Ist Deutschland ein Rumland? Nein, nicht im wahrsten Sinne des Wortes. Zu den Rumländern zählt man streng genommen die Inseln der Karibik sowie einige Staaten in Mittelamerika und Südamerika. Doch auch in Deutschland wird Rum produziert. Der sogenannte Deutschland-Rum ist das Gegenstück zum Echten Rum und hat sich in der Form von Verschnitten einen Namen gemacht. Was versteht man unter dem Rum Verschnitt aus Flensburg?
 

Begriffserklärung


Hansen Präsident Rum

Hansen Präsident Rum

Das Wort Verschnitt macht es schon deutlich: Diese Spirituose ist kein Original, sondern eine Mischung bzw. in gewisser Weise ein Blend. Für den Flensburger Rum-Verschnitt aus Deutschland wird zunächst einmal Original Rum importiert. Dabei handelt es sich um hochprozentigen Rum, der im Herstellungsland destilliert und im rohen Zustand nach Deutschland transportiert wird. Das Importgut darf hier nicht verändert werden. Ein kleiner Anteil des Rums stellt die Grundlage von Rum Verschnitt dar. Ein Zwanzigstel (also 5 %) sind üblich, aber auch geringfügig mehr ist möglich. Der Rest entfällt anteilig auf Wasser und auf Neutralalkohol. Hierfür kommt Agraralkohol aus der landwirtschaftlichen Herstellung zum Einsatz, der z. B. auf Getreide, Kartoffeln oder Zuckerrüben basiert. Von Hersteller zu Hersteller gibt es Unterschiede in der genauen Zusammensetzung des Gemisches und in der letztendlichen Trinkstärke. Diese muss mindestens 37,5 % betragen, wie dies auch bei Echtem Rum der Fall ist. Standardmäßig trifft man auf 40 bis 42 % vol., was einem normalen bis eher niedrigen Alkoholgehalt entspricht und den Rum Verschnitt deutlich vom Overproof Rum abhebt.

Besonderheiten von Rum-Verschnitt


Der Rum Verschnitt wird innerhalb der Bundesrepublik nur in der Stadt Flensburg hergestellt. Das hat seinen Grund, denn sie war einst der Dreh- und Angelpunkt für den globalen Rumhandel. Das wiederum war der Tatsache zu verdanken, dass die Dänen in den Jungferninseln auf den Rum kamen und damit handelten. Sie exportierten ihn nach Europa, und Flensburg war damals noch Teil des dänischen Territoriums, sodass sie als Handelsstadt intensiv genutzt wurde. Die dort ansässigen Brennereien waren eigentlich mit Bränden vertraut, wussten aber auch mit dem Rum viel anzufangen. Die Methode des Verschnitts entstand aus der Not und war alles andere als eine "Schnapsidee": Es wurden im 18. Jahrhundert hohe Einfuhrzölle auf Spirituosen, allen voran auf Rum, erhoben. Um diesen zu entgehen, begann man das Original zu mischen und verändern und daraus "deutschen Rum" zu erzeugen. Da man geringere Mengen an Rum importierte, zahlte man automatisch weniger Einfuhrzoll. Wie Berichte aus der damaligen Zeit veranschaulichen, war ehemals der Anteil an Original Rum bei den Flensburger Rum Verschnitten noch geringer. Er machte etwa 3 % aus, wozu sich 40 % Alkohol aus Deutschland und noch mehr Wasser gesellten. Dieser Flensburger Rum Verschnitt wurde von mehreren deutschen Rumhäusern angeboten, und ein Teil der Betriebe ist bis heute aktiv.

Es darf nicht einfach irgendein Rum zum Einsatz kommen, um die Basis von Rum-Verschnitten darzustellen. Vielmehr muss es Original Rum sein, und zwar in den meisten Fällen der sogenannte German flavoured rum. Er wird in einem Land, auf der Karibikinsel Jamaika, hergestellt. Die Produktion erfolgt eigens für die Verwendung für den Flensburger Rum-Verschnitt. Warum fiel die Wahl ausgerechnet auf Jamaika? Was Mitte des 18. Jahrhunderts unter der Kontrolle der Dänen begann, war etwa 100 Jahre lang erfolgreich und wurde dann vom Krieg unterbrochen. Flensburg ging von Dänemark an Preußen und Österreich über, und damit verloren die Destillerien die Jungferninseln als Rumlieferant. Jamaika schloss die Lücke und ist noch heute der bevorzugte Lieferant von German Flavour Rum für die Herstellung von Flensburger Rum-Verschnitt.

