Gin Botanicals Kuemmel

Kräuter und Gewürze spielen bei der Aromatisierung von Gin eine ausgesprochen wichtige Rolle. Manche Hersteller beschränken sich auf ein notwendiges Minimum und legen den Fokus auf Klassiker, andere integrieren so viele Zutaten wie möglich oder mögen es exotischer. Zu den pflanzlichen Komponenten, denen man recht häufig begegnet, gehört der Kümmel, nicht zu verwechseln mit dem Kreuzkümmel, der ebenfalls von Bedeutung für Wacholderschnaps ist.
 

Allgemeine Informationen zum Kümmel


Kümmel

Kümmel

Der Kümmel wird im Deutschen noch als Wiesen-Kümmel oder Echter Kümmel bezeichnet und gehört zu den Kräutern, die auch hierzulande heimisch sind. Die Pflanze wird zu den Doldenblütlern gezählt, was an ihrem Blütenstand mit Dolden liegt. Sie ist zweijährig und sommergrün und wächst normalerweise zwischen 20 bis 80 cm hoch. Die Kümmelpflanze weist sparrig verzweigte Stängel und eine rübenartige Wurzel auf und besitzt längliche, gefiederte Blätter. Kennzeichnend für den Wiesen-Kümmel ist, dass er einen Blütenstand mit Doppeldolden mit acht bis 16 Strahlen zur Schau stellt. Die Blütezeit der teilweise bis zu einen Meter hohen Pflanze dauert von Mai bis Juli (Frühling bis Sommer). Aus den kleinen, weißen Blüten entwickeln sich von Juni bis August die Früchte, den eigentlichen, uns bekannten Kümmel liefern. Die Kümmelsamen sind von dunkelbrauner Farbe, klein und länglich sowie dünn. Charakteristisch ist der typische Kümmelduft, der entsteht, wenn man die Samen zerreibt bzw. zu Pulver verarbeitet.

Die Kümmelpflanze (Carvum carvi) gehört zu den sehr alten Nutzpflanzen und genau genommen sogar zu den ältesten Gewürzen überhaupt. Ihren Ursprung hat sie vermutlich in Vorderasien und im Nahen Osten sowie im Mittelmeerraum. Schon rund 3.000 Jahre vor Christi Geburt kannte man die Kümmelsamen im europäischen Raum, was u. a. Funde bei Ausgrabungen von ehemaligen Pfahlbauten beweisen. In ägyptischen Grabbauten finden sich ebenfalls Hinweise. Auch später in der römischen Antike wurde Kümmel schriftlich erwähnt (beispielsweise in einem Kochbuch aus dem 3. Jahrhundert nach Christi Geburt) und zum Würzen genutzt. Heute wird die Kümmelpflanze in vielen Regionen der Welt gezielt angebaut und zu Gewürz und Gewürzmischungen verarbeitet. In Deutschland lag die bebaute Fläche in den letzten Jahren bei rund 450 Hektar. In der Niederlande sind es weitaus mehr, und vor allem im Osten von Europa und in Ägypten wird Kümmel als Gewürzpflanze im sehr großen Stile kultiviert. An der Weltspitze steht Finnland als größter Produzent von Kümmel. Zum einwandfreien Gedeihen braucht die Pflanze lehmige Böden. Lange Sommer mit viel Sonnenlicht (aber nicht viel Hitze) und hohe Lagen treiben das Wachstum voran. Das Klima in Finnland sorgt allgemein dafür, dass der Gehalt an ätherischen Ölen höher ist. Ausgesät wird für gewöhnlich im März, und das alle zwei Jahre. 5 bis 8 kg Saatgut reichen aus, um bis zu einen Hektar zu bepflanzen. Die Kümmelpflanze ist übrigens als Nachbarpflanze beim Kultivieren von anderen Nutzpflanzen beliebt. Ihr Duft überdeckt den der anderen Pflanzen und agiert quasi als natürliches Pestizid. Ihre Blumen locken Wespen und Fliegen an, die wiederum die anderen Schädlinge bekämpfen.

