Das Zuckerrohr hat seine Herkunft in Ostasien und wurde mehr oder weniger direkt durch Christoph Kolumbus in die westliche Welt eingeführt. Seither wird in der Gegend um die Karibik diese Pflanze mit dem einmalig süßen Geschmack angebaut. Hauptanbaugebiete sind gegenwärtig Brasilien und die Inseln der Karibik. Diese Länder sind klimatisch besser für das Zuckerrohr geeignet, aber auch in Spanien und anderen südlichen Ländern wird Zuckerrohr in Maßen angebaut. Und genau dort in der Alten Welt war ja einst Kolumbus zu Hause.

Das Zuckerrohr: die Anfänge

Um das 5. Jahrhundert vor Christus fand man heraus, dass Zuckerrohr abgebaut und genutzt werden kann. In den südlichen Teilen des Landes von China und Indien wuchs es bis dahin als Unkraut heran. China und Neuguinea werden zwar als ursprüngliche Herkunftsländer betitelt, doch woher das Zuckerrohr genetisch genau stammt, ist unklar. Auf seinen Reisen war es Alexander der Große, der das Zuckerrohr nach Ägypten brachte. Etwa sechs Jahrhunderte später entdeckten die Araber, dass der Zuckersaft viel länger haltbar und wesentlich einfacher zu transportieren ist, wenn er kristallisiert ist. Hierzu gossen sie den heißen Zuckerrohrsaft in ein umgedrehtes, kegelförmiges Gefäß und schnitten die Spitze ab, damit aus dem Loch der Sirup, welcher nicht zuckerhaltig war, ablaufen konnte. Danach kristallisierte sich der Zucker an den Wänden des Kegels. Drehten sie nun den Kegel um, fiel der Zuckerhut aus der Form.

Zeitgleich wird von einem römischen Autor erwähnt, dass Zucker nicht nur als Nahrungsmittel verwendet, sondern auch in der Medizin genutzt werden kann. Die Araber verbreiteten das Zuckerrohr am Rand des Mittelmeeres, als sie ihre Kultur ausdehnten. Durch die Kreuzzüge wurde der kulinarische Zucker schließlich in Westeuropa bekannt. Kreuzritter vertrieben die Bewohner dieser Gegend und übernahmen die Kontrolle des Anbaues. Kaufleute aus Venedig installierten schon bald Zuckerunternehmen. Aus den Produktionsstätten, welche in der Nähe von Kreta, Tyrus und Zypern aufgebaut wurden, gelangte der Zucker nach Westeuropa. Nicht nur Europa, sondern auch Nordafrika und der Mittlere Osten wurden über mehrere Jahrhunderte aus dieser Region mit Zucker ausgestattet. Die Pestepidemie war im späten Mittelalter ein einschneidendes Erlebnis für den Einbruch des Zuckeranbaues dieser Region. Erst als Christoph Kolumbus sich mit seinen Segelschiffen auf Entdeckungsreise begab und Enge des 15. Jahrhunderts die Neue Welt entdeckte, wurde die Produktion in den ursprünglichen Ländern langsam verringert, bis sie schlussendlich ganz zum Erliegen kam. Zucker wurde schon jahrhundertelang aus dem Zuckerrohr gewonnen, war aber dennoch nicht für jedermann zu haben, denn die Produktion war immer noch sehr schwierig, wodurch es sich nur Königshäuser und Edelleute leisten konnten. Auch das beeinflusste die ersten Schritte der Geschichte von Zuckerrohr und Rum.

Christoph Kolumbus und das Zuckerrohr

Es gibt in seiner Kategorie kaum eine berühmtere Person als Christoph Kolumbus, zu Spanisch Cristóbal Colón genannt. Er wird in einem Atemzug mit der Entdeckung Amerikas und der Einbürgerung des Zuckerrohres in der Karibik genannt. Unter der Führung des spanischen Königspaares, Ferdinand der II. von Aragón und Isabella die I. von Kastilien, erreichte Kolumbus am 12. Oktober 1492 mit drei Schiffen das erste Mal eine Insel der Bahamas. Diese wurde von den Einheimischen Guanahani genannt. Christoph Kolumbus taufte die Insel San Salvador. Von San Salvador aus segelte er nach Kuba und Hispaniola. Hispaniola ist eine Insel, welche sich heute die Dominikanische Republik und Haiti teilen. Vor Hispaniola geriet eines der Schiffe in eine Untiefe und lief auf. Davon ließ sich Kolumbus aber nicht aufhalten und errichtete mit den Überresten des Schiffes die erste Kolonie der Neuen Welt. Er nannte sie "La Navidad", was auf Deutsch "Weihnachten" heißt. Hier wurde Christoph Kolumbus Vizekönig und Gouverneur.

