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Das A und O für Rum: Zuckerrohr

So viele Rohstoffe eignen sich für die Herstellung von Spirituosen, von den Weintrauben über zahlreiche andere Früchte bis hin zu Getreide. Auch Agaven und allerlei andere Pflanzen sind denkbar. Man darf dabei die Rechnung auf keinen Fall ohne das Zuckerrohr machen, denn es ist für den Rum als einziger zugelassener Rohstoff unverzichtbar. Ohne Zuckerrohr, kein Rum! Ein Grund mehr, um sich ein bisschen näher mit der Pflanze auseinanderzusetzen und herauszufinden, wie sie sich auf die Spirituose auswirkt. Denn Zuckerrohr ist nicht gleich Zuckerrohr, und nicht jeder Rum nutzt den Rohstoff auf dieselbe Weise. Wir haben für dich einige interessante Fakten zum Zuckerrohr zusammengetragen, die du unbedingt lesen solltest.

Wie wird Zuckerrohr angebaut?

Es handelt sich bei der Zuckerrohr Pflanze (Saccharum officinarum) um eine Nutzpflanze, die zu den Süßgräsern gezählt wird und deren Wurzeln im Osten von Asien zu finden sind. An ein Gras erinnert die Pflanze nur entfernt, denn sie nimmt auf den Zuckerrohrplantagen bzw. Zuckerrohrfeldern große Ausmaße an. Wie sieht Zuckerrohr aus? Insgesamt werden Wuchshöhen von 3 bis 6 m erreicht, wofür die starken Zuckerrohr Halme mit ihrem Durchmesser von rund 20 bis 45 mm zuständig sind. Für die Herstellung von Rum sind vor allem diese Halme von Zuckerrohr von Bedeutung. Die langen Blätter von bis zu 2 m sind deutlich sichtbar. Die Blüten nehmen die Form von Rispen an, und es gibt auch sehr kleine Früchte zu bemerken. Wie übergroße Grashalme mit an Bambus oder Mais erinnernden Stangen und langen Blättern. 

Das Interessante ist, dass der Zuckerrohranbau sich nicht wie bei so vielen Nutzpflanzen auf Saatgut verlässt. Stattdessen arbeitet man mit Stecklingen zur Vermehrung. Der gezielte Anbau von Zuckerrohr mithilfe von Plantagenwirtschaft wurde im 16. Jahrhundert in der Karibik und den benachbarten Regionen so richtig in Gang gesetzt, als der Entdecker Kolumbus Zuckerrohrschösslinge auf Inseln wie Barbados und Hispaniola anpflanzen ließ. Die spanischen Besatzer nutzten afrikanische Sklaven als Plantagenarbeiter, und diese wiederum erfanden den Rum aus Zuckerrohr. Was damals begann, ist inzwischen natürlich modernisiert, doch viele Schritte beim Zuckerrohranbau und bei der Zuckerrohrverarbeitung erfolgen nach wie vor von Hand.

Zuckerrohr

Was wird aus Zuckerrohr gemacht?

Die Zuckerrohrverarbeitung unterteilt sich in zwei Hauptkategorien, die eng miteinander verbunden sind. Die Zuckergewinnung und die Alkoholherstellung sind demnach die Hauptverwendungszwecke von Zuckerrohr. Der Großteil der Pflanze wird vor Ort oder im selben Land zu Zucker verarbeitet. Hierfür zerkleinert oder mahlt man die Stangen und presst sie aus, um ihnen die zuckerhaltige Flüssigkeit zu entziehen. Dieser Zuckerrohrsaft wird mehrfach ausgekocht, damit sich Zucker herauskristallisiert. Der zweite Verwendungszweck ist die Herstellung von Rum aus Melasse. Was ist Zuckerrohrmelasse? Hiermit betitelt man den dicken, dunklen Zuckerrohrsirup, der nach wiederholtem Kristallisieren zurückbleibt. Er beinhaltet noch bis zu 60 % Zucker und dient der Destillation von Melasse Rum. Die Melasse wird zudem als Süßungsmittel in der Lebensmittelindustrie und als Futtermittel für Nutztiere wie Pferde und Kühe eingesetzt.

