Battle of the spirits

Prichard's Fine Rum
VS.
Santiago de Cuba Extra Anejo 12 Jahre Rum

1962.

Der Riese beschneidet den Zwerg.

Das Handelsembargo gegen Kuba. Ausgesprochen von den USA im benannten Jahr. Woher kommt eine solche Feindschaft zwischen Kuba und den USA?

Du denkst, es war der Kommunismus, der diesen Konflikt ausgelöst hat? Nicht ganz. Die Wurzeln findest Du im Unabhängigkeitskampf Kubas gegen seine spanischen Kolonialherren. Jeder Kubaner weiß davon.

Im Jahr 1898 wird das entsendete US Kriegsschiff „Maine“ im Hafen Havannas zerstört. Die USA gibt Spanien die Schuld, erklärt ihnen den Krieg und vertreibt die Spanier aus Kuba.

Fortan sind die Kubaner Marionetten der US Interessen. Besetzt. Lediglich formell ein freier Staat. Kubas Wirtschaft ist komplett abhängig von den US Interessen. 60 Jahre später, also 1959 übernimmt dieser eine ganz bekannte Kubaner die Macht in Kuba.

Fidel Castro. Er kontaktiert die Sowjetunion, bittet um Unterstützung und so ergibt sich schließlich 1962 das berüchtigte Embargo seitens der USA. Damit genug zur Geschichte. Jetzt geht es um Rum.

In diesem Duell steigt ein US Amerikaner mit einem Kubaner in den Ring. Aus Tennessee, USA, der Heimat vom Jack Daniel´s Tennessee Whiskey, stammt der Prichard´s Fine Rum. Melasse-Basis. Im frisch ausgebrannten und unbenutzten Weißeiche-Fass über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren gelagert. Wer ist sein Gegner?

Aus der rechten Ecke starrt Dich der Santiago de Cuba 12 Jahre an. Der Kubaner stammt ebenfalls aus einem (benutzten) Weißeiche-Fass. Gleichermaßen aus Melasse. Gleiche Ausgangsbasis. Knapp 9 Jahre älter.

Welcher der beiden 40%er kann Dich überzeugen?

Battle

Die Flasche:

Prichard's Fine Rum. Das ist Liebe auf den letzten Blick. Unförmig. Klobig. Simpler Korken. Ästhetisch geht anders. Oder doch nicht? Je länger die Flasche auf Deinem Tisch steht, je länger Du sie in den Händen hältst, desto besser gefällt sie Dir. Gut anzufassen, angenehm einzuschenken, starke Haptik.

Santiago de Cuba. Der 12-jährige Kubaner ruht in einer simplen, runden Flasche. Da fehlt doch was! Korken? Fehlanzeige. Du bekommst eine Drehkappe mit Sicherheitsventil. Kein bisschen sexy.

Der Prichard's sticht für Dich mit seinem eigenwilligen Design hervor. Auf den ersten Blick nicht Dein Liebling. Von diesem Zeitpunkt an erobert der Amerikaner Stück für Stück Dein Herz und wird stetig charismatischer!

Die Farbe des Rums:

Der Santiago zeigt sich Dir in einem dunklen Bernsteinton mit kupfernen Reflexen. Der Prichard's flutet seinen fossilen Harzton mit Sonnenlicht. Im Glas wirkt der Amerikaner etwas hell. Der Kubaner legt es darauf an und bietet Dir genau den richtigen Farbton für Deinen optimalen Genuss.

Die Farbe ist am Ende jedoch nicht der springende Punkt, das weißt Du!

Das Nosing:

Die Gläser hast Du bereits gefüllt, nun kommt das Aroma der beiden Kontrahenten zum Zug. Zu Beginn widmest Du Dich dem Riesen. Prichard's Fine Rum aus Tennessee. Du schnappst Dir Deinen Tumbler und es geht los.

Du riechst sofort zu Beginn einen schöne, fruchtige und mittelkräftige Papayanote. Etwas Ester. Dann schwenkt das Aroma in Rum-Rosine. Keine Spur von alkoholischem Biss in der Nase. Etwas Salz. Karamell blitzt auf, begleitet die fruchtigen Akzente und schließlich übernimmt ein Duett aus Karamell und Vanille. Im Hintergrund feine Noten von würzigen Holzeindrücken. Trotz des Ausbaus in frischen Weißeiche-Fässern untermalt die Würze den Rum-Ton ganz zart und spielt sich nicht zum Boss auf. Starke Harmonie und Übergang, sowie Wechsel von Frucht zu Würze ist absolut genial!

 

Jetzt kommt der Santiago de Cuba 12. Frische strömt in Deine Nase. Anregende Zitrusnoten umgarnen Dich und beleben Deinen Eindruck vom Rum. Hinten dran bemerkst Du einen Geruchston von feuchtem Heu. Jetzt folgt Ananas und vielleicht etwas Kirsche.

Wieder Ananas. Dazu gesellt sich eine feine Prise Vanille. Würzige Noten von Holz fehlen im Aroma nahezu ganz und typische Rauchnoten scheinen es diesem Eindruck gleich zu tun.

Wer gewinnt in der ersten Runde? Verschafft sich hier der Amerikaner einen Vorteil? Oder punktet der Kubaner bei Dir? Der Amerikaner ist perfekt. Er bekommt volle Punktzahl und somit 3 von 3 Zählern im Nosing. Eine grandiose Harmonie zwischen Würze und Frucht mit Tiefgang lassen keinen Zweifel zu. Der Kubaner wirkt frischer, fruchtiger und gleich etwas dünner. Dafür sanft wie ein schnurrendes Kätzchen. 2 von 3 Punkten für den Santiago de Cuba in Deiner Nase.

