Gin Botanicals Kreuzkuemmel

Theoretisch gibt es keine Pflanze und pflanzliche Komponente, die für die Aromatisierung von Gin nicht infrage kommt. Das beweisen vor allem die Abfüllungen aus Deutschland und den Nachbarländern, die als New Western Dry Gin eine Alternative zum klassischen, von Wacholder geprägten London Dry Gin darstellen. Obwohl immer mehr Hersteller ihren Horizont erweitern und zum Teil exotische Experimente wagen, lässt es sich beobachten, dass einige Botanicals klassischer sind und häufiger zum Einsatz kommen oder eine wichtigere Rolle spielen. Dazu gehören der Kümmel und der Kreuzkümmel.
 

Allgemeine Informationen zum Kreuzkümmel


Kreuzkümmel

Kreuzkümmel

Wie bei so vielen Botanicals für den Wacholderschnaps – u. a. Koriander, Anis und Fenchel – handelt es sich auch bei der Kreuzkümmelpflanze um einen Doldenblütler. Genau genommen ist der deutsche Name ein wenig irreführend, denn der Kümmel und der Kreuzkümmel sind nicht miteinander verwandt. Sie weisen jedoch optisch Ähnlichkeiten auf. Der englische Begriff für das Gewürz ist Cumin, und auch im deutschen Sprachgebrauch hat sich diese Bezeichnung eingebürgert, manchmal Kumin buchstabiert.

Der Kreuzkümmel hat seinen Ursprung in Asien, höchstwahrscheinlich im Iran. Er wird schon seit vielen Jahrhunderten genutzt und hat auch vergleichsweise frühzeitig im europäischen Raum Einzug gehalten. Schätzungen gehen davon aus, dass der Cumin in Syrien und Ägypten schon vor 3.000 bis 4.000 Jahren in der Küche zum Einsatz kam, womöglich als Heilpflanze statt nur als Gewürzpflanze. Schon im zweiten Jahrtausend vor Christi Geburt nutzten die Alten Ägypter die getrockneten Früchte der Kreuzkümmelpflanze. Die Sumerer und die Griechen kannten die Pflanze und waren diejenigen, die den Wortstamm für das heutige Cumin lieferten. Im antiken Griechenland servierte man Cumin in einem eigenen Schälchen auf dem Esstisch, ähnlich wie Pfeffer zum Nachwürzen auf Wunsch. Dies lässt sich noch heute in Marokko beobachten. Später wusste man das Gewürz im Römischen Reich zu schätzen. Kreuzkümmel wurde sowohl im Alten Testament als auch im Neuen Testament der Bibel schriftlich erwähnt. Im Rest von Europa kannte man bis ins Mittelalter hinein den Kumin als Heilpflanze statt als Würzmittel, und im asiatischen Raum erfüllte die Pflanze beide Zwecke. Die Spanier und Portugiesen führten Kreuzkümmel in der Neuen Welt (Süd- und Mittelamerika) ein.

Heutzutage kennt man den Cumin in allen Ecken der Welt, wobei er nach wie vor in Vorder- und Hinterasien beliebter ist. Die Hauptanbaugebiete von Kreuzkümmel sind neben dem Iran, Syrien und der Türkei noch Indien, China und Indonesien. Im Süden des Mittelmeerraumes kultiviert man die Kraut-artige Pflanze mit dem doldenförmigen Blütenstand ebenfalls. Indien ist mit einem Anteil von 70 % der größte Lieferant von Kreuzkümmel und mit einem Anteil von 63 % auch mit Abstand der größte Konsument der Pflanze. Mehr als 400.000 Hektar Land sind auf dem indischen Subkontinent mit Kreuzkümmelpflanzen bestückt, bei etwa 0,4 Tonnen Ernte pro Hektar. Damit schafft man es jährlich auf bis zu 175.000 Tonnen Cumin. Am besten gedeiht die Kreuzkümmelpflanze bei subtropischem oder tropischem, relativ trockenem Klima. Ihr Wachstumszyklus beträgt 100 bis 120 Tage. Das Mittelmeerklima mit rund drei heißen Sommermonaten bei Temperaturen von 25 bis 30 Grad ist ideal. Ist es zu heiß, reifen die Früchte verfrüht heran.

