Wissenswert:

Wie bekommen Spirituosen ihre Farbe?

Spirituosen gibt es in allen nur erdenklichen Farben. Du könntest dich theoretisch durch den ganzen Regenbogen durchtesten – wobei natürlich die Braun- und Goldtöne überwiegen. Woher aber erhalten Spirituosen ihre Farbe?

Antwort 1: Farbe auf edle Art (über das Holz)

Wie kommt die Farbe in den Whisky oder andere Spirituosen? Nach der Destillation sind Spirituosen in der Regel weiß bzw. farblos. Das ist unabhängig vom Rohstoff der Fall und wird manchmal sogar noch durch eine Filtration unterstützt, damit ein klarer, transparenter Effekt entsteht. Beispiele hierfür sind Gin, weißer Rum und Vodka. Sobald eine Spirituose aber in ein Holzfass gefüllt wird, um darin einige Monate bis mehrere Jahre oder Jahrzehnte lang zu reifen, erhält sie zwangsläufig einen Farbton. Das beginnt bei einem blassen Strohgelb bis Hellgold und zieht sich über Gold und Bernstein bis hin zu Kupfer, Mahagoni, Dunkelrot, Dunkelbraun oder beinahe Schwarz hin. Schon eine kurze Reifezeit wirkt sich auf die Spirituosenfarbe aus. Beobachtbar ist das allen voran beim Rum, beim Whisky und beim Cognac.

Eine einfache Faustregel:

Je länger eine Spirituose im Eichenfass (oder in einem anderen Holzfass) lagert, desto dunkler wird sie von Natur aus. Aber gilt umgekehrt auch die Regel "je dunkler eine Spirituose ist, desto länger durfte sie reifen"? Nur bedingt! Es ist nämlich möglich, Spirituosen zu färben. Manch ein Hersteller hilft ein wenig nach und gaukelt mit Farbstoffen ein höheres Alter vor. Andere verdunkeln den vorhandenen Farbton nur dezent.

Hier noch ein paar interessante Beobachtungen:

  • Es gibt leichte Unterschiede darin, wie sich das Fass genau auf den Farbton der Spirituose auswirkt. Whisky aus dem Bourbonfass ist z. B. goldener und gelblicher als ein Whisky, der im Portweinfass oder Sherryfass ruhte und eine rötliche Nuance zur Schau stellt.

  • Darüber hinaus wirkt es sich auf die Farbe von Rum oder Whisky aus, wie stark das Holzfass vor der Verwendung oder Wiederverwendung ausgebrannt bzw. getoastet wurde. Das erklärt, warum manche Spirituosen mit der Bezeichnung Black – wie der Plantation Rum Black Cask Green Label oder der Johnnie Walker Double Black Blended Scotch Whisky – in einem stark ausgekohlten Fass lagerten.

 

  • Außerdem spielt das Fassungsvermögen der Fässer eine Rolle: Je kleiner das Fass, desto intensiver ist der Holzkontakt und desto dunkler wird die Spirituose theoretisch.
  • Damit nicht genug, ist es erkennbar, dass ein Bourbon Whiskey aus Amerika bei gleichem Reifegrad etwas dunkler aussieht als ein Scotch Whisky aus Schottland. Das liegt daran, dass Bourbonfässer nur einmal verwendet werden dürfen, während schottischer Whisky in mehrfach befüllten und ausgebrannten Fässern lagert (die bereits einen Teil ihrer Farbstoffe und Aromastoffe abgegeben haben).

  • Unser Tipp: Achte immer auf das angegebene Alter und die Produktinformationen, statt nur der Farbe nach zu kaufen!

 

Antwort 2: Farbe auf natürliche Art

Vor allem, wenn Du einen Streifzug durch unser Sortiment an Likören unternimmst, wirst Du feststellen, dass alle Farben denkbar und möglich sind. Ob Rosa oder Rot, ob Blau oder Grün, ob sonniges Gelb, feuriges Orange, kühles Türkis oder mysteriöses Schwarz – der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Im besten Fall liegt das daran, dass eine bestimmte Zutat aus der Natur als natürlicher Farbstoff agiert. Bei Fruchtlikören und Kräuterlikören ist das durchaus der Fall. So können Beeren beispielsweise einen rötlichen bis rosafarbenen Ton erzeugen, während Safran für einen Gelbstich sorgt und gewisse Blumen und Kräuter zu einem schönen Blaustich oder Grünstich führen. In diesem Fall wird der pflanzliche Farbstoff oft durch Mazeration (das lange Einlegen der Zutat im Alkohol) erzeugt, in selteneren Fällen durch eine Destillation. Nicht nur beim Likör, sondern auch beim modernen Gin stützt sich der Hersteller gern auf einen natürlichen Farbstoff.

Unser Tipp: Lust darauf, Farbe ins Geschehen zu bringen? Für kunterbunten Genuss der natürlich farbenfrohen Art empfehlen wir u. a. Saffron Gin, Duncan Taylor Indian Summer Saffron Gin, Sharish Blue Magic Gin, The London Gin Nr. 1 Original Blue Gin, Pink 47 Gin, Dryberg Red Berry Gin und Chartreuse Verte Likör (grün).

Antwort 3: die künstliche Art

Farbstoffe dienen ebenfalls dazu, einer Spirituose die gewünschte Optik zu verleihen. Manchmal sind sie willkommen, um z. B. einen Fruchtlikör nach seiner Obstsorte aussehen zu lassen oder für einen Drink eine auffällige Farbe zu erhalten. In anderen Fällen sind Farbstoffe zwar üblich, aber im Grunde nicht erwünscht. Beim Rum und beim Whisky wird auf sie zurückgegriffen, wenngleich nur in Maßen und nicht bei jedem Hersteller und jeder Abfüllung. Eingebürgert hat sich das Nachfärben mit Karamell oder mit Zuckerkulör. Unter Zuckerkulör bzw. Zuckercouleur versteht man eine schwarze Lebensmittelfarbe, die beim Karamellisieren entsteht.

Achtung: Zuckerkulör verleiht eine Farbe, dient aber nicht dem Nachsüßen! Sie kommt z. B. bei Scotch und Rum, aber auch bei Cola und Limonaden wie Ginger Ale zum Einsatz. Zwar ist die Lebensmittelfarbe gesundheitlich unbedenklich, doch sie muss deklariert werden. Bei Kennern ist ihre Nutzung etwas verpönt, da sie den Charakter der Spirituose quasi verfälscht.

Unser Tipp: In Deutschland ist es Pflicht, dass ein Produzent es angibt, wenn ein Whisky gefärbt wurde. Falls Du stattdessen bei einem Whisky oder Rum "natural colour" oder etwas Ähnliches liest, kannst Du dir sicher sein, dass auf die Zugabe von Farbstoffen verzichtet wurde. Diverse Premium-Spirituosen werden ohne Nachfärbung (und ohne Kühlfiltration) zugänglich gemacht.

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