeutet, dass mehrere Destillate miteinander vermischt wurden. Obgleich manche – weniger informierte – Kunden dies beanstanden, weil sie nicht viel von dem Gemische halten und meinen, es gehe dabei Qualität verloren, ist Blended Rum eigentlich wärmstens ans Herz zu legen. Das Blending wird nämlich gerade deshalb eingesetzt, weil man eine gleichbleibende Qualität anstrebt. Die Lagerung und die anderen Eigenheiten der Herstellung führen unweigerlich dazu, dass es kleine Unterschiede in der Farbe, dem Aroma und dem Geschmack gibt. Per Blending durch einen erfahrenen Master Blender mit im wahrsten Sinne des Wortes "gutem Riecher" für den richtigen Genuss erzielt man fast immer ein ähnliches Ergebnis und sorgt für Kundenzufriedenheit. Durch Mischen wird Homogenität erreicht. Jemand, der einmal einen Blend Rum getrunken und ihn liebgewonnen hat, kann getrost wieder und wieder dazu greifen, ohne Enttäuschungen zu befürchten. Ein Blend umfasst entweder wenige oder viele Destillate, teilweise z. B. einen Mix aus pot still und column still Rum. Ist eine Altersangabe abzulesen, dann bezieht sie sich auf das jüngste Destillat im Blend. Was für den Blended Rum spricht, ist die schier unendliche Vielfalt an Kreationen, die sich so erreichen lässt. Ein wirklich guter Master Blender denkt sich immer wieder neuen Genuss aus und weiß genau, dass schon das kleinste Detail zu einer großen Abweichung führen kann.

Solera Blended Rum

Verwandt mit dem Blended Rum ist der Solera Rum. Hierbei werden junge und alte Destillate mehrfach miteinander vermischt. Die gemeinsame Lagerung von Rum verschiedener Altersstufen ist eine Besonderheit, die man dem Sistema Solera von der spanischen Sherryherstellung zu verdanken hat. Sie zieht sich oft lange hin und umfasst sehr junge und sehr lange gelagerte Destillate, die wiederholt in ein anderes Fass wandern. Das Ergebnis ist ein Blend, der in die Breite und Tiefe geht und sogar anspruchsvolle Kenner zufriedenstellt. Wichtig ist: Die Altersangabe in Jahren bezieht sich auf die älteste Komponente im Blend. Diese macht jedoch den geringsten Anteil am Gemisch aus, und der Rest ist weitaus kürzer gereift. So gesehen ist ein Solera Blended Rum mit der Angabe 23 Jahre theoretisch jünger, weniger hochwertig und weniger vielschichtig (und weniger selten) als ein Rum, der allein ganze 23 Jahre lang reifen konnte.

Single Cask Rum

Der englische Begriff liegt es schon nahe: Single Cask Rum stammt aus einem einzigen Fass. Da dieses nur über ein bestimmtes Fassungsvermögen von mehreren hundert Litern verfügt, ist jede Einzelfassabfüllung gleichzeitig eine Limited Edition und ein Unikat. Anders als beim Blend gibt es jeden Rum in genau jener Ausführung nur einmal, bis ein weiteres Fass den nächsten Genuss verspricht, der ihm ähneln kann, aber nicht muss. Man begegnet dem Single Cask Rum nur sehr selten bei den Destillerien selbst. Viel üblicher ist der Rum aus dem Einzelfass bei Produktserien von unabhängigen Abfüllern. Diese stammen meist aus Europa und widmen sich innerhalb einer Linie allen Inseln der Karibik bzw. zahlreichen Ländern und Brennereien. Manchmal ist so eine limitierte Sonderedition sogar einer nicht mehr aktiven Brennerei gewidmet. Single Cask Rum steht für hohe Qualität, Individualität und unnachahmliche Charakterzüge und besitzt im Grunde Sammelwert. Er wird gern ohne künstliche Beistoffe und in einer wunderschönen Flasche präsentiert und gehört ins Premium-Segment. Natürlich gibt es auch bei dieser Kategorie unterschiedliche Rum Qualitäten, die u. a. mit dem Reifegrad und dem Produzenten zusammenhängen.

Cask Strength Rum

Es ist üblich, dass ein Rum nach der Destillation (und Lagerung) mit destilliertem Wasser verdünnt wird. So erreicht man eine Trinkstärke, die mindestens 37,5 % vol. sein muss und oft mehr oder weniger 40 % vol. beträgt. Eingefleischte Rumfans rümpfen hierüber ein wenig die Nase, denn sie meinen, die Wasserbeigabe nehme dem Rum etwas von seiner Qualität und Persönlichkeit. Sie bevorzugen Cask Strength Rum, der in Fassstärke abgefüllt wird. Dessen Alkoholgehalt liegt bei knapp 60 % vol. oder mehr, da kein Wasser beigemischt wurde. So hat jeder Genießer die Chance, so viel oder wenig Wasser hinzuzugeben, wie es ihm gefällt. Mehr Alkoholgehalt bedeutet häufig mehr Charakter und Komplexität, kann aber in manchen Fällen einen gewissen Biss von Alkohol nach sich ziehen. Dieser ist wiederum von Vorteil, wenn man nach einem Rum für das Mixen von Cocktails und Longdrinks sucht.

Fazit Rum Qualitäten

Abschließend lässt sich aussagen, dass die vielen verschiedenen Rum Qualitäten alle ihre ganz bestimmten Vorteile mitbringen. Sie drücken aus, dass jeder Aspekt vom Rohstoff über die Herstellung und Lagerung bis hin zum Produktionsstandort und zur Abfüllung sich auf das Endergebnis auswirkt. Je nachdem, worauf man Wert legt und wonach man sucht, eignet sich der eine oder andere Rum besser. Häufig gibt ein Blick in die Produktbeschreibung Aufschluss über die Rum-Qualität. Alles in allem sind Limited Editions mit die beste Chance, sich ein Premium-Produkt zu gönnen, unabhängig davon, um welche Art von Rum es sich handelt oder welcher Produzent und welches Rumland dafür zuständig ist.