Alkoholkrankheit

Man geht davon aus, dass circa 1,5 Millionen Deutsche unter Alkoholsucht leiden. Sowohl Männer als auch Frauen sind hiervon betroffen, und erstaunlich viele der Alkoholiker verfallen der Sucht schon in jüngeren Jahren. Die Alkoholhilfe wie kontrolliertes Trinken oder Therapie sollte daher so früh wie möglich einsetzen, aufklären und echte Unterstützung bei der Alkoholkrankheit bieten. Wie funktioniert die Suchthilfe?

Die Phasen der Alkoholkrankheit

Möchte man das Problem an der Wurzel packen, dann hilft es, genau darüber Bescheid zu wissen. Hierbei helfen u. a. die Forschungsergebnisse von Professor E. M. Jellinek über die Phasen der Alkoholsucht. Laut ihren Erkenntnissen verläuft die Alkoholkrankheit in (nicht strikt definierten, aber oft beobachtbaren) Phasen. Wer schon früh genug ansetzt, wird es leichter haben, die Alkoholsucht zu bekämpfen. Es kann bereits Sinn machen, in der Voralkoholischen Phase mit der Alkoholhilfe zu beginnen. Die Voralkoholische Phase kennen viele von uns. In dieser Phase wird gelegentlich oder auch etwas regelmäßiger in Maßen getrunken. Darüber hinaus ist aber auch bemerkbar, dass die Person versucht, mit dem Alkoholkonsum Probleme zu lösen. Immer mehr ersetzt der Konsum von Alkohol - ob beim Entlastungstrinken oder nicht - die übrigen Interessen und Verhaltensweisen. Hier ist kontrolliertes Trinken als Alkoholhilfe denkbar, damit man rasch die Kontrolle über das beginnende Fehlverhalten erlangt und die Häufigkeit sowie Menge des Alkoholkonsums reduziert. So entsteht keine Gewohnheit, die in den Alkoholmissbrauch überleitet.

Bei der hierauf folgenden Einleitungsphase kann kontrolliertes Trinken als Suchthilfe ebenfalls ratsam sein. Mehr und mehr denkt der Betroffene nun an Alkohol und macht seine Zufriedenheit vom Alkoholkonsum abhängig. Es werden Vorräte an Spirituosen angelegt. In dieser Anfangsphase der Alkoholsucht verheimlicht die Person jedoch das Trinken und empfindet Schuldgefühle. Genau das macht es so schwer, den Betroffenen Alkoholhilfe zu leisten, denn sie streiten Anschuldigungen ab und sehen sich nicht als alkoholsüchtig an. Oft geht dies nahtlos in die kritische Phase über. Oft wird mit Abstinenzphase versucht, Selbsthilfe zu leisten, um sich selbst und anderen einreden zu können, man sei gar nicht vom Alkohol abhängig. Als Angehöriger oder Freund des Süchtigen könnte man auch in dieser Phase kontrolliertes Trinken empfehlen, aber es mag hierfür schon zu spät sein. Selbstbetrug zählt in der kritischen Phase zu den Hauptproblemen, und meist kommt es auch schon zu riskanten Symptomen der Alkoholkrankheit. Je weiter die körperliche Abhängigkeit fortgeschritten ist, desto mehr Symptome sind beobachtbar. In vielen Fällen leiden die Betroffenen unter Schweißausbrüchen, zittrigen Händen oder sexuellen Störungen sowie Verhaltensstörungen. Sie werden gereizter, aggressiver und ziehen sich mehr und mehr zurück.

Die chronische Phase der Alkoholsucht stellt die nächste Stufe dar und ist bereits schwerer zu therapieren. Was mit bevorzugten Spirituosen und bestimmten Anlässen begann, dass umfasst jetzt jede Form von Alkohol für eine Gratifikation. Der Alkoholkranke trinkt in Massen und leidet unter tagelangen Vollräuschen. Dadurch wird nicht nur der Körper überstrapaziert, sondern es kommt auch zu drastischen Wahrnehmungsbeeinträchtigungen. Der Süchtige ist meist kaum wiederzuerkennen. Sein Körper wird immer abhängiger vom Alkohol und sein Leben dreht sich fast ausschließlich um den Konsum hiervon.

Selbsterkenntnis für Selbsthilfe bei der Alkoholsucht

Nach Professor Jellinek wird nicht nur in Phasen der Alkoholsucht unterschieden, sondern auch in verschiedene "Trinker-Typen", bei denen sich Alkoholkrankheit sich jeweils leicht anders ausdrückt und unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Fragebögen helfen bei der Selbstanalyse und erleichtern wiederum das Finden der richtigen Ansätze für die Suchthilfe. So gibt es die sogenannten Alpha-Trinker, die mit dem Alkoholkonsum Probleme lösen wollen und daher als "Erleichterungstrinker" umschrieben werden. Sie sind meist ziemlich abhängig, haben jedoch die Kontrolle noch nicht komplett verloren. Bei einem Beta-Trinker hingegen handelt es sich mehr um einen Gelegenheitstrinker, der noch nicht süchtig ist, aber einem gewissen Risiko zur Alkoholsucht unterliegt. Auch wenn solche Personen nicht als Alkoholiker eingestuft werden, mag es bei ihnen zu Folgekrankheiten wie beispielsweise Magenleiden und Leberschäden kommen. Gamma-Trinker sind die Menschen, die wir gemeinhin als Alkoholiker bezeichnen. Eine körperliche und seelische Abhängigkeit von Alkohol sowie ernste Beschwerden liegen vor. Delta-Trinker sind ebenfalls Alkoholiker, doch bei ihnen ist noch ein gewisses Maß an Kontrolle vorhanden. Weder fallen sie so sehr auf wie andere Süchtige, noch sind sie seelisch abhängig. Eine körperliche Alkoholabhängigkeit macht die Suchthilfe jedoch notwendig. Epsilon-Trinker kennt man im Volksmund als "Quartalssäufer". Sie verordnen sich selbst wochenlange Abstinenzphasen und halten diese meist ein, verfallen dann aber der Alkoholsucht und trinken tagelang unkontrolliert.

Alkoholsucht als Problem für Abhängige

Nicht nur die Alkoholkranken selbst, sondern auch die Angehörigen leiden darunter, wenn eine Alkoholsucht vorliegt. So müssen manche mit aggressivem Verhalten zurechtkommen, während andere ihren Partner sogar verlieren. Die psychische Belastung, die finanzielle Belastung und der Verlust an Nähe zu den Eltern, zu anderen Familienangehörigen oder zu Mann oder Frau fallen niemandem leicht. Gleichzeitig hat es sich erwiesen, dass es hilfreich sein kann, wenn Süchtige bei der Alkoholkrankheit Unterstützung von ihrem Umfeld erhalten. Die Alkoholhilfe für Angehörige von Alkoholkranken ist daher ebenfalls wichtig. Zudem mag sie vermeiden, dass es zu einer sogenannten Co-Abhängigkeit kommt, bei der man ungewollt die Abhängigkeit fördert.