Zweifelhaftes Embargo:

Amazon Pay bei kubanischen Artikeln
wird Rum & Co Kunden nicht mehr erlaubt

Mehr als 50 Jahre ist es her, dass die USA ihr Handelsembargo gegen Kuba etabliert haben – aber dieses Verbot ist alles andere als veraltet, wie wir diese Woche feststellen mussten. Amazon untersagt es Rum & Co bei Artikeln aus Kuba, dem Kunden die Bezahlmöglichkeit Amazon Pay anzubieten. Das wird weitreichende Konsequenzen haben, genau wie Mitte 2011 eine ähnliche Vorgehensweise von PayPal, die uns dazu veranlasst hat, PayPal als Zahlungsart füt kubanische Artikel im Online-Shop zu deaktivieren.

Der Hintergrund: das Handelsembargo der USA gegen Kuba

Warum Kuba Embargo? Seit 1960 bzw. 1962 besteht ein Wirtschafts- und Handelsembargo der Vereinigten Staaten gegen Kuba, eine benachbarte Karibikinsel unter kommunistischem Regime. Der Anlass für den Sanktionsbeschluss war der Kalte Krieg. Der ist lang vorbei, und das Embargo hat heute mehr negativen Einfluss auf die US-Bevölkerung und den Rest der Welt als auf die Kubaner, die damit "bestraft und benachteiligt" werden sollten. Immerhin gehört Kuba bei diversen Produkten zur Weltspitze, vor allem bei den Zigarren wie Cohiba sowie beim Rum aus Kuba wie Havana Club. Amerikaner dürfen nach wie vor keine Havanas kaufen und genießen. Damit nicht genug, bedeutet das US-Embargo gegen Kuba auch, dass amerikanische Unternehmen den internationalen Handel mit kubanischen Artikeln durch sie / auf ihrem Wege nicht erlauben.

Heute, rund ein halbes Jahrhundert später, erscheint vielen diese Vorgehensweise als hinderlich oder gar unnachvollziehbar und alles andere als sinnvoll. Im Laufe der Zeit haben viele Personen in wirtschaftlichen und politischen Machtpositionen sich für eine Aufhebung oder zumindest für eine Lockerung des Kuba-Embargos eingesetzt.

In den 70er-Jahren entschärfte der US-Präsident Carter die Reisebeschränkungen für US-Bürger. In den 90er-Jahren machten es den Politikern unter der Führung von Clinton einflussreiche Exil-Kubaner in den USA (vor allem Florida) schwer, eine Kursänderung durchzusetzen. Mitte der 90er-Jahre wurde das Handelsembargo sogar noch auf Kubas Handelspartner ausgeweitet, um Investitionen zu verhindern.

Ein Schritt nach vorn, zwei Schritte zurück?

Es dauerte Jahre, bis man endlich einsah, wie sehr der globale Handel und Markt von diesen Sanktionsbeschlüssen beeinflusst wurde. Schrittweise verbesserte sich die Situation: 2000 verabschiedete der US-Kongress ein Gesetz über die "Reform der Handelssanktionen und Exporterweiterungen" für eine Lockerung des Embargos. 2009 erlaubte die Regierung der Vereinigten Staaten es Kuba grundsätzlich wieder, landwirtschaftliche Produkte und Lebensmittel kaufen zu dürfen. 2014 beschloss US-Präsident Barack Obama eine diplomatische Annäherung der zwei noch immer zerstrittenen Länder. Amerika nahm Kuba von der Liste der Terrorstaaten und begann 2015 offiziell diplomatische Beziehungen zu der Insel in der Karibik. Das brachte einige Lockerungen des Embargos mit sich, darunter die Ausfuhrerlaubnis für Technologieprodukte wie Mobiltelefone, Computer und Fernseher aus den USA nach Kuba. Im Gegenzug ist es seit 2014 den US-Bürgern wieder möglich, als Touristen in das Land zu reisen und kubanische Produkte wie Rum und Zigarren nach Hause auszuführen – aber nur in begrenzten Mengen.

