Gin & Tonic Allgemein

Der Gin eignet sich als Basis für eine Reihe an Longdrinks und Cocktails. Dabei gibt es einen unbestrittenen Spitzenreiter, der als Klassiker auf der ganzen Welt bekannt ist und den eigentlich jeder selbst mixen kann: Gin & Tonic. Was ist ein Gin Tonic?
 

Die Entstehungsgeschichte von Gin & Tonic


Der klassische Gin & Tonic

Der klassische Gin & Tonic

Für so manch einen ist der Gin & Tonic "der vermutlich beste Longdrink der Welt". Während sich über die Aussage streiten lässt, steht doch eines fest: Der Gin Tonic ist einer der ältesten – wenn nicht gar der älteste – Longdrink überhaupt. Anders als bei manchen anderen Mixgetränken und Spirituosen gibt es kein genaues Erfindungsdatum. Aber sicher ist, dass der Gin & Tonic gegen Ende des 19. Jahrhunderts erfunden wurde. Verantwortlich waren britische Soldaten, die in Indien nach einem Heilmittel gegen die Tropenkrankheit Malaria suchten. Als Prophylaxe gegen die im Ernstfall tödliche Krankheit, die von Anopheles-Mücken übertragen wird, verließen sich die Briten auf Chinin. Es wurde aus der Chinarinde auf natürliche Weise gewonnen und wirkte zuverlässig gegen die Malaria-Erreger. Der Haken an der Sache? Bitterkeit! Das bittere weiße Pulver, das man zu Chinin-Tabletten verarbeitete, konnte kaum jemand jeden Tag hinunterwürgen, sodass man es mit Wasser und Zucker mischte.

Geboren war das Tonic Water, das bis heute chininhaltig sein muss und untrennbar mit dem Gin & Tonic verbunden ist. Obgleich das Tonic-Wasser etwas leichter einzunehmen war, ruhten die Engländer nicht eher, bis sie eine Möglichkeit gefunden hatten, die Bitterkeit zu mindern: Mehr oder weniger durch Zufall kam man auf die Idee, den von den Briten heißgeliebten Gin mit Tonic Water zu mischen. So entstand der allererste Gin & Tonic. Er wurde von den Angehörigen der Armee in die Heimat zurückgebracht sowie in die weite Welt hinausgetragen und hat die Jahrhunderte überdauert.

Von der Tropenmedizin zum Kultdrink – Gründe für den Erfolg


Was macht den Gin & Tonic angeblich zum perfekten Longdrink und hat dazu geführt, dass er mehr als 100 Jahre nach seiner Erfindung im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde ist? Es gibt viele Gründe für die Beliebtheit von Gin Tonic:

  • Der Longdrink setzt sich aus nur drei bzw. vier Zutaten zusammen, die alle einfach zu finden sind und für die man nicht zu tief in die Tasche greifen muss.
  • Der Mix aus feinherben, säuerlich fruchtigen und herbalen bis würzigen Noten spricht fast jeden Gaumen an. Sowohl die Briten als auch die restlichen Europäer und sowohl die Amerikaner als auch Genießer in anderen Regionen der Welt wissen den Gin & Tonic zu schätzen.
  • Der Aufwand des Mixens ist denkbar gering, während andere Longdrinks für Anfänger zu kompliziert sind oder auf zahlreiche Zutaten zurückgreifen.
  • Heute gibt es eine schier unendliche Auswahl an Ginsorten und Tonic-Wasser, sodass sich selbst ein so geradliniges, scheinbar simples Mischgetränk auf immer wieder neue Weise entdecken lässt.

 

Wie wird ein Gin & Tonic zubereitet?


