Fass

Eine fast vergessene Kunst: Irish Whiskey Bonding

Irischer Whisky kann es mühelos mit der ebenso traditionsreichen schottischen Konkurrenz aufnehmen. Dabei wird Irish Whiskey zurecht als Klasse für sich betrachtet. Dafür gibt es mehrere Gründe, denn bei der Herstellung von Whisky aus Irland und Scotch aus Schottland lassen sich diverse Unterschiede beobachten. Auch das Whisky Bonding ist etwas typisch Irisches - und es hat vor allem ab 2018 zu einem Revival von alten irischen Whiskymarken verholfen sowie für mehr Auswahl gesorgt. Hier gibt’s mehr Informationen zum Whiskey Bonding!

Was ist Whisky Bonding?

Das Irish Whiskey Bonding blickt auf eine lange Tradition zurück. So boomte die Herstellung von Whiskey in Irland insbesondere im 19. und 20. Jahrhundert. In diesem "goldenen Zeitalter" von Irish Whiskey existierten in allen Winkeln des Landes insgesamt Hunderte von Destillerien. Damals war es jedoch nicht üblich, dass all jene Brennereien den destillierten Whisky unter dem eigenen Firmennamen oder unter einem bekannten Markennamen auch abfüllten und auf den Markt brachten. Diese Aufgabe übernahmen Dritte. Man nannte die Unternehmen, die als unabhängige Abfüller von Whisky agierten, Bonder. Sie bezogen den New Make - also den destillierten Whiskey-Vorläufer, der noch nicht in Eichenfässern reifte - und kümmerten sich um die Lagerung, das Blending, das Abfüllen sowie den Vertrieb. Der irische Whisky von einem solchen Bonder kommt quasi den Spirituosen gleich, die heute ein unabhängiger Abfüller zugänglich macht.

Whiskey

Es war üblich, dass die Anbieter von Bonded Whisky eigenständig zu den Destillerien fuhren und ihre Holzfässer mit dem gebrannten, klaren und noch rohen New Make befüllten. Sie transportierten diese Whiskyfässer zu ihren Gebäuden (bonded warehouses) und ließen die Destillate jahrelang lagern. Fast jede große Stadt besaß ihre eigenen Bonder und so entstanden auch regionaltypische Whiskystile. Außerdem agierten viele Betriebe nicht nur als Bonder, sondern unterhielten auch ein Pub. Mit dem eigenen Whisky Bonding konnten sie den Besuchern von Gasthaus und Bar die Herkunft und Qualität eines bestimmten Whiskeys zusichern.

Ab den 1930er-Jahren kollabierte die irische Whiskyindustrie jedoch. Der Irish Whiskey geriet in eine solche Krise, dass die Brennereien die Bonder nicht mehr belieferten und der Bonded Whiskey in Vergessenheit geriet. Das Whisky Bonding erhielt seinen Namen übrigens, weil die Abfüller die Spirituosen "in bond" (unter Zollverschluss) annahmen und aufbewahrten. Vergleichbar mit dem Whisky Bonding und seiner Hintergrundgeschichte ist der Bottled in Bond Whiskey aus Amerika, bei dem jedoch auch bestimmte Vorschriften vom Produzenten berücksichtigt werden müssen.

Destillerie

Das Revival von Irish Whiskey Bonding

Nicht alle befürworteten das Whisky Bonding im 19. Jahrhundert. So kam es später z. B. zu Verfälschungen oder Verwässerungen. Außerdem hatten die Destillerien keine Kontrolle darüber, was mit ihren Destillaten geschah und keine Chance, direkt die Kundschaft anzusprechen. Dennoch half das Irish Whiskey Bonding dabei, dass der irische Whiskey sich jahrhundertelang behaupten konnte. In letzter Zeit verdankt irischer Whisky dem Bonding sogar eine Art Renaissance. Einige der Bonder waren nämlich so namhaft, dass ihr Erbe bis heute weiterlebt oder dass man ihnen mit modernem Whisky aus Irland voller nostalgischem Flair Tribut zollt.

Die Firma schlechthin, wenn man Bonded Whisky kaufen will, ist Mitchell & Sons mit den Spot Whiskeys. Der berühmte Familienbetrieb bezog vor allem von der Bow Street Distillery von Jameson hochwertigen New Make. Dieser wanderte in Fässer, die man mit einem farbigen Punkt markierte und damit auf die Reifelagerung verwies: Blue Spot sollte sieben Jahre ruhen, Green Spot zehn Jahre, Yellow Spot zwölf Jahre und Red Spot 16 Jahre. Das verlieh diesem Bonded Whisky aus Irland den Spitznamen Spot Whiskey. Yellow Spot und Green Spot sind aktuell wieder erhältlich und präsentieren sich als Hommage an die Vergangenheit jeweils mit einem gelben oder grünen Punkt auf dem Label. Dahinter steckt jeweils gereifter irischer Whisky (pot still) von der Midleton Distillery.

Der renommierte Bonder Gilbey's mit der heutigen Marke Redbreast war und ist ebenfalls eine Ikone, wenn es um das Whisky Bonding geht. Feiner Single Pot Still Whisky aus Dublin steht hier im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, teilweise auch von Jameson bezogen. 1912 wurde der Gilbeys Redbreast Irish Whiskey vorgestellt, der es mit den heute von den Brennereien selbst angebotenen Klassikern aufnehmen kann. Redbreast Whisky wird inzwischen gemeinsam mit Irish Distillers und Midleton produziert. Chapel Gate mit JJ Corry "The Gael" bereichert den Markt ebenfalls mit Bonded Whisky, der in die Vergangenheit entführt.

Vorteile von Bonded Whiskey

Das Spannende am Whisky Bonding ist, dass der Bonder mit seinem Lagerhaus gern seiner Kreativität freien Lauf lässt. So experimentiert er z. B. mit den Fasstypen für die Lagerung und/oder für ein Cask Finishing für spezifische Geschmacksrichtungen und Aromenprofile. Bonded Whisky aus Irland oder einem anderen Land kann in Sherryfässern oder Bourbonfässern reifen oder es kommen sogar mehrere Fassarten zum Einsatz. Der Whisky Bonder ist mehr als ein unabhängiger Abfüller und entscheidet außerdem über den Alkoholgehalt.

Er mag mithilfe von Irish Whiskey Bonding Einzelfassabfüllungen anbieten, wobei es sich nicht um limitierten Single Cask Whisky handeln muss. Es kann ebenso ein Single Malt als auch ein Blended Whisky sein.

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