 2016 ging die Regierung unter Obamas Regime noch einen Schritt weiter: Die Obergrenze auf 100 US-Dollar für solche Touristen mit kubanischen Waren wurde aufgehoben. Außerdem sollte der Online-Handel von "Produkten für den persönlichen Bedarf" auf der Karibikinsel gestattet sein. Der "wissenschaftliche Austausch" zwischen den beiden Ländern sollte fortan gefördert werden.

Sind damit endlich die Weichen für eine Aufhebung des Embargos gestellt? Leider nicht!

Obama
Barack Obama

Die UN (Vereinten Nationen) haben 2014 schon zum 23. Mal (mit großer Mehrheit von 188 der 193 Mitgliedstaaten) gefordert, das Embargo sollte aufgehoben werden. 2015 schlossen sich die 28 Staaten der Europäischen Union und die 33 Länder der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (Celac) mit einer eigenen Forderung an. Alles vergebens, egal wie logisch argumentiert und wie leidenschaftlich plädiert wurde. Bisher verhindern die Republikaner mit ihrer Mehrheit im US-Kongress, dass das Embargo per Gesetz komplett aufgehoben wird. Und ein aktueller Nachrichtenaustausch zwischen Amazon und Rum & Co macht deutlich, dass nicht einmal die Auflockerung wirklich konsequent durchgesetzt wird. Das finden wir bedauerlich, denn wir streben danach, unseren Kunden so viele Zahlungsmöglichkeiten wie möglich anzubieten. Wir fühlen uns an das Debakel mit PayPal erinnert.

Das Fiasko mit dem Kuba Embargo von PayPal und eBay

2011 ging eine Welle der Entrüstung durch Deutschland, bei der sich Online-Händler aus diversen Branchen genauso beklagten wie Kunden, Journalisten und Blogger: So sorgte PayPal – als Tochter von eBay – für Probleme, indem es Zahlungen für kubanische Artikel untersagte. Man sperrte kurzerhand die Konten von deutschen eBay-Händlern, die Produkte wie Zigarren und Rum aus Kuba verkauften. Als man sich empört an PayPal-Sprecher Christoph Hausel wendete, bestätigte dieser offiziell, der Finanzdienstleister dürfe keine Transaktionen für kubanische Produkte mehr abwickeln. Er sei als Unternehmen mit Stammsitz in den USA an die Gesetzeslage in den Vereinigten Staaten gebunden, und die Bestimmungen hätten nichts mit dem Standort des Händlers zu tun, sondern hingen mit der Warenherkunft zusammen. Hausel ließ verlauten: "Der Händler kann weiter seine Artikel bei eBay verkaufen, kann dies aber nicht über PayPal machen."

Es wurde von den Händlern kurzerhand verlangt, kubanische Produkte nicht mehr zu vertreiben – noch nicht einmal Aschenbecher oder Rumgläser. Zu den Betroffenen gehörten wir mit rumundco.de, und unser Geschäftsführer Thomas Altmann versuchte mit allen Mitteln, zu einem Kompromiss zu kommen. PayPal ging darauf überhaupt nicht ein und sperrte kurzerhand das Konto von Rum & Co. Damit nicht genug, wurde auch noch das Guthaben für 180 Tage eingefroren. Es erging anderen Online-Händlern ähnlich, sodass die Frage nach einer gemeinsam eingereichten Klage laut wurde. Die Firma DTS&W GmbH wollte beispielsweise per einstweiliger Verfügung einen Schnellentscheid gegen PayPal erwirken, was wir befürworteten. Schlussendlich war dies jedoch zu viel Aufwand und hätte unserer treuen Kundschaft unmittelbar nicht wirklich geholfen. Rum & Co hat aus diesem Grund genauso wie z. B. der Online-Shop der Drogeriekette Rossmann die Zahlungsoption PayPal von der Webseite genommen und stattdessen als alternatives Zahlungsmittel neben Rechnung die Option Kreditkartenzahlung in den Spirituosen-Shop integriert.

Immerhin besitzen wir viele Fans von Cuba Rum – und so macht ganz nebenbei ein europäisches Unternehmen den Umsatz, den sich eBay und PayPal mdurch den Zwang der US-Regierung entgehen lassen muss.