Rum aus Melasse ist nicht die einzige Spirituose aus diesem Rohstoff, denn es gibt darüber hinaus noch den Zuckerrohr Schnaps im Allgemeinen. Was ist Zuckerrohr Schnaps? Er wird direkt aus vergorenem Zuckerrohrsaft gebrannt und im Gegensatz zu Rum eher nicht in Eichenfässern gelagert. Das bekannteste Beispiel hierfür ist der Cachaça als brasilianisches Nationalgetränk. Er ist z. B. für Cocktails wie Caipirinha unerlässlich.

Schon gewusst? Zuckerrohr findet immer mehr Einzug in den Alltag, denn Zuckerrohr Produkte sind zu 100 % kompostierbar. So findest du auch es zum Beispiel auch in Verpackungen und Einweggeschirr.

Zuckerrohr

Wo kommt Zuckerrohr her, und wo wächst Zuckerrohr heute?

Seit wann genau der Mensch das Süßgras gezielt nutzt und anbaut, das ist nicht zweifelsfrei geklärt. Man geht jedoch davon aus, dass in Ostasien schon im 5. Jahrhundert vor Christi Geburt in Ländern wie Indien, China und Neuguinea angebaut wurde. Etwa ein Jahrhundert nach Christi Geburt gelangte das Zuckerrohr durch den intensiven Handel mit Asien in den Nahen Osten. Die Inder und Araber führten ihren Zucker u. a. im antiken Rom ein, wo man die Methode der Kristallisierung zum Haltbarmachen entdeckte und wo der Zucker in der Medizin Verwendung fand. Die Kreuzzüge im Orient brachten später die Europäer im Allgemeinen mit dem Zucker in Verbindung, wobei sie auch den Anbau von Zuckerrohr kontrollierten. Man errichtete im Mittelmeerraum wie z. B. um Griechenland weitläufige Plantagen für den Anbau der Nutzpflanze, wobei es nach der Pestepidemie im späten Mittelalter zu einem Einbruch kam. Große Teile der Welt wurden mit dem Zuckerrohr aus dem mediterranen Raum – aufwändig unter Zuhilfenahme von Sklavenarbeit kultiviert und verarbeitet – versorgt.

Was führte dazu, dass sich das drastisch änderte? Die Entdeckung der Neuen Welt. Nachdem Christoph Kolumbus im Jahre 1492 den späteren amerikanischen Kontinent entdeckte, wurde die Karibik von den Spaniern, Franzosen und anderen Europäern kolonisiert. Man erkannte rasch, dass das dort vorherrschende tropische Klima sich besser zum Zuckerrohranbau eignete als die heimischen Bedingungen. Auf jeder karibischen Insel und in den süd- und mittelamerikanischen Ländern wurde der Anbau von Zuckerrohr im großen Stile eingeführt.

Kolumbus selbst soll die erste Zuckerrohrpflanze in die Neue Welt gebracht haben und auf der Insel Hispaniola, der heutigen Dominikanische Republik und Haiti, angepflanzt haben.

Andere vertreten die Meinung, der Grundstein wurde auf der Insel Barbados gelegt und das Ganze geschah einige Jahre früher oder später. Jedenfalls kamen die Kolonialherren im Laufe der Zeit auf die zündende Idee, die Beiprodukte der Zuckergewinnung – allen voran die Melasse – zu fermentieren und destillieren und daraus Alkohol zu erhalten. Dieser Zuckerrohrschnaps wurde den Sklaven und der armen Unterschicht als Belohnung für die knochenbrechende, schweißtreibende Arbeit verabreicht, und der Rum war geboren.

Der Ursprung: Zuckerrohr aus der Karibik

Ab dem 16. Jahrhundert war die Karibik die Hochburg für den Anbau von Zuckerrohr. Es mangelte an Arbeitskräften, sodass die Europäer in Afrika Sklaven gegen Waren tauschten bzw. kauften und diese in die Karibik verschifften. Weit mehr als zehn Millionen afrikanische Arbeitssklaven wurden über die Jahrhunderte hinweg in die Neue Welt abtransportiert und prägten den Zuckerrohranbau, die Zuckergewinnung und nicht zuletzt auch die Rumproduktion. Frankreich wurde auf das Treiben der Spanier und Portugiesen aufmerksam und wollte sich ebenfalls ein Stück vom Zuckerrohr-Kuchen abschneiden. Es gab Kanada auf und erhielt im Gegenzug die Inseln Guadeloupe, Martinique und St. Lucia. Bis heute sind die französischen Antillen untrennbar mit der Herstellung von Rum verbunden. Dort entsteht nach AOC-Richtlinien der Agricole Rum, der aus Zuckerrohrsaft statt aus Melasse gebrannt wird.

