Hampden Estate Jamaican Rum Wie die Hampden Distillery das Schicksal ihrer Rums selbst in die Hand nimmt

Wo Jamaika drauf steht, steckt noch lange nicht nur Jamaika drin. Zumindest war es beim Rum lange Zeit so: Produktion in der Karibik, Fassreifung und Wertschöpfung in Europa. Das ändert sich seit einiger Zeit – auch dank Vorreitern wie der Hampden Distillery. Mit ihrem Ansatz stehen sie für ein neues, selbstbewusstes Verständnis von Qualitäts-Rum – unverfälscht, frei von äußeren Einflüssen und mit einem zu einhundert Prozent echten karibischen Geschmackserlebnis. Die ersten Eigenabfüllungen aus dem Holzfass kommen nun nach mehr als sieben Jahren Reifezeit als Hampden Estate Pure Single Jamaican Rum auf den Markt – und sind ab sofort auch in Deutschland erhältlich.

Jamaikanischer Rum: Destilliert auf der Karibikinsel, gereift, verfeinert, gefärbt und schließlich mit anderen Destillaten vermählt in Europa. So oder so ähnlich sieht der Herstellungsprozess vieler Rums aus dem Inselstaat nach wie vor aus. Bekannt für ihren vollen und schweren Charakter, wird ein Großteil der jamaikanischen Destillate zwar in der ehemaligen britischen Kolonie hergestellt. Die Brennereien werden jedoch häufig von englischen, holländischen und dänischen Unternehmen betrieben, die Erzeugnisse in Europa veredelt und anschließend als anonymer Verschnittpartner für Blended Rums verwendet. Purer Rum aus jamaikanischer Hand? Eine Seltenheit.

Hampden

Jamaikanischer Rum: vom anonymen Partner zur eigenständigen Marke

Doch jamaikanische Destillerien gewinnen nach und nach an Selbstbewusstsein – und treten aus dem Schatten ihrer Besitzer und Importeure aus Übersee. Eine davon: die Hampden Distillery. Die Brennerei aus der Trelawny-Region im Nordwesten Jamaikas bringt dieses Jahr erstmals gereiften Rum unter dem eigenen Namen auf den Markt. Die Hampden Distillery Edition besteht aus dem Hampden Estate 46 % vol. und dem Hampden Estate Overproof 60 % vol. Ausschließlich in Brennblasen – statt in den typischen Brennsäulen – destilliert, mindestens sieben Jahre unter tropischen Bedingungen gereift und gänzlich ungefärbt versprechen sie ein völlig unverfälschtes jamaikanisches Erlebnis.

Gegründet im Jahr 1753, ist Hampden Estate eine der ältesten Zuckerplantagen Jamaikas. In 265 Jahren war sie in der Hand von lediglich zwei Familien. Ein klarer Vorteil, denn das Wissen – zunächst über die Zucker-, später auch die Rumherstellung – wurde von Beginn an von Generation zu Generation weitergereicht. Diese Kontinuität zahlt sich aus: Hampden steht für aromatische Spirits mit einem hohen Wiedererkennungswert. Prozesse wurden über die Generationen weiterentwickelt, Bewährtes beibehalten und verfeinert: die Gärbottiche beispielsweise, die der Destillerie bereits seit über 100 Jahren treue Dienste leisten. Klar, dass sich das auch im Kundenstamm widerspiegelt: Einige der einheimischen Kunden können Geschichten von ihren Großvätern erzählen, die bereits bei Hampden Rum eingekauft haben, die Brennerei mit Equipment versorgt oder aber ihre Sommer auf der Plantage verbracht haben.

Von der Hefe bis zur Reifung: sämtliche Produktionsschritte in jamaikanischer Hand

Jamaika ist bekannt für Rums mit einem besonders hohen Esteranteil. Die Hampden Distillery lebt diese Tradition: Ihre Rums haben einen Esteranteil von bis zu 1600 Milligramm pro Liter. Dabei gilt: Je höher die Esterkonzentration, desto intensiver das Bouquet und desto voller und aromatischer der Rum. Eine weitere Besonderheit: Für ein charakterstarkes und volles Geschmacksprofil destilliert man die Spirits bei Hampden zu 100 Prozent in Brennblasen – anstelle der sonst üblichen Brennsäulen. Vier Brennblasen aus drei Kontinenten kommen dabei zum Einsatz: zwei Forsyths aus Schottland, eine Vendome aus Kentucky und eine von T&T Engineering in Südafrika.

Die beiden neuen Abfüllungen reifen anschließend vor Ort in der Brennerei – unter tropischen Bedingungen. Durch das dortige Klima verdunstet das Destillat besonders schnell, die Brennerei verliert so über die Jahre einen großen Teil ihres Rums. Dabei gilt: Ein Jahr Reifung in den Tropen entspricht in etwa drei Jahren Reifung in Schottland. Zur Erinnerung: Die neuen Hampden Rums verbringen mindestens sieben Jahre in ihren Fässern! Da können schon einmal 40 Prozent oder mehr verdampft sein.

