Fässer

Dirk Becker –

Im Herzen Rum

Seit 15 Jahren. Leidenschaft. Herzblut. Populär. Koryphäe. Einfach mehr Rum. Wir reden von Dirk Becker. Er ist der Rum Papst in Deutschland und sicher einer der ersten, der Rum als Premium Getränk wahrgenommen hat. Noch heute arbeitet er ganz viel an der Basis um Rum noch publiker zu machen, als er schon ist! Es ist an der Zeit, diesen Mann und seine Faszination für Rum kennenzulernen! Mitten in Berlin sitzen wir, der Daniel vom Einkauf und ich, Falk, der Rum-Schnacker, gemeinsam und ganz gemütlich mit Dirk zum Rum Talk!

Ein steiniger Weg Rum

Teil 2

Dirk: "Das Ding ist eben, als ich damit angefangen habe...wie viele Rumsorten gab es damals? Es waren nicht viele. Und das hat sich verändert. In den letzten 10 Jahren, vor allem aber in den letzten 4 Jahren – kommt es mir eher vor, wie eine Flut. So ähnlich, wie die Gin-Flut aktuell. Weil jeder, der die Kohle hat, kann einfach zu Scheer gehen und sich ein Fass Rum kaufen. Wenn du dann ein gutes Etikett machst, ein gutes Marketing – dann ist die Tür für alle Richtungen geöffnet."

Falk: "Habe bisher nicht gewusst, dass auch Vodka gesüßt werden darf. Bis zu 10 Gramm je Liter. Die werden ja vermutlich fast alle aufstocken und an das Limit gehen."

Dirk: "Das ist mit den Obstbränden ähnlich. Darf nun gezuckert werden, generell, mit ebenfalls bis zu 10 Gramm. Das sagen natürlich die Hardliner: „Seid ihr wahnsinnig? In Obstbränden war noch nie Zucker und soll auch kein Zucker rein.“ Die kämpfen jetzt auch dagegen."

Daniel: "Da fragt man sich fast schon, ob das eventuell von der europäischen Zuckerindustrie initiiert sein soll, die durch Zero-Produkte ihren Umsatzrückgang kompensieren müssen."

Dirk: "Es geht einfach darum, dass es sich schneller und einfacher verkauft. Wir bekommen die Leute natürlich nach und nach dazu die Sachen zu trinken, die nicht gesüßt sind. Wenn du einen McCoy auf der Zunge hast, dann erfährst du eine natürlich Süße. Die liegt dann bei 1 oder 1,5 Gramm auf den Liter. Die ist komplett authentisch – ohne Zusatz.

Auf meinen Tastings (nur trocken) schauen die Gäste mich dann erst einmal an: „Wie? Rum ist nicht süß?“ Und sie beginnen skeptisch. Am Ende sagen die meisten dann, das war super, man kann den Rum jetzt ja sogar schmecken. „Ich entdecke Aromen, die habe ich bei den anderen ja gar nicht.“ Dann kriegst du die Leute auch – halt nicht alle auf einmal.

An einem Samstag gehen hier 20 Menschen glücklich nach Haus und erzählen es weiter! Dann kommt der Nächste neugierig hier her. So bekommt man den Kreislauf in Gang gesetzt.

Gerade auf den Messen verkaufen wir immer mehr Agricole. Das bekommt man hin, es ist halt ein langwieriger Prozess. Wenn du natürlich ganz schnell Rum verkaufen willst, dann führt dieser Weg nicht zum Ziel."

Falk & Dirk
Falk & Dirk

Blind Taste mal anders

Falk: "Ich experimentiere gerne mit dem einen oder anderen Kunden bei uns im ShowRoom mittels eines Blind Tastes. 3 Rums. Sie bekommen von mir zu aller erst einen Süßen. Als Zweites einen Trockenen. Zu guter Letzt die Nummer 3 – eine Besonderheit. Was sie nicht wissen ist, dass Rum Nummer 3 dem ersten entspricht.

