Rum blickt auf eine jahrhundertelange Geschichte zurück und gehört zu den Spirituosen, an denen weltweit kein Weg vorbeiführt. Ein Grund für die Faszination mit dem alkoholischen Getränk auf der Basis von Zuckerrohr ist, dass es innerhalb der Oberkategorie so viele verschiedene Unterkategorien gibt. Der Original Rum steht sozusagen an der Spitze der Pyramide, denn von ihm gehen die zahlreichen Abwandlungen aus und er ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Original.
 

Begriffserklärung


Myers Rum Original Dark

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Der Original Rum wird aus dem Ausland nach Deutschland – oder eben in ein anderes Land in Europa oder auch in anderen Regionen der Welt wie in den USA – eingeführt. Es handelt sich um ein Importprodukt, dessen Herstellung im Herkunftsland komplett fertiggestellt wurde. Das umfasst die Gärung und die danach folgende Destillation. Nach dem Import darf der Original Rum nicht mehr verändert werden. Das bedeutet, dass er im Originalzustand abgefüllt und vermarktet wird. Weder darf man die Trinkstärke durch die Zugabe von Wasser beeinflussen, noch ist es erlaubt, auf die Farbe oder jegliche andere Komponenten der Spirituose Einfluss zu nehmen. Im Englischen wird das unveränderte Original als Pure Rum bezeichnet, was ebenfalls ein treffender Name ist. Der Alkoholgehalt des konzentrierten Rums beträgt bis zu 74 % vol. bzw. in Ausnahmefällen bis zu 80 %. vol.

Original Rum vs. Echter Rum – die Unterschiede


Der aus dem Ausland eingeführte, im Inland keinerlei Veränderungen unterzogene Original-Rum sollte nicht mit dem Echten Rum verwechselt werden. Was ist der Unterschied zwischen einem Original Rum und einem Echten Rum bzw. einem Übersee-Rum? Letzterer stellt die (simple) Weiterentwicklung von Ersterem dar. Er entsteht, indem man den Original Rum auf eine herkömmliche Trinkstärke – meist von 40 % vol. oder mehr, mindestens 37,5 % vol. – herabsetzt, indem man ihn mit destilliertem Wasser verdünnt und / oder lagert. Das Nachfärben mit dem Farbstoff Zuckercouleur ist ebenfalls denkbar, wenn auch nicht unbedingt erwünscht. Die nachfolgende Stufe von "echtem" Rum wäre der Rum-Verschnitt, wie er in Deutschland populär ist und ebenfalls eine lange Geschichte besitzt. Bei diesem kleinen Bruder von Original Rum, der in der Stadt Flensburg perfektioniert wurde, trifft ein Mindestanteil an 5 % Original Rum auf Wasser und Neutralalkohol. Es ist beim Rum Verschnitt üblich, das Herkunftsland zu nennen und z. B. von einem Jamaika Rum Verschnitt zu sprechen. Bei einem Echten Rum wird ebenfalls gern damit geworben, woher er kommt, denn schließlich besitzt jedes Rumland seinen ganz eigenen Stil, der sich auf die Aromatik auswirkt.

Wissenswertes zu Original-Rum


Warum wird der hochprozentige Rum überhaupt importiert, wenn doch die weniger alkoholhaltigen Spirituosen viel gängiger sind? Es ist manchmal von Vorteil, wenn ein Rum eine erhöhte Trinkstärke besitzt. So benötigt man einen solchen Rum beim Mixen von bestimmten Cocktails und Longdrinks. Hierfür kommt jedoch nicht Original Rum zum Einsatz, sondern Overproof Rum. Dessen Trinkstärke ist leicht bis deutlich erhöht und bietet viel Spielraum für das Mixen und nachträgliche Verdünnen je nach Bedarf. Der Original-Rum hingegen hat in Mixgetränken oder gar beim puren Genuss nichts verloren. Er ist so konzentriert und hochprozentig, dass man ihn kaum trinken kann. In dieser Hinsicht erinnert der Original Rum ein wenig an die Vorläufer von Rum, wie man ihn heute kennt. Damals brannten die Arbeiter auf den Zuckerrohrplantagen nämlich aus den Produktionsresten den "rumbullion", der ungelagert und ungeschliffen getrunken wurde und zu stark war, um überhaupt wirklich zu schmecken.

