Von einem, der auszog, Amerika mit dem Rad zu erkunden

In meiner Heimatstadt Gnoien gestartet, erreiche ich nach fünf Tagen den Hamburger Hafen. Von dort will ich mit einem Containerschiff den Atlantischen Ozean überqueren, um den Startpunkt meines großen Abenteuers zu erreichen – New York. Von dort aus möchte ich mit dem Fahrrad den amerikanischen Kontinent erfahren.

Doch bevor ich in der „Neuen Welt“ ankomme, muss ich mich mit dem heimischen Regen herumärgern. Dieser peitscht mir um die Ohren, während ich versuche, mit meinem Rad vorwärts zu kommen. In der letzten Frittenbude, kurz vor dem O`Swaldkai, stärke ich mich mit dem wohl vorerst letzten Bauernfrühstück für längere Zeit und komme mit interessierten Gästen des Imbisses ins Gespräch. Ich erzähle von meinem letzten sowie dem kommenden Abenteuer, was mit Staunen erwidert wird. Dort treffe ich auch Harry, der mit seinem Motorrad auf einem Containerschiff nach Südamerika möchte. Sollten wir uns dort treffen, verspricht der Karlsruher mir eine große Party.

Der Check-in läuft reibungslos und ich bin ziemlich beeindruckt, sowohl von der Größe des Schiffes, als auch von meiner Kabine.

Thomas

Von Übelkeit und Gleichgewichtsstörungen befallen, verbringe ich den ersten Vormittag im Bett und begnüge mich zum Frühstück mit einem Kinderriegel. Gegen Mittag werde ich mutiger und verlasse schwankend meine Kabine in Richtung Kombüse. Dort treffe ich die weiteren sechs Passagiere, die mit mir den Atlantik überqueren.

Wir schippern von Hamburg nach Antwerpen und weiter nach Liverpool. Bei der Durchquerung des Ärmelkanals ist es Morgen und die aufgehende Sonne küsst mit ihrem Rot die spiegelglatte See, ein eindrucksvoller friedlicher Moment, von denen noch einige auf hoher See folgen sollen.

Nicht ganz so friedlich verläuft der Nachmittag. Ein lautes Signal durchschneidet die Ruhe und zwingt mich dazu, meine Schwimmweste aus dem Schrank zu holen. Ich laufe in Richtung Brücke, wo bereits Kapitän und Steward warten. Wir ziehen uns die Kälteschutzanzüge an und sind bereit, das Schiff zu verlassen. Glücklicherweise ist dies nur eine Übung, so dass wir auf dem Schiff verbleiben können.

In Liverpool angekommen, haben wir etwas Zeit, uns diese typische englische Arbeiterstadt anzusehen. Wir lassen Liverpool hinter uns und durchqueren den Atlantik. Ich habe des Öfteren mit Übelkeit zu tun und bin beeindruckt von der Kraft der Natur. Die Wellen spielen mit diesem riesigen Schiff, als wäre es aus Papier. Mein Atem gefriert und ein salziger Geschmack legt sich auf meine Zunge. Ein schaurig schöner Anblick.

Nach sechs langen Tagen auf dem einsamen Ozean erreichen wir die kanadische Hafenstadt Halifax. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wieder in der Zivilisation angekommen zu sein. Wir besichtigen diese schöne Stadt und laufen über den Ehrenfriedhof für die Titanic-Opfer. Zurück an Bord erfahren wir, dass unser Aufenthalt in Halifax länger dauern wird als geplant. Die Heckklappe des Schiffes lässt sich nicht mehr schließen und die Beschaffung eines Ersatzteiles wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Und obwohl Halifax sehenswert ist, hätte ich mir gerne diesen längeren Aufenthalt erspart.

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