Man klassifiziert den Gin Tonic als einen Longdrink und nicht als einen Cocktail bzw. Shortdrink. Das hat mit seinem Inhalt zu tun und ist damit verbunden, dass das Ganze in einem hohen, großen, geraden Highball-Glas gemischt wird. Zwei Hauptzutaten werden auf jeden Fall benötigt: Gin und Tonic Water. Es muss Tonic-Wasser sein, denn normales Wasser oder Soda verfügt nicht über den obligatorischen bitteren Beigeschmack, der dem Chinin zu verdanken ist. Man hat mehrere Mischverhältnisse zur Auswahl. Kenner setzen auf 1:1 und mischen gleich hohe Anteile von Gin und Tonic Water. Andere setzen auf 1:3 oder höher und kombinieren nur wenig Gin mit viel Tonic-Wasser. In den meisten Bars erhält man einen Gin & Tonic mit einem Drittel Gin und zwei Dritteln Tonic Water.

Der Highball-Longdrink mit der Spirituose als Basis und dem kohlensäurehaltigen, chininhaltigen Tonic Water als Filler wird – in Fachsprache der Barkeeper und Mixologen – gebaut. Der englische Begriff "build in glass" weist darauf hin, dass man den Drink nicht vormixt und auch nicht im Shaker schüttelt, sondern ihn im Gästeglas selbst zubereitet. Alle, die beim Gin & Tonic auf einen deutlichen Gin-Geschmack Wert legen und nur wenig Tonic-Wasser beigeben, sollten eher auf ein breites, kürzeres Glas setzen. Es bietet sich das robuste Tumbler-Glas an, wie man es u. a. vom Whisky kennt. Den Gegensatz dazu stellt ein Collins-Glas dar, das hoch und schmaler ist und sich für den sogenannten dünnen Gin mit deutlichem Tonic-Water-Anteil eignet.

Schritt 1:Man gibt Eiswürfel in das Highballglas. Crushed Ice sollte nicht verwendet werden.

Schritt 2:Auf die Eiswürfel gibt man den Gin. Wird auf das Verhältnis von 1/3 Gin und 2/3 Tonic Water gesetzt, sollten 6 cl (60 ml) Wacholderschnaps ins Glas gegeben werden. Es bietet sich an, dafür ein geeichtes Schnapsglas oder einen Messbecher mit Strichen für 2 cl und 4 cl zu nutzen.

Schritt 3:Anschließend wird Tonic Water hinzugegeben, bis das Glas voll ist und das Mischverhältnis stimmt. Manche geben erst den Gin und dann die Eiswürfel ins Glas, bevor der Filler (das Tonic-Wasser) den Longdrink komplett macht.

Schritt 4:Man rührt den Drink vorsichtig um, damit sich Spirituose und Filler miteinander vermischen und die Eiswürfel langsam schmelzen. Im Idealfall verwendet man einen langen Löffel – als Barzubehör erhältlich – oder einen Cocktail-Rührstab für das Gästeglas. Indem man die Eiswürfel beim Umrühren sanft hinunterdrückt, lassen sich Tonic und Gin gut miteinander mischen.

Schritt 5:Zuletzt garniert man das Glas mit einer Scheibe Zitrone oder Limette. Es ist üblich, einen Spritzer der frisch angeschnittenen Zitrusfrucht ins Glas zu geben. Will man einen noch deutlicheren Unterton von Fruchtigkeit, ist es möglich, Zitronenscheiben oder Limettenscheiben direkt ins Glas zu geben.

Ein Tipp: Möchte man die Limettenscheibe oder Zitronenscheibe nicht rein dekorativ verwenden, drückt man sie aus, bis der meiste Saft herausgepresst wurde. Dann reibt man den Keil am inneren Rand des Glases entlang. Er wird sodann ins Glas hineingegeben. Nicht nur führt diese Methode zu mehr fruchtigem Beiklang, sondern die Zitrusfrucht unterstützt darüber hinaus auch die Bindung von Gin und Tonic Water.