Auf der einen Seite gemein, auf der anderen Seite haben sie nach dem trockenen Rum von dem Süßen einen ganz anderen Eindruck – die Differenz machts. Häufig finden sie den trockenen Rum dann auch richtig gut!"

Daniel: "Wie viele Rum-Sorten hast du üblicherweise in einem Tasting?"

Dirk: "Standardmäßig hab ich in einem Tasting 8 Sorten. Letztens hatte ich Plantation Fans hier. Im Tasting Agricole, Don Q und ähnliche Sorten. Nach 7 Stück frage ich, worauf die meisten Lust haben. Richtig auf die Fresse oder ein bisschen smoother. Habe ja alles hier. Und die Jungs wollten zum Abschluss einen der Bestseller haben. Erstaunlicherweise schmeckte genau deren Lieblingsrum jetzt gerade eher etwas fade - im Gegensatz zu den anderen, die im Tasting angeboten wurden. Das macht den Rum natürlich nicht zu einem schlechten Rum, im Kontext aber wurde er komplett entzaubert sozusagen!"

Daniel: "Wahnsinn. Ein cooles Erlebnis – ganz sicher"

Dirk: "Wir haben uns ein besonderes Konzept für die größeren Messen einfallen lassen. München und Hanse Spirit zum Beispiel. Speed Tastings. Dazu haben wir eine Holzlatte genommen, darauf geschrieben: Speed Tasting. Real Rum. 5€.

Da bekommst du dann drei Rumproben. Das machen wir zu jeder vollen Stunde. Das Bild ist häufig so: Zwei Stunden nach Eröffnung haben wir bereits bis zum Abend alle offenen Plätze verkauft. So groß ist der Andrang.

Pro Tasting unterhalten wir so 14 Leute. Wir erklären dann in einer komprimierten Variante die Unterschiede. Französischer, englischer und spanischer Rum-Stil."

Falk: "Also einen Spanischen, Süßen und Welchen noch?"

Dirk: "Nein. Wir haben nichts Süßes dabei."

Falk: "Klasse. Welchen präsentierst du aus dem spanischen, englischen und französischen Stil?"

Dirk: "Für den spanischen Stil haben wir Don Q am Start, für den englischen The Real McCoy und für den Agricole einen H.S.E. Die Teilnehmer waren häufig bereits zuvor an den anderen Ständen und haben den Kontakt mit den süßen Rums bereits durch. Die erste Feststellung: „Das ist irgendwie alles ganz anders.“ Damit kriegst du die Leute abgeholt. Die kaufen dann Sachen, die sie zuvor niemals gekauft hätten – weil sie es nicht kannten und in diesem Tasting angeleitet wurden; zu Rum ohne Süße."

Fässer

Da ist nichts zu machen

Falk: "Das ist echter Wahnsinn und großartig.

Ich würde gerne noch mal auf die Fässer zurückkommen. Du bist ja durch die Welt gereist, unter anderem auch Jamaika und hast Destillen besucht wie z.B. Hampden usw. Wenn ich heute ein Fass kaufen möchte, dann sagen die mir: Nein, wir verkaufen dir nicht. Was müsste ich tun, um mit denen grün zu werden?"

Dirk: "Mh. Die Zeit ist vorbei. Auch mir ist es praktisch unmöglich das zu tun. Die haben sozusagen eine Art Insidergruppe gebildet. Das ist Luca von Velier und Richard Seale plus Scheer aus Holland und das war es schon. Du kriegst da keinen Rum. Nur über diese Quellen."

Falk: "Warum?"

Dirk: "Das ist eine gute Frage."

Falk: "Die Individualität stirbt dadurch doch, oder?"

Dirk: "Letztlich ist es für die Produzenten einfacher und auch lukrativ, den Rum genau auf diese Art und Weise zu verkaufen. Inzwischen gewöhnen sie sich auch an den Gedanken, Rum unter eigenem Label auf den Markt zu bringen. Mit steigendem Erfolg!