Zuckerrohr aus Amerika, Europa und Asien

Bis ins 18. Jahrhundert hinein hielt der Zucker-Boom in der Karibik und in Lateinamerika an, doch dann wurde ihm beinahe schlagartig ein Strich durch die Rechnung gemacht. Die Europäer entdeckten die Zuckerrübe für sich, die ihnen viel Mühe, Sklavenhandel, lange Transporte und Zeit ersparen sollte. Sie wurde großflächig in der Alten Welt angebaut und zu Zucker verarbeitet, und die Bedeutung von Zuckerrohr schwand somit ab Mitte des 18. Jahrhunderts. Die geringere Verfügbarkeit von Melasse als Abfallprodukt der Zuckergewinnung führte dazu, dass sich mehr Brennereien am Rhum Agricole versuchten.

Obwohl das Zuckerrohr fortan im Schatten der Zuckerrübe stand, ließ es sich nicht komplett verdrängen. Bis heute wird es speziell auf den karibischen Inseln, aber auch im Rest der Welt kultiviert. Das Verhältnis hat sich jedoch geändert, denn seit dem 20. Jahrhundert konzentrieren sich die Betriebe fast nur mehr auf die Rum-Herstellung statt auf die Zuckergewinnung an sich. Brasilien liegt mengenmäßig weit vorn und gilt mit mehr als 670 Millionen Tonnen als weltgrößter Zuckerrohrproduzent. An zweiter Stelle steht Indien, an dritter Stelle China.

Nach diesen Ursprungsländern folgen mehrere andere asiatische Länder wie Thailand und die Philippinen, aber auch die Vereinigten Staaten und Australien schaffen es in die Top 10.

An der Produktionsmenge gemessen ist keines der Rum produzierenden Länder vorne dabei, aber das ist abzusehen, denn schließlich verfügen die Inseln nicht über genug Anbaufläche. Manche Hersteller beziehen das Zuckerrohr für ihren Rum in großen Mengen aus einem anderen Land, andere greifen auf eigene Plantagen zurück und produzieren im kleinen Stil. Seit einigen Jahren wird ein leichter Anstieg an Zucker aus Zuckerrohr gegenüber Zucker aus der Zuckerrübe beobachtet. Rohrzucker ist dabei etwas günstiger auf dem europäischen Markt. Davon einmal abgesehen hat sich die Nutzpflanze nicht nur als Lieferant von Saccharose, sondern auch als Biomasse für die Gewinnung von Bioenergie etabliert. Die Brasilianer beispielsweise erzeugen jährlich bis zu 16 Milliarden Liter Ethanol aus Zuckerrohrsaft und gewinnen aus diesem Biokraftstoff.

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Süd- und Mittelamerika sind also nach wie vor Hochburgen beim Anbau von Zuckerrohr, die Karibik hingegen weniger. Zu den größten Zuckerrohrproduzenten zählen Brasilien, Kolumbien, Mexiko und Guatemala. Aber man sollte nicht vergessen, dass die Hauptproduzenten von Zuckerrohr sich auch in Asien befinden: Indien, China und Thailand liefern den Löwenanteil. Auch Australien und die USA sind in der Top 10 der Zuckerrohrländer vertreten. Die Tropen und Subtropen mit Temperaturen zwischen 25 und 30 °C sind schließlich mit Ostasien das Herkunftsland von Zuckerrohr.

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Der Anbau von Zuckerrohr

Es gibt Hunderte von Zuckerrohrsorten, die alle unter leicht anderen Bedingungen gedeihen und sich im Detail voneinander unterscheiden. Gemeinsam ist den Pflanzen, dass sie ein subtropisches oder tropisches Klima benötigen. Der Sommer sollte niederschlagsreich sein, und Durchschnittstemperaturen von 25 bis 30 Grad Celsius sind von Vorteil. Allgemein wird die Zuckerrohrpflanze als recht anspruchslos angesehen. Ist es z. B. kälter, dann geht die Pflanze nicht gleich zugrunde, sondern wächst erst einmal langsamer. Ab 15 Grad ist kein Wachstum mehr möglich. Zwar benötigt das Zuckerrohr viel Wasser zum Gedeihen, doch dieses darf nicht stehen, denn sonst besteht ein Fäulnisrisiko. Das erklärt, warum die Zuckerrohrplantagen bevorzugt auf Hügeln liegen.