Kreuzkümmel gehört streng genommen zu den Petersilienpflanzen und wächst an einem Kraut. Die Pflanze weist eine kreuzförmige Blattstellung auf, was zum Namen Kreuzkümmel geführt hat. Die getrockneten Früchte mit den Samen lassen an Kümmel denken. Die Kreuzkümmelpflanzen werden rund 30 bis 50 cm hoch und besitzen einen einjährigen Lebenszyklus. Jeder Stängel bildet zwei bis drei kleinere Stängel aus. Die Blätter sind 5 bis 10 cm lang und wachsen alle auf gleicher Höhe. Die Blumen mit ihren kleinen Döldchen sind klein und weiß bis hellrosa. Die 4 bis 5 mm langen Früchtchen mit einem Samen weisen acht Furchen auf, in denen die kostbaren ätherischen Öle in Kanälen gespeichert sind. Ihre Farbe reicht von blassem Gelb über helles Braun bis hin zu Grau.

Die Verwendung von Cumin


Kreuzkümmel ist wie Kümmel in der östlichen, orientalischen und zum Teil mediterranen und westlichen Küche gern gesehen. Die länglichen Gewürzkörner kommen sowohl ganz als auch in Pulverform und sowohl allein als auch als Bestandteil von Gewürzmischungen zum Einsatz. Gut passt Kreuzkümmel zu Fleischgerichten und kulinarischen Köstlichkeiten aus Asien, speziell aus Indien. In Masalas, Cormas und Suppen kommt Cumin sehr gern zum Tragen. In der nordafrikanischen und lateinamerikanischen Küche begegnet man dem Kreuzkümmel mit seinem unverwechselbaren Geschmack ebenso oft. Mexican-Style Chilipulver oder Würzmischungen aus der Tex-Mex-Küche kombinieren oft Cumin mit Chili. Asiatisches Currypulver und mexikanische Adobos machen sich Kreuzkümmel zunutze. Er eignet sich für Saucen und Marinaden und für das Abschmecken und Würzen von heißen Gerichten wie sogar von Eingemachtem. Manche wissen den Kreuzkümmel noch heute in der alternativen Medizin und Naturheilkunde zu schätzen und sagen ihm eine verdauungsfördernde Wirkung nach. Er gehört zudem zu den Antioxidantien und soll angeblich eine antibakterielle und antifungielle Wirkung entfalten. Die Samen sind vergleichsweise eisenhaltig.

Kreuzkümmel im Gin


Cumin ist dafür bekannt, einen erdigen und wärmenden Beiklang und eine feinherbe Würze zu Speisen beizutragen. Genau aus diesem Grund wird gern Kreuzkümmel zur Aromatisierung von Gin genutzt. Die Aromen von Kumin werden per Mazeration des getrockneten Gewürzes in Alkohol freigesetzt und an den Gin weitergegeben. Sie werden von den ätherischen Ölen getragen, wobei das Cuminaldehyd eine wichtige Rolle spielt. Da neben Cumin im Gin noch zahlreiche weitere und teilweise damit vergleichbare Botanicals zum Einsatz kommen, ist es schwer, einen deutlichen Kreuzkümmelgeschmack bei einem Wacholderschnaps festzustellen. Manche Hersteller informieren jedoch darüber, dass sie Kreuzkümmel – und nicht Kümmel – verwenden. Hierzu gehören die Produkte Citadelle Gin und Citadelle Reserve Gin, Ego Dry Gin, Opihr Oriental Gin, M5 Gin und Darnley's View Spiced London Dry Gin sowie der eine oder andere Genever aus Belgien oder den Niederlanden. Kreuzkümmel ist zwar eigentlich für seinen intensiven Geschmack und seinen unnachahmlichen Duft bekannt, aber beim Gin übernimmt er eher eine unterstützende bis untergeordnete Rolle. Dennoch sollte man die Bedeutung, die Cumin spielt, nicht unterschätzen.