Hampden zum Beispiel kenne ich bereits sehr lange. Ich kannte noch den Großvater persönlich, der das Ganze aufgebaut hat. Laurie Hussey hat die Anlage in seinem Zerfall beobachtet und fasste den Entschluss, dies zu verhindern. Seine Familie hatte viel Geld – dadurch viel ihm das nicht schwer. Du musst wissen, dass die Destillen auf Jamaika in der Vergangenheit größtenteils in staatlichem Besitz waren. 2009 war es dann soweit, die Husseys übernahmen Hampden, und seit 2010 reifen in der Destille wieder Fässer mit Rum.

Immer vertrauter wurde Luca Gargano für die Rum-Produzenten. Zusammen mit Richard Seale und Scheer gab es dann die lukrative Idee, Rum nicht mehr an Einzelpersonen und Firmen zu verkaufen, sondern zentral. Worthy Park, Long Pond und weitere kamen dazu. Luca selbst hat so natürlich einen wundervollen Zugriff auf die vermutlich wertvollsten Fässer.

Die Jungs von Tres Hombres baten mich damals, über meine Kontakte, einen Rum aus Jamaika für sie zu organisieren. Ich wäre auch mit denen gerne gemeinsam hingeflogen und hätte bei der Auswahl geholfen."

Falk: "Da war sicherlich nichts zu machen, oder?"

Dirk: "Ja, nichts zu machen. Schade."

Daniel: "Was ist denn die Motivation dahinter? Die eine verstehe ich – Marge. Das das alles gerecht entlohnt werde muss und im richtigen Verhältnis steht, das ist klar. Aber dass gesagt wird, selbst an wenige Auserwählte werden keine Fässer rausgegeben und damit quasi ein Monopol erschafft – schneidet man sich da nicht langfristig ins eigene Fleisch?"

Dirk: "Aus deren Sicht ist das der richtige Weg und da lassen die auch keine Zweifel aufkommen."

Falk: "Erinnert mich schon an die Mafia. Eine kleine Rum-Mafia mit Don Luca und Don Scheer. 😉 "

Dirk: "Obwohl Luca, Richard und Scheer letztlich an geografischer Individualität und zuckerfreien Rum-Sorten interessiert sind – passiert doch oft das Gegenteil.

Jeder, der das Geld auf den Tisch legt, bekommt ein Fass bei Scheer. Und kann dann tun, was immer er will. Also das, was sie eigentlich nicht wollten, fördern sie auf diesem Wege, irgendwie."

Dirk Becker

Dirks persönlicher Reichtum

Falk: "Es geht um Qualität. Das lassen wir so stehen. Ich würde, in punkto Verkäuflichkeit, sofort einen Rum auswählen und den mit 20 Gramm Zucker je Liter süßen. Schau dir einen der absoluten Bestseller an: Plantation Barbados XO."

Dirk: "Ich weiß nicht, wann du das letzte Mal einen XO probiert hast?"

Falk: "Ist länger her. Bevor ich zu den zuckerlosen wanderte, war er lange, lange mein Liebling und wurde schließlich vom Mount Gay XO abgelöst. Heute allerdings verzichte ich für mein privates Vergnügen auf gezuckerte Rums."

Dirk: "Ich habe letztens das Vergnügen gehabt. Da war eine Flasche offen und ich wurde zum Probieren aufgefordert. Früher war er süßer, denke ich, er hat sich verändert – im Hinblick auf das EU Gesetz. Und ich glaube, dass das dem einen oder anderen Genießer auffallen wird."

Falk: "Der Plantation läuft verdammt gut. Ich habe allerdings tatsächlich bereits den einen oder anderen Hinweis der Kundschaft gehabt."

Dirk: "Eigentlich ist er viel besser geworden, als früher. Weniger Zucker ist ein gutes Zeichen."

Falk: "Natürlich. Die Zuckermenge war früher vermutlich deutlich höher, als jetzt. Stück für Stück wurde das weniger. Plantation geht mit dieser Frage ja recht offen um – sehr sympathisch Mr. Alexandre Gabriel!