Die Verwendung von Kümmel


In der Küche kommt den Kümmelsamen eine große Bedeutung zu. Sie werden im europäischen und asiatischen Raum zum Würzen von gebratenen und gekochten Speisen verwendet, und das fast immer in der ganzen Samenform statt als Pulver. Speziell schwer verdauliche Produkte profitieren davon, wenn Kümmel beigegeben wird, u. a. Kohl und Fleischgerichte wie Gulasch. Viele lieben es, Bratkartoffeln mit Kümmel zu würzen. Auch zum Würzen von Käse sowie zum Verfeinern von Gebackenem wie Brot und Kuchen kommt Kümmel in Europa zum Tragen. Die Blätter der Kümmelpflanze sind weniger intensiv und würzig und werden nur selten verwendet. Sie erinnern an Dill oder Petersilie und eignen sich durchaus zum Würzen und Garnieren, eher von kalten als von warmen Gerichten. Die wirkliche Würze steckt in den aromatischen Samen, in welchen die wertvollen ätherischen Öle wie Limonen und Carvon vorkommen. Das ist bei vielen vergleichbaren Botanicals für Gin wie Anis, Koriander oder Fenchel ebenso der Fall.

Kümmel ist übrigens nicht nur eine Gewürzpflanze, sondern auch eine offiziell anerkannte Heilpflanze. Das Kümmelöl und die reifen, getrockneten Früchte finden Verwendung, um z. B. die Verdauung anzuregen oder bei Krämpfen im Magen-Darm-Bereich etwas Linderung zu verschaffen. Hierfür gibt es Kümmeltee und ätherische Öle. Letztere werden aufgrund ihrer vermutlich antimikrobiellen Wirkung gern auch in Zahncreme und Mundwasser integriert.

Kreuzkümmel ist übrigens eine Klasse für sich. Auch diese Gewürzpflanze kommt bei der Aromatisierung von Gin zum Einsatz, und das sogar immer häufiger – wie beispielsweise auch der Sternanis den Anis abzulösen scheint. Kreuzkümmel (Cumin) ist asiatischen Ursprungs und ebenfalls ein Doldenblütler. Beide Pflanzen sind jedoch Teil unterschiedlicher Gattungen und werden eher aufgrund der optischen Ähnlichkeit denn einer wirklichen Verwandtschaft mit ähnlichen Namen bezeichnet.

Kümmel und Gin


Die Kümmelsamen bieten sich für die Verwendung bei mehreren Spirituosen an. Man denke nur einmal an den treffend benannten Köm aus Norddeutschland oder an den Aquavit aus Skandinavien. Auch so manch ein Kräuterlikör und Gewürzlikör setzt auf die Samen der Kümmelpflanze, wohingegen beim Aromatisieren von Rum für Spiced Rum eher andere Gewürze verwendet werden. Kümmel-Spirituosen werden bevorzugt als Digestif getrunken, was an der potenziell verdauungsfördernden Wirkung des Gewürzes liegt.

Gin und Kümmel treffen relativ häufig aufeinander. Das hat mit dem einerseits dezenten, andererseits deutlich vernehmbaren, ureigenen Aroma der Samen zu tun. Der herbe, aber nicht zu bittere oder scharfe Geschmack der Kümmelsamen passt hervorragend zu den übrigen Botanicals von Gin, allen voran zu Wacholderbeeren. Das zurückhaltend bittere Aroma des Kümmels ist größtenteils auf das ätherische Öl Carvon zurückzuführen. Kaffeesäure, Kohlenhydrate und Fette sind ebenfalls in den Samen enthalten und tragen ein wenig zum Kümmelgeschmack bei. Experten vertreten die Meinung, ein Gin mit Kümmel sei etwas süßer und wärmer im Genuss und erst im Finish trockener. Wer Lust auf Wacholderschnaps hat, bei dem man mit ein wenig Übung die Kümmelnoten herausschmecken kann und bei denen der Hersteller die Verwendung von Kümmelsamen zugegeben hat, der wird u. a. bei Boodles Gin und Hendricks Gin fündig. Goa Gin soll ebenfalls Kümmel beinhalten, und daneben steht zu vermuten, dass viele der über 65 in Deutschland hergestellten Gins sich auf das Gewürz verlassen. Wer kein Fan von Kümmel ist, braucht sich übrigens keine Sorgen zu machen, denn kaum ein Gin bringt ihn so deutlich zum Vorschein wie ein Aquavit.