Gin-Botanicals-Lavendel

Es gibt Klassiker unter den Botanicals für die Aromatisierung von Gin, die bei fast jedem Produkt mit von der Partie sind. Man nehme – abgesehen von den obligatorischen Wacholderbeeren – beispielsweise Koriander, Anis, Zitrusfruchtschalen, Engelswurz, Zimt und Kümmel. Und dann findet man auf der anderen Seite Raritäten, die nur selten zum Einsatz kommen, bei denen sich aufgrund des speziellen Charakters aber ebenfalls ein Blick auf die Eigenschaften und Nutzung lohnt. Ein Paradebeispiel hierfür ist der Lavendel, der im Gin eher ein Außenseiter als eine Standardlösung ist und gerade deshalb einen besonderen Reiz auslöst.

Allgemeines zu Lavendel

Lavendel

Die Pflanzengattung Lavandula umfasst auch die Pflanzenart Lavandula angustifolia, die wir im Deutschen als Echter Lavendel bezeichnen. Eben jene Pflanze ist fast immer gemeint, wenn es um Lavendel geht. Sie wird im Englischen als "lavender" bezeichnet und hat von ihrem Farbton ausgehend die gleichnamige Bezeichnung für eine Farbnuance von Violett inspiriert. Was wir alle an der Pflanze kennen, das ist neben der Farbe – und neben idyllischen Postkartenmotiven von lilafarbenen, wellenförmigen Lavendelfeldern in der Provence in Frankreich – der unverwechselbare Lavendelduft. Doch was hat es mit der Pflanze auf sich?

Der Echte Lavendel wird u. a. noch als Schmalblättiger Lavendel bezeichnet, da die schmalen Blätter als Unterscheidungsmerkmal zu anderen Arten derselben Gattung dienen. Es handelt sich um einen Lippenblütler, der vorwiegend als Zierpflanze angebaut und genutzt wird. Man gewinnt zudem Duftstoffe von der Pflanze und kann damit Gin aromatisieren. Echter Lavendel spielt des Weiteren in der Naturheilkunde eine bedeutende Rolle und wurde in diesem Zuge 2008 zur Heilpflanze des Jahres gekürt. Die Lavendelpflanze wächst als Strauch, der eine Wuchshöhe von 1 bis seltener 2 m erreichen kann und der graufilzig behaart ist. Aufrechte, stark verästelte Zweige und längliche, schmale, beinahe an Nadelbäume denken lassende Laubblätter sind charakteristisch für den Lavendelstrauch. Sie vergrünen erst im fortgeschrittenen Wuchsstadium.

Der Blütenstand ist weitaus bekannter und interessanter als die Blätter. Er bildet sich ährenartig aus und lässt ein wenig an Getreide denken. Die Blütenstände werden bis zu 8 cm lang und ziehen mit ihren bräunlichen, bläulichen bis violett gefärbten Blütenblättern alle Blicke auf sich. Lavendelsträucher blühen in unseren Breitengraden von Juni bis August und stellen in jener Zeit eine Augenweide dar. Sie stammen aus dem Mittelmeerraum und finden sich nach wie vor recht häufig in Ländern wie Frankreich vor. Die Toskana in Italien sowie Regionen in Griechenland sind mit Lavendelsträuchern bedeckt. Felsige Hänge und ein trockenes, warmes Klima sind für das Wachstum von Echtem Lavendel ideal. Er hielt in der Vergangenheit durch die Benediktinermönche Einzug in den nördlichen Alpenregionen breitete sich seither in Mitteleuropa aus. Da er trotz seiner Liebe zu Wärme winterhart ist, gedeiht er in Deutschland und seinen Nachbarländern gut. Der Lavendel fühlt sich z. B. um Jena wohl. Bemerkenswert ist, dass Echter Lavendel als Staude – ausdauernd und pflegeleicht – in Gärten und Parkanlagen angepflanzt wird und nur in seltenen Fällen daraus verwildert. Die Lavendelfelder in der Hoch-Provence sind weltberühmt und ausgedehnt, wobei diverse Faktoren die Anbaufläche in den Letzen zehn Jahren etwa um die Hälfte reduziert haben. Es ist zu beobachten, dass kältere Gegenden meist einen vergleichsweise geruchsarmen Lavendel hervorbringen.

Die Nutzung von Lavendel

Aus den Lavendelblüten lässt sich Lavendelöl gewinnen. Dieses gehört zu den ätherischen Ölen und kommt sowohl in der Aromatherapie und in der alternativen Medizin als auch bei der Herstellung von Parfüm und Kosmetika zum Einsatz. Zur Ölgewinnung nutzt man die Lavendelblüten inklusive ihrer Stängel. In seltenen Fällen setzt man hierfür die Blüten in Olivenöl oder einem vergleichbaren Öl an; üblicher ist die Gewinnung per Wasserdampfdestillation oder Schleppdestillation, und genau jene kommt direkt oder indirekt bei der Nutzung von Lavendel für Gin (und fast keine anderen Spirituosen) zum Tragen. Die Ernte für das Gewinnen von Lavendelöl erfolgt im Idealfall nach Regen oder morgens, und man bevorzugt hierfür in Höhenlagen wachsenden, wilden Berglavendel.