Paypal

Amazon Pay setzt ab sofort Kuba-Embargo für Spirituosen-Händler in Deutschland durch

Man könnte meinen, Finanzdienstleister und andere Unternehmen hätten ihre Lektion vom Embargo für Kuba Zigarren und Rum gelernt, doch nun sieht es so aus, als lege man sich einige Jahre nach dem eBay Kuba Embargo erneut mit den Deutschen an: Jetzt wird das Kuba-Embargo in Deutschland ausgerechnet von Amazon bzw. von der Zahlungsoption Amazon Pay durchgesetzt! Wir haben eine Benachrichtigung per E-Mail erhalten, die ähnlich lautet wie damals die Mitteilung von PayPal, den Vertrieb kubanischer Artikel einzustellen. Hier ein Auszug aus dem Mailverlauf:

"Ich habe wichtige Informationen für Sie von unserer Verifizierungsabteilung bekommen. Durch die erneute Überprüfung wurde festgestellt, dass Artikeln aus Kuba bei Ihnen im Online-Shop verkauft werden. Laut unseren Richtlinien darf Amazon Pay nicht in Verbindung mit dem Verkauf von Artikeln aus Kuba genutzt werden." - Account Managerin Amazon Pay

Niklas Süphke, stellvertretender Geschäftsführer von Rum & Co, hat erneut versucht, eine Kompromisslösung zu finden, u. a. in der Form von mehr Werbung für die Bezahlart Amazon Pay auf rumundco.de und weiteren Online-Shops. Als US-amerikanisches Unternehmen sei Amazon laut E-Mail-Antwort jedoch nicht dazu in der Lage, die Situation zu ändern und Ausnahmen zu machen. Wir sehen uns daher dazu gezwungen, ab Ende 2017 die Zahlungsoption Amazon Payments für kubanische Artikel zu deaktivieren. Eventuelle Alternativen werden derzeit untersucht.

Das völlig veraltete Kuba Embargo und die Konsequenzen für Händler und Kunden

Was uns so wütend macht und auch bei anderen deutschen Anbietern von kubanischen Artikeln für Entrüstung sorgt, ist die ungerechte und nur schwer nachvollziehbare Vorgehensweise vder US-Regierung. Warum sollen wir in Deutschland uns so bevormunden lassen und nach amerikanischer Rechtlage kontrolliert werden? Wieso wird ein Cuba-Embargo hierzulande so rigoros durchgesetzt, wenn doch die Vereinigten Staaten selbst bereits Lockerungen zugelassen haben?

 

"Es empört uns, dass unsere Kunden keine freien Entscheidungen treffen und nach Ihren Wünschen online kubanische Artikel kaufen dürfen. Kubanischer Rum ist ein Erlebnis, auf das wir nicht verzichten wollen und nicht verzichten sollten." - Rum & Co

Einmal ganz davon abgesehen, dass die Vorgehensweise von Amazon Pay für uns und andere Händler in Deutschland einen erheblichen Mehraufwand bedeutet und sich negativ auf die Kundenzufriedenheit auswirkt, zieht die Einschränkung einschneidende Änderungen nach sich. Wir haben die mit uns in Kontakt getretene Amazon-Mitarbeiterin darauf hingewiesen, dass das Verbot zu nicht unerheblichen Einbußen für uns und für Amazon führen wird.

In Anbetracht dessen, dass wir vonseiten Amazons wiederholt darum gebeten wurden, Amazon Pay noch durch verschiedene Maßnahmen wie dem Login with Amazon, doppelte Platzierung der Button etc. prominenter im Shop zu platzieren und zu bewerben, finden wir es ungeheuerlich, dass nun der Kunde spätestens im Warenkorb enttäuscht feststellen muss, dass Amazon Pay als Zahlungsmittel für Artikelaus Kuba nicht mehr angeboten wird. Es bleibt abzusehen, wie andere deutsche Online-Händler nun hierauf reagieren werden. Zwar wird der Verlust nicht so drastisch sein wie vor einigen Jahren bei PayPal, doch die Sperrung von Amazon Payments ist alles andere als vorteilhaft.

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