Gin Tonic nach Wunsch – die vielen Möglichkeiten für individuellen Genuss


Es wird Kennern niemals langweilig, wenn es um das Gin & Tonic mixen geht, denn es steht ihnen eine Welt an Möglichkeiten offen. Nicht nur das Mischverhältnis wirkt sich auf den Geschmack und das Aroma und damit auch den Gesamteffekt aus, sondern auch die Details wie die genauen Zutaten. Drei Faktoren wirken sich darauf aus, welches Endergebnis man erhält:

  • der Gin
  • das Tonic Water
  • die garnierende Zutat

Da schon allein in Deutschland über 60 Ginsorten hergestellt werden und zahlreiche Tonics zu haben sind, sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Was sich wie ein roter Faden durch die Varianten des Longdrinks zieht, ist die mehr oder weniger stark ausgeprägte Bitterkeit von Chinin.

Der richtige Gin für den Gin & Tonic


Theoretisch eignet sich jeder Gin, um damit einen Gin & Tonic zu mixen. Ausgenommen sind Sonderkategorien wie der Old Tom Gin – der süßer ist und sich für Mixgetränke wie einen Tom Collins eignet – und der Sloe Gin, der eigentlich kein Wacholderschnaps, sondern ein Ginlikör mit Schlehenbeere ist. Je nachdem, welchen Gin man wählt, erhält man ein anderes Trinkerlebnis. Manche Gins gelten als traditionell und bringen deutliche Noten von Wacholder, Koriander und häufig genutzten Botanicals zum Ausdruck. Die Alternative zu solchem geradlinigem London Dry Gin ist der modernere New Western Dry Gin, bei dem Wacholderbeeren dezent im Hintergrund mitschwingen. Nicht selten werden hierfür exotische Zutaten oder eine große Menge an Botanicals verwendet, wobei sich daneben ein Trend hin zu Gin mit nur sehr wenigen pflanzlichen Komponenten zur Aromatisierung beobachten lässt.

Nicht nur die Zutaten und damit die Geschmacksrichtung spielen eine Rolle, sondern auch die Qualität, der Alkoholgehalt und der Anteil beim Mischverhältnis. Hochwertiger Gin – vielleicht sogar im small batch hergestellt statt aus der industriellen Massenfertigung kommend – ist vorzuziehen. Egal, ob es London Dry Gin aus England, Gin aus Deutschland oder ein Wacholderschnaps aus einem anderen Land wie z. B. Amerika, Spanien oder Frankreich ist – letztendlich entscheidet jeder selbst, was ihm am meisten zusagt.

Das Tonic Water


Man wählt das Tonic-Wasser so, dass es auf der einen Seite zum Charakter des Gins passt und auf der anderen Seite auch den gewünschten Effekt erzielt. Mitunter wird die Oberkategorie in Unterkategorien unterteilt, die sich nach den Geschmacksrichtungen und / oder Verwendungszwecken richten. So gibt es z. B.

  • Alleskönner, die sich vielseitig einsetzen lassen und klassischer kaum sein könnten (Beispiel: Fever Tree)
  • trockenes Tonic Water mit kaum bis keiner Süße, bei dem man die bitteren Noten besser wahrnimmt (Beispiel: Fentimans)
  • mineralisches Tonic Water, das härter wirkt und den Eindruck von Frische unterstreicht (Beispiel: Gents)
  • softes, weiches Tonic Water, das dem Drink seinen Biss nimmt (Beispiel: 28 Drinks)
  • mittiges, perfekt ausbalanciertes Tonic Water, das dezente Süße mit simpler Eleganz und leicht trockener, leicht bitterer Note kombiniert (Beispiel: Thomas Henry)
  • fruchtiges Tonic Water, bei dem die Kräuter und Gewürze vom Gin mit Fruchtigkeit ausgeglichen werden (Beispiel: 1724)
  • aromatisiertes Tonic Water, bei dem man eine bestimmte Zutat wie z. B. Holunderblüten beigemischt hat, um mehr Eigengeschmack zu erzeugen und wahlweise das pure Trinken des Mixers ermöglicht (Beispiele: Sorten wie Fever Tree Mediterranean Tonic oder Thomas Henry Elderflower Tonic)