Oberste Priorität bei Hampden: einen unverfälschten, echt jamaikanischen Rum herstellen. Die Hampden Distillers halten ihren Rum daher so frei von äußeren Einflüssen wie möglich. Die Brennerei baut Zutaten, die sie für die Rumherstellung benötigt, selbst an. Nur so kann sie sicher sein, dass diese auf sauberem Boden und ohne Chemikalien wachsen. Auch seine Hefe produziert Hampden vor Ort selbst – und gibt somit keinen Schritt im Herstellungsprozess in fremde Hände. Und für immer mehr Rum-Fans weltweit ein entscheidendes Kriterium: Hampden Rum wird gänzlich ohne zusätzliche Zuckerzugabe zur Süßung abgefüllt – fast schon eine Seltenheit unter den Rums auf dem Weltmarkt.

Das gereifte Debut von Hampden: kraftvoll und gewagt

Trotz des großen Aufwands und der Passion, die hinter ihrer Produktion stecken: Bisher werden die Hampden Rums weltweit meist für Blends verwendet. Das ändert sich jetzt: Zwei weiße Rums hat Hampden bereits in den vergangenen Jahren rausgebracht, Rum Fire und Hampden Gold. Der mittlerweile verstorbene Laurie Hussey – damaliger Inhaber der Everglades Farms Ltd. – kaufte die Brennerei 2009 und begann, Hampden Rum in Fässern zu lagern. Sein Sohn Andrew Hussey, jetziger Geschäftsführer der Brennerei, hat diesen nun in Flaschen abgefüllt.

Gereifter Rum unter eigenem Namen: zwei mindestens sieben Jahre gereifte Abfüllungen bilden das Debut für Hampden.

Hampden Estate Overproof 60 % vol. hat – typisch Jamaika – einen auffallenden, gewagten Charakter voller kraftvoller Aromen.Er überrascht mit einem verbindlichen Geruch nach Wegerich und medizinischen Noten. Am Gaumen ist er warm und würzig, Aromen von Nelken, Chili und Zimt treten zum Vorschein. Ganz anders der delikate und fruchtige Hampden Estate 46 % vol. Er duftet frisch nach reifen Bananen und Mangos, nach kandierten Orangen und sauren Bonbons. Im Geschmack ist er etwas phenolisch und würzig mit Noten von rotem Pfeffer und Nelken. Weltweit werden die Hampden Abfüllungen ab sofort von La Maison & Velier vertrieben, einer Partnerschaft der renommierten Experten Luca Gargano von Velier und Thierry Benitah von „La Maison du Whisky“. Den Deutschland-Import übernimmt der familiengeführte Großhändler Kirsch Whisky.

Verantwortung: kein Hampden Rum ohne intakte Umwelt

Das Wirken der Everglades Farms Ltd. beschränkt sich nicht auf ihre Hampden Brennerei. Insgesamt übernimmt das Unternehmen der jamaikanischen Familie Hussey Verantwortung in der Region – und treibt die Unabhängigkeit jamaikanischer Bauern voran. Neben finanzieller Unterstützung für lokale Farmer haben sie ein Programm ins Leben gerufen, mit dem sie Bauern im Zuckerrohranbau weiterbilden. Darüber hinaus unterstützen sie ehemalige Mitarbeiter auf dem Weg in die berufliche Unabhängigkeit. Ein weiteres Herzensprojekt der Familie: der Umweltschutz. Mit eigenen Programmen beispielsweise bringen die Husseys Kindern an lokalen Schulen einen respektvollen Umgang mit der Natur bei.

Natürlich gilt das auch für die Hampden Distillery: Ein verantwortungsvoller Umgang mit der Umwelt hat für die Distillers höchste Priorität. Sie wissen: Ohne eine intakte Natur gibt es keinen Hampden Rum. Die natürliche Hefe beispielsweise stellt sehr hohe Ansprüche an ihre Umgebung. Auch das Wasser für die Produktion stammt direkt aus einem eigenen Sammelsystem aus den Bergen. Nach der Nutzung wird es gereinigt und zurück in die Natur geleitet.

Um so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen, verwendet die Brennerei überwiegend natürliches Licht. Auch Recycling wird bei Hampden großgeschrieben: Bei aktuellen Renovierungsarbeiten verbauen die Distillers ausschließlich recycelte Stahlkomponenten. Bereits 81 Prozent der Gefäße, in die Rum gefüllt wird, wurden ebenfalls aus recyceltem Stahl hergestellt. Alle Bemühungen verfolgen ein höheres Ziel: Hampden möchte die erste Destillerie in Jamaika werden, die ihren Kohlenstoff-Fußabdruck auf null reduziert. Es wäre nicht der erste Bereich, in dem sie eine Vorreiterrolle einnimmt.

Falk Redlich - Geschmacksexperte bei Rum & Co:

Die Hampden Estate Jamaican Rums sind für mich persönlich zwei der weltweit besten Rums, die ich je getrunken habe.

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