Bei Spirituosen gern gesehen:

Welchen Gewürzen begegnet man bei den Spirituosen am häufigsten? Vom Koriander einmal abgesehen – der bei Gin gemeinsam mit Wacholder zum Einsatz kommt – begeistert vor allem der Anis. Neugierig geworden? Hier gibt's mehr Infos!

Anis – Was ist das?

Anis (Pimpinella anisum) gehört zu den Doldenblütlern und ist sowohl eine Gewürzpflanze als auch eine Heilpflanze. 2014 war sie hierzulande sogar die Heilpflanze des Jahres. Manchmal wird die einjährige krautige Pflanze mit dem Dill verwechselt. Die Blütezeit der 10 bis 60 cm hohen Krautpflanze dauert von Juni bis September, sodass die Sommersaison gleichzeitig Anissaison ist. Vermutlich stammt Anis ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, wobei er heutzutage vorwiegend in Zentraleuropa und Zentralamerika angebaut wird.

Wofür ist Anis gut?

Wir verwenden die winzigen Samenfrüchte der Anispflanze zum Würzen von Speisen, bei einigen Süßspeisen und zum Aromatisieren von alkoholischen Getränken. In der westlichen Küche kommt Anis in Backwaren wie Brot zum Einsatz. Wie riecht und schmeckt Anis? Die Anissamen besitzen einen leicht bitteren Geschmack, der entfernt an Lakritze erinnert. Besonders scharf oder zu herb ist er nicht. Den Duft und den Anisgeschmack verdanken wir dem ätherischen Öl Anethol.

 

Eine komplizierte Liebesgeschichte: Anis und Spirituosen

Noch üblicher ist jedoch die Verwendung von Anis in Spirituosen. Er verleiht zahlreichen  Likören (Gewürzlikören bzw. Kräuterlikören) das gewisse Etwas und zählt zu den Botanicals für Gin (Wacholderschnaps), wobei hier der Sternanis inzwischen üblicher ist. Die alkoholischen Getränke alle bloß als Anisschnaps zusammenzufassen ist zu allgemein, denn es gibt beim Anisschnaps diverse Differenzen.

Wo ist Anis drin?

  • Sambuca (klarer Likör aus Italien, der mit Sternanis, Anis und Süßholz hergestellt wird und den man gut als Digestif trinken kann – am besten mit zerkauter Kaffeebohne)

  • Rakı und Ouzo (zwei typisch griechische Spirituosen – Raki ist ein lakritzähnlich schmeckender Anisée mit Anissamen zur Aromatisierung des Rosinen- oder Weintraubendestillats; Ouzo ist eine Kombination aus reinem Alkohol mit Kräutern und Gewürzen wie Anis und Fenchel, und die Deutschen trinken ihn gern stark gekühlt als Aperitif)

  • Arak (Spirituose aus dem arabischen Raum – nicht mit Arrak zu verwechseln; ein ungesüßter, klarer Anisschnaps, der sich zum Mixen eignet)

 

  • AbsinthPastis (mit die bekanntesten und am weitesten verbreiteten Anisspirituosen, beide mit Ursprung im französischen Raum; Absinthe ist eine Wermutspirituose, die oft noch Anis und Fenchel beinhaltet; Pastis wurde als Alternative hierzu erfunden und umfasst als Hauptzutat Anis oder Sternanis gemeinsam mit Zucker, Süßholz und Fenchel)
  • Aguardiente (in Kolumbien versteht man unter Aguardiente einen Schnaps aus Anis und Zuckerrohr, der einen Alkoholgehalt von rund 29 % vol. besitzt)

  • Chinchon (klarer, intensiver Anisschnaps aus der spanischen Gemeinde Chinchón)

  • Anisette bzw. Anisée – zwei weitere Klassiker unter den Spirituosen mit Anis:

 

Anisette ist die französische Bezeichnung für Gewürzliköre mit Anisgeschmack, die süßer sind als beispielsweise Pastis. Die farblosen Anisliköre werden sowohl als Aperitif als auch als Digestif getrunken. Zu den bekannten Herstellern von Anisette gehört u. a. Marie Brizard. Anisé(e) wiederum ist ein allgemeiner Oberbegriff für Spirituosen mit Anisaroma. Sowohl süßere Liköre als auch ungezuckerte Spirituosen mit Anis werden damit zusammengefasst. Meist stammen diese aus dem Mittelmeerraum.

  • Anisados sind die spanische Variante von Anisée bzw. Anisschnaps, wobei die Spanier ihre Anisliköre wie Pacharán und Hierbas mit Wasser verdünnt als Aperitif trinken. Unterschieden wird bei den Anislikören aus Spanien in die Varianten dulce (süß) und seco (trocken).

Wir trinken Ouzo und was trinkst du so?
Die meist verbreiteste Anisspirituose: Absinth

Anis oder Sternanis? Was ist der Unterschied?

Anis wird immer mehr vom ertragreicheren und damit auf Dauer rentableren Sternanis (Illicium verum) abgelöst. Er kommt aus China. Sternanis hat wegen der ähnlichen Zusammensetzung des ätherischen Öls einen mit Anis vergleichbaren Geschmack, sieht jedoch anders aus. Er ist aus botanischer Sicht nicht näher mit dem echten Anis verwandt. Vor allem beim Gin und bei Likören, bei denen Anis keine Hauptzutat darstellt, greifen Hersteller vermehrt auf Sternanis zurück. Sogar Anisschnaps basiert manchmal auf Sternanis. Fenchel weist ebenfalls ähnliche Geschmacksstoffe wie Anis auf.

Warum wird Anis milchig?

Was bewirkt Anis neben der Aromatisierung? Es lässt sich beobachten, dass Absinth, Anislikör und Anisschnaps beim Mischen mit Wasser eine trübe, milchige Konsistenz aufweist. Hast Du das auch schon einmal beobachtet und dich darüber gewundert? Für die Eintrübung sind die im Gewürz enthaltenen ätherischen Öle verantwortlich. Sie lösen den sogenannten Louche-Effekt aus, da sie sich in Wasser kaum oder gar nicht lösen. Es bilden sich Grenzflächen zwischen dem Wasser und den kleinen Öltröpfchen. An ihnen wird das Licht gestreut, und das ruft die milchig-weiße Trübung hervor.

Schon gewusst? Der Louche-Effekt macht es möglich, den Anisgehalt verschiedener Spirituosen zu schätzen und miteinander zu verglichen. Als Faustregel gilt: Je trüber die Flüssigkeit bei einem bestimmten Mischungsverhältnis wird, desto mehr Anis ist in der Spirituose enthalten.

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