Allgemeines zum Rum-Land Guyana

Guyana liegt an der Nordküste Südamerikas grenzt an Venezuela sowie Brasilien an. Das Land beherbergt circa 735.000 Einwohner und wird als kooperative Republik bezeichnet. Die Hauptstadt ist Georgetown. Rund 85 % des Landes entfallen auf dünn besiedelten tropischen Regenwald, der forstwirtschaftlich kaum genutzt wird. Der Westen und Süden sind von Gebirgsketten durchzogen, und dort entspringen die wichtigsten Flüsse des Landes wie der Demerara-Fluss, der untrennbar mit dem Rum aus Guyana verbunden ist. Das Klima ist tropisch mit zwei Regenperioden. Mehr als 40 % der Bevölkerung sind indischer Abstammung und kommen aus dem ehemaligen Britisch-Indien. Ein Drittel sind Kreolen, bis zu 17 % sind Mischlinge, und weniger als zehn Prozent sind Indigene. Knapp die Hälfte der Bevölkerung sind Christen, während fast 30 % dem hinduistischen Glauben angehören. Auch circa 7 % Muslime leben in Guyana. Englisch ist die Amtssprache, wobei daneben Indianersprachen und indische sowie kreolische Sprachen gesprochen werden.

Geschichte und Besonderheiten von Guyana

Das heutige Guyana bestand im 17. und 18. Jahrhundert aus den durch die Niederlande gegründeten Kolonien Demerara, Essequibo und Berbice. 1763 kam es in Berbice zu einem Sklavenaufstand unter dem heute als Nationalheld angesehenen Cuffy.

Der Besitz dieser Gebiete wechselte bis Anfang des 19. Jahrhunderts mehrmals zwischen den Kolonialmächten Niederlande, Großbritannien und Frankreich. Es wird daher heute noch von British Guayana (Britisch-Guyana) und French Guayana gesprochen. Das südamerikanische Land erreichte die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich im Jahre 1966.

Guyana lebt hauptsächlich von der Landwirtschaft und vom Bergbau, was ein weiterer Unterschied zu einigen Nachbarländern ist. Das Land verfügt über eines der größten Vorkommen an Bauxit der Welt, und dies stellt das wichtigste Exportprodukt dar. Holz, Reis, Zucker und Rum gehören ebenso zu den globalen Exportgütern. Der Tourismus hingegen steckt im Vergleich zu vielen anderen Ländern der Region noch in den Kinderschuhen.

Guyana und der Rum

Als ehemalige britische und niederländische Kolonie darf das Land auf eine lange Tradition der Rumherstellung stolz sein. Schon Mitte des 17. Jahrhunderts waren in Guyana bis zu 200 oder sogar 300 Rum-Destillerien angesiedelt, was rekordverdächtig ist. Die Zucker- und Rumproduktion in Guyana wurde bis in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts von der britischen Firma Booker McConnell bestimmt. Zu verdanken hat man den Boom nicht zuletzt der Royal Navy aus Großbritannien, die beschloss, ihre Matrosen mit hochwertigem, starkem Rum aus Guyana zu beliefern. Solcher Navy Strength Rum wird heute noch in Europa geschätzt, wenngleich er nun eher aus anderen Ländern stammt. Wer heute an Rum aus Guyana denkt, für den führt kein Weg am Demerara Rum vorbei. Es handelt sich bei Demerara nicht nur um ein Gebiet und einen gleichnamigen Fluss, sondern auch um einen Zusammenschluss einiger guyanischer Brennereien und Betriebe, die sich dort niederließen. Die Demerara Rum Distillers sind für einige prämierte und beliebte Rumsorten verantwortlich, u. a. für die Marke El Dorado.

Drei Destillerien haben im Laufe der Zeit den Rum aus Guyana geprägt und sind in die Demerara Distillers aufgenommen worden. Sie sind die einzigen Betriebe, die von Hunderten nach wie vor aktiv sind bzw. von denen es noch Rum zu kaufen gibt. Zum einen wäre da die Enmore Distillery. Sie ist an weitläufige Plantagen sowie an die Enmore Sugar Factory (eine Zuckerfabrik) gekoppelt. 1880 nahm man die Brennerei in Betrieb. In jenem Jahr wurde auch ein Brennapparat aus Holz statt aus Metall in Betrieb genommen – und dieser hat bis heute überlebt. Er gehört zu den letzten Coffey stills aus Holz. Das wooden continuous still hat lang den Rumstil von Enmore geprägt, und sein Erbe wird noch immer in die weite Welt hinausgetragen. Genau genommen ist die Enmore Distillery nicht mehr in Betrieb, aber ihr Rum wurde von diversen unabhängigen Abfüllern aufgekauft und wandert zudem in die Abfüllungen der Demerara Distillers Limited (mit DDL abgekürzt).

Die Diamond Distillery ist die letzte des Trios, die nach wie vor Rum produziert. Sie liefert die Destillate für den El Dorado Rum aus Guyana. Außerdem kommen in diesem Betrieb diverse alte Brennapparate von inzwischen geschlossenen Destillerien zum Einsatz – auch der wooden pot still der Enmore Distillery, der ursprünglich aus Versailles stammt. Zu guter Letzt gibt bzw. gab es noch die Uitvlugt Distillery, die für feinen, charaktervollen Rum aus Guyana zuständig war. Ihr Name legt nahe, dass sie einst von den Niederländern betrieben wurde. Während die Enmore Distillery 1993 geschlossen wurde, war die Uitvlugt Distillery bis 2000 aktiv, und auch ihre Destillate finden dank unabhängigen Abfüllern nach wie vor ihren Weg auf den internationalen Markt. Benannt wurde die Destillerie nach der Ortschaft Uitvlugt am Westufer des Demerara-Flusses und an der Küste. Eine Zuckerrohrplantage mit gleichem Namen existierte ebenfalls.

Es steht in den Sternen, wie lange die einzige produzierten Rumbrennerei Diamond Distillery unter der Regie der DDL noch am Leben erhalten wird. Umso mehr empfiehlt es sich, einen unverwechselbaren Demerara Rum zu kaufen. Er ist zum Teil mit Buchstabenkürzeln gekennzeichnet, die Aufschluss über seine ursprüngliche Brennerei und Herstellungsweise geben.