Der Original Rum aus der Vergangenheit und Gegenwart ist ein hocharomatisches Konzentrat, von dem beim Flensburger Verschnitt der kleine Anteil eines Zwanzigstels vollkommen ausreicht. Er wird speziell für das Kreieren von Echtem Rum und Rum Verschnitt eingeführt und hat im Handel bzw. im Online-Shop für Privatkunden nichts verloren. Die Begrifflichkeit Original Rum ist dabei nicht nur aussagekräftig und für die Werbung von Vorteil, und auch nicht nur die genaue Einstufung der Spirituosenart gedacht, sondern gilt gleichzeitig als Qualitätsmerkmal. Da er ohne jegliche Zusätze von der ausländischen Destillerie kommt, ist er unverfälscht und vorbildlich und hilft nicht zuletzt einem deutschen Hersteller oder Abfüller aus dem europäischen Raum dabei, den echten Rumstil eines Landes zu studieren – um ihn nachzuahmen oder nach dem Blending und der Reifeprozedur nicht komplett aus den Augen zu verlieren. Original Rum ist die ideale Grundlage für Experimente, und der Charakter des Konzentrats geht selbst nach diversen Veränderungen eigentlich nicht verloren.

Die Herstellung


Original Rum mag aus vielen Ländern stammen. Denkbar sind u. a. Jamaika, Kuba, Barbados, Trinidad, Dominikanische Republik, Guyana, Guatemala, Venezuela, Martinique, Guadeloupe und Nicaragua. Soll der Original-Rum die Basis für Echten Rum darstellen, sind auch weitere Länder denkbar. Beim Rum-Verschnitt aus Flensburg wird Jamaika bevorzugt. Gemeinsam ist den Spirituosen, dass sie im Herkunftsland aus Zuckerrohr destilliert werden. Melasse-Rum basiert auf Melasse, die bei der Zuckergewinnung übrigbleibt, wohingegen Rhum Agricole aus Zuckerrohrsaft gebrannt wird und ausschließlich von den französischen Antillen stammt. Der Original Rum wird davon beeinflusst, welche Art von Zuckerrohr zum Einsatz kommt und wie dieses geerntet wird (von Hand oder maschinell). Das Zuckerrohr wiederum wird beim Wachsen von der Bodenbeschaffenheit und vom Klima geprägt. Darüber hinaus ist es von Bedeutung, wie nach der Gärung die Destillation erfolgt. Sie findet entweder auf diskontinuierliche Weise im pot still oder auf kontinuierliche Weise im column still statt. Das Resultat der ersten Herstellungsmethode ist schwerer, charaktervoller Rum, der oft als traditioneller und hochwertiger eingeschätzt wird und dessen Produktion sich komplizierter gestaltet. Letztere Methode ergibt leichten Rum und bietet sich für die industrielle Fertigung in großen Mengen an. Der Original Rum kommt ohne Lagerung im Eichenfass ins Inland, denn jene würde den Alkoholgehalt senken. Will man gelagerten Rum, dann ist Echter Rum die richtige Wahl.

Original Rum führt eindrucksvoll vor Augen, wie viel sich im Laufe der Jahrhunderte verändert hat. Während die ursprünglichen Destillate bitter, ölig und quasi ungenießbar waren, änderte sich dies ab Mitte des 18. Jahrhunderts. Mit der Einführung des pot stills und später des column still sowie mit der Veredlung durch die Fasslagerung gewann der Rum an Geschmack, Aroma und Vielfalt. Das wiederum weckte das Interesse der spanischen, französischen, britischen und niederländischen Kolonialherren, Seefahrer und Händler. Sie begannen mit dem Rumhandel und brachten den Stein ins Rollen. Seither wird Original Rum importiert und verkauft sowie weiterentwickelt.