Von der Ölgewinnung abgesehen spielt der Lavendelstrauch in der Imkerei eine Rolle, da die Imker den hohen Zuckergehalt des Nektars zu schätzen wissen. Sie gewinnen hieraus speziellen Honig. Was die pharmazeutische Nutzung angeht, so kommt Lavendelöl zum Tragen, wenn man sich eine beruhigende Wirkung erhofft. Es kann als natürliches Sedativum und zum Therapieren von Einschlafstörungen verwendet werden, wobei keine eindeutigen Beweise zur Wirkung der ätherischen Öle vorliegen. Nicht nur das Öl, sondern auch getrocknete Lavendelblüten (geerntet, bevor sie sich komplett entfaltet haben) dienen als Droge bei der Naturheilkunde. Ihnen wird neben dem beruhigenden Effekt eine gallentreibende, blähungswidrige Wirkung nachgesagt. Nervöse Magen-Darm-Beschwerden und Migräne gehören u. a. zu den Leiden, die man damit behandeln kann. Da das Lavendelöl eine antibakterielle Eigenschaft aufweisen soll, integrieren es manche Hersteller in Gurgellösungen. Leidet man unter Kreislaufbeschwerden, kann man sich ein Lavendelbad gönnen; ist man von Rheuma betroffen, bieten sich Einreibungen mit dem Öl an.

Säckchen mit Lavendelblüten werden gern zwischen die Wäsche gelegt, um Insekten abzuweisen. Ebenso gibt es Duftkissen mit den getrockneten Blüten. Des Weiteren findet der Echte Lavendel in der Küche Verwendung. Es ist möglich, die weichen Triebe und jungen Blätter des Strauches zum Abschmecken von Fisch- und Geflügel-Gerichten, Eintopf, Suppen und Soßen zu nutzen. In der Küche Spaniens, Italiens und Frankreichs ist diese Nutzung üblicher als in Deutschland. Des Weiteren mag Lavendel ein Bestandteil mediterraner Gewürzmischungen wie Kräuter der Provence (Herbes de Provence) sein. Er wird mitunter als Ersatz für Rosmarin herangezogen.

Lavendel und Gin

Gin und Lavendel – das ist eine Kombination, die ein großes Potenzial in sich birgt und doch eher die Ausnahme als die Regel darstellt. Der florale, süßliche bis herbe Lavendelduft mag zwar an sich intensiv und unverwechselbar sein, doch bei Wacholderschnaps ist er nur selten wirklich herauszuriechen. Vielmehr wendet sich eine Brennerei an die Lavendelblüten oder die anderen Bestandteile der Pflanze, weil diese wie Rosmarin ein wenig bitter und würzig wirken. Die im Lavendel vorkommenden Inhaltsstoffe wie Cineol, Campher und Linalool finden sich auch in anderen ätherischen Ölen von Pflanzen, die als Botanicals für Gin zurate gezogen werden. Esther (Alkohol) ist ebenso darin enthalten. Zu den Gins, bei denen Echter Lavendel mit von der Partie ist, gehören der Niemand Dry Gin, der Granit Bavarian Gin, der O49 Organic Gin, der Ego Dry Gin und der Ferdinand's Saar Dry Gin. Auch beim Windspiel Premium Dry Gin und beim Iris Dry Gin, beim Lyonel Dry Gin und beim Xellent Swiss Edelweiss Gin ist Lavendel mit von der Partie. Klassiker bzw. Berühmtheiten aus der deutschen Produktion wie der Feel! Munich Dry Gin, der Adler Berlin Dry Gin und der Monkey 47 Schwarzwald Dry Gin setzen ebenfalls auf das Botanical Lavendel.

Es ist schon faszinierend, dass vordergründig Gin aus Deutschland sich auf die Lavendelblüten verlässt. Wurde damit ein neuer Trend in die Wege geleitet? Immerhin scheint es so, als habe sich Gin mit Lavendel vom Geheimtipp zur spannenden Neuheit entwickelt. Daneben darf man nicht vergessen, dass ein Gin Lavendel Cocktail wie ein Lavender Gimlet mixbar ist und voller Faszination steckt. Gin Cocktails mit Lavendel – z. B. Lavender Gin & Tonic, Lavender Sour, Lavender Gin Fizz und Lavender Tom Collins – können sowohl mit London Dry Gin als auch mit Old Tom Gin gemischt werden. Manchmal kommt Lavendel-Sirup für die Longdrinks zum Einsatz. Lavendelsirup dient des Weiteren dem Mixen von Lavender Vodka Cocktails und Lavender Champagne Cocktails, aber der Gin ist und bleibt die erste Wahl. Zitrone oder Limettensaft gehören fast immer dazu, wenn man Lavendel Cocktails mit Gin kreieren will.