Kontrolliertes Trinken

Was heißt kontrolliertes Trinken, und warum erhoffen sich viele Alkoholkranke davon Hilfe? Der Begriff erklärt sich eigentlich von selbst: Es geht darum, den Konsum von Alkohol zu kontrollieren und damit entweder eine Sucht vorzubeugen oder eine bestehende Alkoholsucht zu bekämpfen.

Was ist kontrolliertes Trinken?

Allgemein hört sich das Ganze recht einfach an, aber der Schlüssel zum Erfolg liegt im Detail. Wie funktioniert kontrolliertes Trinken als Selbsthilfe? Fünf Schritte sollen Ihnen den Weg aus der Alkoholsucht erleichtern:

  • das Annehmen der Situation
  • das Erkennen des wahren Gegners
  • das Vornehmen von Veränderungen
  • das Einstellen des Trinkens
  • das freie Leben des eigenen Potenzials

Im Detail bedeutet dies, dass der erste Schritt die Akzeptanz darstellt, dass ein Problem besteht. Gibt man sich selbst - und anderen gegenüber - zu, dass man unter Alkoholsucht leidet, dann ebnet dies hoffentlich den Weg für ein praktisches Herangehen an das Problem. Alkoholkranke sind sich übrigens oft dessen bewusst, dass sie süchtig sind, wollen dies jedoch nicht wirklich zugeben. Sobald die Alkoholsucht akzeptiert wurde, geht es darum, dass man sich selbst weder als "Täter" noch als "Opfer" ansieht. Die Alkoholkrankheit ist der wirkliche Gegner, und gegen sie muss etwas unternommen werden. Zwar nimmt die Sucht der betroffenen Person anscheinend ihren freien Willen und beeinträchtigt ihr Leben, doch in jedem von uns steckt die Kraft und Entschlossenheit, dagegen anzukämpfen und die Alkoholsucht zu überwinden. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Beim Erkennen des wahren "Gegners" ist es wichtig, dass man sich über die Alkoholsucht-Ursachen informiert, sowohl allgemein als auch auf die eigene Situation bezogen. Warum wird so viel getrunken oder warum hat man damit angefangen? Gibt es soziale Faktoren, die einen Trinkreiz darstellen oder den Zustand verschlimmern? Hat man diese Ursachen erkannt, kann man sie systematisch ausmerzen oder ihnen aus dem Weg gehen.

Wie lerne ich kontrolliertes Trinken?

Es geht bei dieser Form der Alkoholhilfe vor allem darum, Denkmuster und Verhaltensmuster zu erkennen und zu verändern. Aus negativen Denk- und Verhaltensprozessen sollen positive werden. Dabei geht es sowohl darum, zu erkennen, dass der Alkoholkonsum den Süchtigen im Endeffekt nicht glücklicher oder zufriedener macht. Es müssen andere Wege gefunden werden, die nicht an den Alkoholkonsum gebunden sind. Das beginnt mit einer gezielten Kontrolle des bestehenden Verhaltens. Wurde damit die aktuelle Lage stabilisiert, um ein Verschlimmern der Alkoholsucht zu vermeiden, fällt es als nächstes leichter, das erkannte und gezähmte Fehlverhalten ganz einzustellen und zu ersetzen.

Wie funktioniert kontrolliertes Trinken? Eine Vorbereitungsphase geht dem eigentlichen Handeln voran. Dann nimmt man die Selbsttherapie in Angriff, die schließlich zum Alkohol- Stopp führen soll. Kontrolliertes Trinken bedeutet im Grunde, dass man nach einem Schema trinkt und somit eine Kontrolle auf das Wann, Wo und Wie sowie vor allem auf das Wie viel ausüben kann. Kontrolliert werden die Anlässe und die Häufigkeit und insbesondere die Menge an konsumiertem Alkohol, wobei diese bei Bedarf langsam stufenweise gemindert werden kann. Das Ziel ist es, aus dem Schema auszubrechen, rechtzeitig aufzuhören und an Abhängigkeit vom Alkohol zu verlieren. Es kommt zwar nicht mehr zu einer Befriedigung, weil man weniger und weniger häufig trinkt, doch dafür riskieren die Betroffenen nicht mehr so sehr ihre Gesundheit.

Wohlgemerkt handelt es sich hier nicht einfach um eine kürzere oder längere Phase der Abstinenz, die sich der Alkoholiker zumutet. Viele Alkoholkranke meinen nämlich, dies würde ausreichen, doch sobald die Versuchung zu groß ist, verfallen sie wieder in ihr damaliges Denk- und Verhaltensschema. Genau aus diesem Grund ist bei der Selbsthilfe oder bei der unterstützten Alkoholhilfe Durchhaltevermögen gefragt. Es wird im Idealfall nicht nur an einer Stelle angesetzt, sondern nachgeforscht, warum überhaupt die Alkoholsucht zustande kam und wie man das Leben des Alkoholikers wieder sinnvoll und geregelt machen kann. Wichtig ist so und so, dass der Süchtige selbst aktiv mithilft und beispielsweise bestimmt, in welchem Ausmaß eine Reduktion stattfindet. Sowohl die Menge als auch das Tempo der Reduzierung sollen für ihn umsetzbar sein, damit er (immerhin kleine) Erfolgserlebnisse verbucht. Das Festlegen von Zielen auf den Tag oder die Woche macht zu Beginn Sinn. Wurde die Menge über einen bestimmten Zeitraum hin erfolgreich reduziert, arbeitet man weiter daran, am besten bis hin zu dem Zeitpunkt, an dem sich der Alkoholkonsum normalisiert hat oder an dem z. B. eine lange Abstinenz nicht problematisch ist. Will man kontrolliertes Trinken lernen, kann man dies in Selbsthilfegruppen tun oder die Angehörigen darum bitten, bei den Trinkpausen zu helfen. Auch wir bieten Ihnen gern Unterstützung in der Form von Alkoholhilfe. Kontrolliertes Trinken ist nämlich nicht für jeden das Richtige. Gerade stark abhängige, körperlich erkrankte Alkoholiker benötigen professionelle Hilfe wie eine Suchttherapie.