Tipp: Der erste Eindruck von beiden Rums erscheint genau anders herum. Oberflächlich will diese spritzige Fruchtigkeit des Santiagos die Oberhand gewinnen. Der Prichard's braucht einen kleinen Moment zum Auftauen, um dann sein volles Gewicht zu entfalten. Dann wirst Du mit einer schönen Komplexität belohnt! Wow.

Falk
Nosing/ AromaPrichard's Fine Rum
3/3
(Schulnote 1) Riecht sehr gut. Überwältigend. Hat das gewisse Etwas!
Nosing/ AromaSantiago de Cuba 12 Jahre
2/3
(Schulnote 2) Riecht gut. Charaktervoll, interessant.

Das Tasting:

Im ersten Schlagabtausch punktet der Amerikaner. Nun schlägt der Gong zur nächsten Runde!

Prichard's Fine Rum bewegt sich flink aus der Ecke und knöpft sich Deine Geschmacksknospen vor! Du hast es bereits in der Nase – Rosine! Gleich darauf folgt Pfeffer. Frucht. Papaya. Umschwung. Würzige Noten aus dem Fass. Melasse mit Spuren von Süßholz. Sprung zu Vanille und Karamell. Einen Moment. Holz. Mehr Holz. Pfeffer. Und am Ende Schokolade. Im Nachklang spielen würzige Noten aus dem Fass mit fruchtigen Noten aus der Melasse mit Dir Gummitwist.

Der Santiago de Cuba 12 Jahre Rum langt zu. Du erlebst gleich den Unterschied an erster Stelle. Süße. Der Santiago ist einen ganzen Zacken lieblicher, da gibt es kein Vertun. Ganz, ganz weich rollt der Tropfen über Deine Zunge.

 

Ananas und Vanille wechseln sich ab, dabei ist die Frucht etwas ausgeprägter, eingelagert in dieses feine Vanille-Bett. Plötzlich wandelt sich die Vanille in Karamell und Toffee Bonbon. Pflaume. Cremig. Ganz wenig Würze. Weich. Holz. Frucht. Im Abgang tänzelst Du erneut auf der Vanille-Straße mit Fruchtautos herum.

Ui, das wird schwer. Beide Rums sprechen Dich an. Beide sind klasse. Die Fäuste fliegen und sichere Treffer dringen nur schwer durch die Verteidigung. Prichard´s Fine Rum überzeugt mit einer starken Komplexität und der tollen Ausgewogenheit aus fruchtigen Noten und würzigen Tönen. Der Santiago glänzt mit einer fruchtigen Frische, die von feinsten Bonbon-Noten untermalt wird. Eine 2er Schulnote für den Prichard's und ebenfalls für den Santiago. 6 von 7 Punkten. Toller Fight mit ganz unterschiedlichen Eindrücken am Gaumen!

Tipp: Die beiden Rums unterscheiden sich fundamental und taugen für komplett unterschiedliche Momente. Der Prichard´s ist so kurz davor eine 1 (7 Punkte) zu sein. Der Wechsel aus Bonbon-Charakteristik und Frucht ist exzellent – dabei wirkt er auf Dich stets voll und schwerer. Beim Santiago erlebst Du eine bombastische Frische, die nur zart von den Bonbon-Noten untermalt wird. Dazu glänzt der Kubaner mit einer spielerischen Leichtigkeit und so gut wie keinen Holznoten.

Am Gaumen/ GeschmackPrichard's Fine Rum
6/7
(Schulnote 2) Schmeckt gut. Charaktervoll, interessant.
GeschmacksprofilPrichard's Fine Rum
Süße 1/5
Würze 3/5
Frucht 3/5
Milde 3/5
Rauch 1/5
Am Gaumen/ GeschmackSantiago de Cuba 12 Jahre
6/7
(Schulnote 2) Schmeckt gut. Charaktervoll, interessant.
GeschmacksprofilSantiago de Cuba 12 Jahre
Süße 2/5
Würze 2/5
Frucht 4/5
Milde 4/5
Rauch 1/5

Fazit:

Kuba schlägt USA, 1:0.

Dem ist nicht so.

Statt dessen zwingt der Riese den Zwerg in die Knie. Wenn auch knapp. Mit 9 Punkten für den Prichard's und 8 Punkten für den Santiago ist dies ein knapper Sieg. Beide sind für Dich exzellent und jede Empfehlung von Dir wert, das ist sicher!

Der Prichard's erfüllt tatsächlich jede Facette eines eindrucksvollen, tiefgründigen Rums. Er bittet Dich zum Philosophieren. Gerade im langen Nachklang entdeckst Du eine außergewöhnliche Komplexität dieser Preisklasse! Diskutiere und erlebe diesen Rum!

Der Santiago de Cuba 12 Jahre Rum ist anders. Klare Dominanz des fruchtigen Aspekts. Dazu feine Noten von Bonbon, Vanille und Karamell mit praktisch keiner holzigen Würze. Unglaublich leicht und mild. Hat überhaupt kein Bock mit Dir zu diskutieren. Ist zum Dahinplätschern. Keine Anstrengung. Ruh´ dich aus. Genieße einfach.

Persönliches Fazit:

Der Prichard's reißt mich von den Socken. So wenig Geld, so viel Rum und das bei „nur“ drei Jahren Reifung. Ich war kurz davor den Rum auch am Gaumen in die vollen Punkte zu heben. Der Santiago ist dagegen ein ganz leicht lieblicher Dessert-Rum. Richtig schön mild, weich und fruchtig. Ich vermisse etwas die typische kubanische Rauchigkeit, aber er ist, wie er ist.

Rummige Grüße, Falk Redlich, Team Rum & Co.

9/10
Prichard's Fine Rum
Exzellent
8/10
Santiago de Cuba 12 Jahre
Exzellent

Was bisher geschah:

Battle
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