Unabhängig davon, welche Art von Tonic-Wasser man für den Gin & Tonic verwendet, sollte man auf einige Dinge achten. So ist es stets von Vorteil, Qualitätsprodukte von bekannten Herstellern zu wählen. Die Markenware setzt nämlich auf echtes Chinin statt auf künstliche Aromastoffe. Oft ist neben Wasser und Zucker noch ein Säuerungsmittel wie Zitronensäure mit von der Partie. Wichtig ist beim Tonic Water für den Gin & Tonic die Kohlensäure. Wer eine neue Flasche öffnet, erhält prickelnde Frische. Außerdem bietet es sich an, das Tonic-Wasser im Kühlschrank zu lagern, damit es gut gekühlt in den Longdrink wandert.

Die Zutaten


Gin & Tonic nach englischer Art wird mit einer halben Limettenscheibe (grün) garniert, wohingegen Gin & Tonic nach amerikanischer Art mit einer halben Zitronenscheibe (gelb) serviert wird. Einige greifen auch zu Orange statt Zitrone, wenn ein besonders würziger Gin zum Tragen kommt. Es ist zudem möglich, die Fruchtscheiben ins Glas zu geben. Beim Aussuchen der Zitrusfrüchte sollte man darauf achten, dass diese weder unreif noch überreif sind. Im Idealfall ist die Frucht leicht drückbar, um ihren Saft herauszupressen, aber nicht weich. Eine weiche Zitrusfrucht ist nämlich in den meisten Fällen schon etwas alt und gibt nicht genug Saft her, um damit den Gin & Tonic anzureichern. Von Vorteil ist es, wenn man unbehandelte Zitrusfrüchte wählt, um keine Chemie im Longdrink zu haben. Das ist jedoch nicht nötig, wenn man die Scheibe nur zum Garnieren verwendet (oder wenn das süßliche Tonic-Wasser ohnehin selbst schon auf chemische Zusatzstoffe setzt).

Eine Alternative zu den Zitrusfrüchten stellt die Gurke dar. Sie passt aber nicht zu jedem Gin. Bevorzugt kombiniert man sie mit Hendricks Gin, der selbst Gurken beinhaltet und deshalb perfekt zur leicht angedrückten Gurkenscheibe passt. Die Gurkenscheibe gibt man anders als die Zitrusfruchtscheibe erst ganz zum Schluss hinzu. Nur wahre Fans legen sie auf den Glasboden, um extra Gurkengeschmack zu erhalten. Es ist dabei nicht vorgeschrieben, ob man die Gurke mit oder ohne Schale beigibt. Seltener ist die Beigabe von frischem Basilikum zu Gin Tonic. Dieser Trick empfiehlt sich, wenn man auf einen Gin mit einem blumigen Geschmack setzt.

Wissenswertes zum Gin & Tonic


Nicht viele sind sich dessen bewusst: Der Chiningehalt im Tonic Water sorgt nicht nur für den bitteren Geschmack und half / hilft ein wenig gegen Malaria, sondern er verleiht dem Longdrink bei UV-Licht einen fluoreszierenden Look. Die ultraviolette Beleuchtung (Schwarzlicht) lässt den Gin & Tonic bläulich leuchten, was in der Nacht bei Partys für Begeisterung sorgt.

Diverse Berühmtheiten sind dem Gin Tonic restlos verfallen. So soll die Queen Mum bis zu ihrem Tod begeistert diesen weltbesten Longdrink getrunken haben. Angeblich war der Gin & Tonic sogar ihr Lieblingsgetränk. Der Gin – in der Form von Gin & Tonic sowie in anderen Drinks wie als Gin Fizz oder Martini – findet zudem in Büchern und Filmen Erwähnung.

Der eine oder andere stellt sich die Frage, wie viel Alkohol ein Gin & Tonic beinhaltet. Eine allgemeingültige Antwort darauf gibt es nicht, denn das Mischverhältnis, das Eis und der Gin wirken sich hierauf aus. Das Tonic Water ist immer alkoholfrei, und ein Gin rangiert gewöhnlich bei rund 40 % vol. Trinkstärke.