In diesem Zuge eine Frage, die du mir beantworten magst. Hampden wird heute richtig gehyped. Bereust du es, dass du damals nicht gesagt hast, ich nehme einige Fässer mehr? Oder dir gar Anteile an Hampden gekauft hast? Das wäre ja heute pures Gold auf dem europäischen Markt!"

Dirk: "Da muss ich erst einmal etwas klarstellen. Im Vergleich zu den anderen Rumverkäufen sind diese speziellen Produkte, wie z.B. Caroni, Hampden usw nur ein sehr geringer Teil des Ganzen. Prozentual ist das fast Nichts. Natürlich unterhalten sich die Spezialisten und Blogger in diversen Foren stundenlang genau über diese und jene Caroni Abfüllung. Gemessen an der ganzen Rumgeschichte ist es eben ein Bruchteil. Viel Aufmerksamkeit aufgrund z.B. der Preise.Und zur Frage zurück. Nein, darüber ärgere ich mich nicht. Ich selbst sammel auch Rum nicht großartig. Die ein oder andere Flasche hab ich mir zwar zurückgelegt – und genau diese könnte man heute für viel Geld verkaufen. Aber Geld ist für mich nicht so wichtig. Ich warte lieber auf den Moment, der dazu passt, diese Flaschen zu öffnen und zu genießen. Natürlich brauche ich Geld zum Leben. Aber ein Leben in Luxus benötige ich nicht. Wichtiger ist mir ein Job, der mir Spaß macht. Mit einem großartigen Team zusammen zu arbeiten und die Momente genießen zu können. Das ist mein persönlicher Reichtum."

Falk: "Das finde ich großartig."

Caroni mit Cola

Dirk: "Zum letzten Rum-Festival ist ein Caroni in Japan herausgekommen - für die Bar Lamp. Zu einem runden Geburtstag haben die ein Fass Caroni gekauft."

Falk: "Von wem haben die das Fass bekommen?"

Dirk: "Der japanische Importeur hat das direkt von Luca gekauft. Ich habe dann zeitnah ein Bild von den Flaschen bekommen und einfach mal gesagt, über gute Beziehungen, ich nehm zwei. Bummelig 250€ das Stück. Der einfache Ausgabepreis. Auf dem Festival bin ich dann am Sonntag Mittag zu Kirsch gegangen, die haben ja auch die ein oder andere feine Caroni-Abfüllung und andere gute Sachen im Gepäck. Mit dabei die beiden Flaschen.

„Wollen wir mal einen weiteren, schönen Caroni trinken?“

„Wie kommst du denn darauf? Caroni machen wir doch?“

„Schaut mal, was ich hier habe.“

„Wie bist du denn da rangekommen? Die Flaschen sind doch erst Freitag überhaupt gelauncht und heute ist Sonntag. Eigentlich unmöglich!“

„Sie sind hier. Jetzt machen wir die auf und trinken!“

„Nein! Das kannst du doch nicht machen. Weißt du, was das wert ist?“

„Das ist mir nicht wichtig. Ich mach die jetzt auf und wir genießen den Caroni.“

Plötzlich bildete sich eine kleine Schlange. Jeder hat noch schnell einen Kumpel kontaktiert und so kam es zu dieser Ansammlung. Einer dieser Menschen hat mir extrem zugesetzt.

„Das kannst du nicht einfach so ausschenken, denk an den Wert!“

Und das pausenlos. Mir ist fast die Hutschnur geplatzt. Das hat mich dazu verleitet folgendes zu sagen:

„Wenn du noch ein Wort sagst, dann trink ich das mit Cola!".

Jetzt war auch endlich Ruhe. Der Kirsch Stand, die anderen Gäste und ich genossen gemeinsam den Caroni. Letztlich ist es in meinen Augen lediglich eine Flasche Rum. Zugegeben - mit einem hohen Preis zwar, in einer Auktion in England ging davon gerade eine Flasche für 2.500 Pfund weg. Aber doch nur eine Flasche Rum."

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