Flensburger Rumhäuser, die Rum Verschnitte produzieren


Einige Unternehmen haben sich darauf spezialisiert, Rum-Verschnitt aus Flensburg herzustellen, wobei auch das Bremer Rumkontor sich den Verschnitten typisch deutscher Art widmet. In der Rumstadt Flensburg gab es einst die Hauptakteure bzw. Rum-Dynastien Johannsen, Grün (Hansen), Schierning (Pott), Asmussen, Dethleffsen (Balle) und Sonnberg sowie noch über 30 weitere Rumhäuser zu entdecken. Heute handelt es sich nur noch um knapp eine Handvoll an Betrieben, die nach wie vor produzieren.

Pott Rum steht für braunen Übersee-Rum aus Flensburg, der mit hoher Qualität assoziiert wird. Die Firma H.H. Pott Nachfgr. Vertriebsgesellschaft mbH Rumhandelshaus ist unter der Regie der Henkell & Co. Sektkellerei für die Produktion zuständig. Das Stammhaus rief Hans Heinrich Pott Mitte des 19. Jahrhunderts ins Leben. Heute sind zwei Sorten mit jeweils niedrigem und hohem Alkoholgehalt zu haben, wobei Der gute Pott Flensburger Rum-Verschnitt als Marktführer angesehen wird. 2010 wurde die Spirituose von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft mit dem Titel "Bester Rum des Jahres" beehrt.

Johannsen Rum wird auf altbewährte Weise im Flensburger Stadtteil Marienburg hergestellt und verkörpert ein Stück deutscher Rumkultur. Die Firma A.H. Johannsen schafft es auf beinahe zehn Sorten und wird ebenfalls zu den Spitzenreitern gezählt. Sie ist angeblich das älteste, unabhängige Rumhaus der ehemaligen Rumstadt Flensburg und besitzt insbesondere in Norddeutschland zahlreiche Fans. Der Regatta Rum in der Limited Edition, der jährlich für die Rum-Regatta auf den Markt gebracht wird, ist ein Ausdruck des Könnens der Rumexperten.

Balle Rum hat sich ebenfalls als echter Übersee-Rum aus der Karibik etabliert. Der braune Rum-Verschnitt gilt als mild und aromatisch und spielt auf den Boom des Flensburger Rums rund um 1717 an. Er zollt dem Dänen Ole Christian Balle Respekt, der den Grundstein für den Erfolg des vormaligen Rumhandelshauses Balle legte. Feiner alter Asmussen Rum rundet das Angebot ab und hat ebenfalls Aufmerksamkeit verdient. Er ist in zweierlei Trinkstärken erhältlich und greift natürlich ebenfalls auf Jamaika-Rum zurück. Man nutzt ihn gern für das Mixen von Grog oder Punsch, trinkt ihn auf typisch norddeutsche Weise im Tee oder verwendet ihn beim Backen. Laut Herstelleraussagen darf man auf einen Marktanteil von 13 % in Deutschland stolz sein, wobei der Bekanntheitsgrad bei sogar 60 % liegen soll. Der Jamaica Rum Verschnitt lässt sich vielseitig mixen. Er räumt nicht zuletzt mit dem Vorurteil auf, dass der Flensburger Rum-Verschnitt ein eher minderwertiges Produkt sei. Manche stehen der Spirituose als solches nämlich skeptisch gegenüber, da der Rumanteil so gering ist und es den Anschein hat, als gingen die original Aromen und Geschmacksnoten beim Mischen mit Wasser und deutschem Alkohol unter. Kenner wissen jedoch, dass speziell die erwähnten Spitzenreiter es schaffen, typisch karibische bzw. jamaikanische Noten zum Vorschein zu bringen.