Gepflanzt wird Zuckerrohr mithilfe von Stecklingen. Untere Halmstücke mit zwei bis vier Knoten stellen diese Basis für die Kultivierung dar. Große Halme weisen zehn bis vier solcher Zwischenstücke auf. Man legt die Halme in den Boden und bedeckt sie mit Erde. Mit einem Reihenabstand von über 1,2 m ist es theoretisch möglich, auf einem Hektar Land bis zu 20.000 Stecklinge zu setzen. Es dauert sieben bis 14 Tage, bis die Stecklinge austreiben. Wurzeln und Knospen bilden sich aus. Die Wachstumszeit beträgt drei bis sechs Monate. Dann ist die Reihe geschlossen. 

Wann wird Zuckerrohr geerntet?

Wann ist Zuckerrohr reif genug für die Zuckerrohrernte? Färben sich die Blätter gelb und ist der Zuckergehalt in den hohen Halmen am höchsten, solle man das Zuckerrohr ernten. Die Ernte von Zuckerrohr erfolgt in den meisten Fällen per Hand und ist mit einem gewissen Aufwand verbunden. Maschinen kommen nur selten zum Einsatz. Einige Betriebe machen sich ein Ausbrennen der Zuckerrohrfelder zunutze, aber diese Methode ist etwas verpönt. Man schneidet bei der Zuckerrohr-Ernte die Halme so ab, dass ein kurzer Stumpf über dem Boden übrigbleibt. Dieser schlägt erneut aus, sodass in rund einem Jahr die nächste Ernte von derselben Pflanze möglich ist. Je nach Sorte besteht die Möglichkeit, pro Pflanze acht Ernten vorzunehmen, bevor neue Setzlinge benötigt werden. Realistischer sind jedoch zwei (Indien) bis fünf Ernteschnitte (Brasilien).

Der Lebenszyklus einer Zuckerrohrpflanze ist etwa 20 Jahre lang. Wird in Handarbeit geerntet, schafft es ein Arbeiter je nach Alter, Erfahrung und Bedingungen auf 15 bis 20 Tonnen am Tag. Die Bezahlung pro Tonne ist verschwindend gering, und teilweise verlässt man sich sogar auf illegale Arbeitskräfte im Kinderalter. Es dauert nach dem Setzen der Stecklinge je nach Standort, Klima und Bodenbeschaffenheit 10 bis 24 Monate bis zur Zuckerrohrernte, je nach Zuckerrohrsorte. Man macht den genauen Erntezeitpunkt vom Reifegrad und Zuckergehalt abhängig. Pro Halm liegt der Zuckergehalt bei circa 10 bis 20 %. Man schneidet die Halme über dem Boden ab und transportiert sie zur Zuckerrohrverarbeitung von den Plantagen zu Zuckerfabriken oder Brennereien.

Was passiert mit dem Zuckerrohr nach der Ernte?

Ist die Ernte abgeschlossen, wird das Zuckerrohr in seine Halme und anderen Einzelteile zerlegt. Die Halme presst man nach dem Zerhacken, um daraus Zuckerrohrsaft zu gewinnen. Dieser wiederum wird zu Sirup ausgekocht und dient der Gewinnung von Zuckerkristallen. Die Melasse bleibt übrig und wird zum Gären gebracht, um daraus Rum zu destillieren. Manche Brennereien verwenden direkt den Zuckerrohrsaft, möglichst frisch nach dem Pressen, wobei er zuvor gereinigt – von Schwebestoffen befreit – wird. Zahlreiche Hersteller verwenden auch die dabei übrig bleibende Bagasse, die faserigen Pressrückstände. Man trocknet sie und nutzt sie zur ökologischen Energiegewinnung. Bagasse ist darüber hinaus reich an Zellulose und vermag als Grundstoff für Verpackungsmaterialien und Papier eingesetzt werden. Manche nutzen sie als Brennstoff, andere als Viehfutter (als Alternative zu gehäckseltem Zuckerrohr).

Innerhalb von knapp einem Jahr treiben die abgeschnittenen Halmstümpfe erneut aus, wobei sich dieser Lebenszyklus bis zu achtmal wiederholt. Am Abend vor der Ernte praktiziert man in den meisten Ländern ein Abbrennen der Felder. Aber warum wird Zuckerrohr abgebrannt? Das Feuer hilft dabei, das störende Unkraut und die nutzlosen Blätter zu beseitigen, sodass es nur noch an das Schneiden der Zuckerrohrstangen geht.

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