Als er am 4. März 1493 wieder in Spanien ankam, wurde er groß gefeiert. Kolumbus dachte jedoch nur an seine zweite Reise in die Neue Welt, um neue Gebiete für Spanien zu entdecken und die bereits bereisten Inseln zu sichern. So dauerte es nicht lange und seine Flotte wurde mit etwa 1.500 Personen und 17 Schiffen ausgestattet. Nachdem Kolumbus in seinem Bericht versprochen hatte, reichlich Gold und die benötigten Sklaven mitzubringen, wurde er von dem spanischen Königshaus unterstützt. Schon am 25. September brach er erneut auf. Mit dabei hatte er, auf Befehl des Königshauses, das Zuckerrohr. Dieses wurde von den Arabern nach Südspanien gebracht. Das Königshaus erhoffte sich, dass der nahrhafte Boden und die Luft sowie das Klima in den zukünftigen Kolonien dazu beitragen würden, ein gutes Anbaugebiet für Zuckerrohr zu sein.

Ihre Gebete wurden erhört, denn wie es sich herausstellte, herrschten dort die perfekten Bedingungen für die Pflanze. Auf der weiteren Erkundungsreise von Kolumbus entdeckte er Puerto Rico und Jamaika. Diese Regionen wurden im 16. Jahrhundert zu den Hauptanbauregionen des Zuckerrohres. Dort wurde auch die erste Zuckermühle gebaut. Um den ganzen Bedarf von Europa zu decken, musste viel mehr Zuckerrohr geerntet werden. Dies war mit den angesiedelten Menschen allein nicht zu schaffen, weswegen die Einwohner versklavt wurden. Es stellte sich später heraus, dass sich hierfür aber die afrikanischen Ureinwohner viel besser eigneten, um mit den unerbittlichen Arbeitsbedingungen fertig zu werden. Daraufhin wurden die Afrikaner als Sklaven in die Karibik verschifft und mussten dort an den Zuckerrohrplantagen unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten. Mehr dazu gibt es im Wissenstext zur Arbeit der Sklaven, die schlussendlich den Rum als "Sklavengetränk" erfanden.

Kaum hatte Kolumbus das Zuckerrohr in die Karibik gebracht, widmete man sich auf allen Inseln der Neuen Welt seinem Anbau und seiner Verarbeitung zu Zuckerrohr. Da eben jener Prozess mit schweißtreibender Arbeit unter alles andere als idealen Bedingungen erfolgte, entschlossen sich die spanischen (und französischen) Besatzer, sich auf die Sklavenarbeit zu verlassen. Diese Ära ist ein schwarzes Kapitel der Geschichte von Rum, doch sie stellt gleichzeitig auch die Geburtsstunde der heute so beliebten Spirituose dar.

Unterjochung von Einwohnern der Karibik und Austausch durch afrikanische Sklaven

Zu Beginn der Besiedlung der Karibik, um das 15. Jahrhundert herum, wurden Zuckerrohrpflanzen von Christoph Kolumbus auf Geheiß des spanischen Königshauses bei seiner zweiten Reise in die Neue Welt mit über das Meer genommen. Schnell stellte sich heraus, dass die klimatischen Bedingungen und der Boden für den Zuckerrohranbau perfekt waren. So wurden auf den Karibikinseln wie (heutige Namen) Kuba, Barbados, Trinidad, Jamaika und Hispaniola viele Zuckerrohrplantagen bepflanzt, welche auch versorgt werden mussten. Die mitgereisten Matrosen waren für diese Arbeit viel zu wenig, um die immer weiterwachsenden Plantagen ausreichend zu bewirtschaften zu können. Des Weiteren waren sie hierfür nicht von Spanien in die Karibik gebracht. Sie konnten unmöglich ihre Aufgabe erfüllen und gleichzeitig die Arbeiten des Zuckerrohranbaus erledigen. Aus diesem Grund wurden Ureinwohner der Karibik versklavt. Nach kurzer Zeit wurde den Spaniern bewusst, dass die Arbeit für die Einheimischen zu hart war und die Anforderungen, die an sie gestellt wurden, nur unzureichend erfüllen werden konnten. Das daraus resultierende Problem, dass sehr viel Zuckerpflanzen zwar angebaut wurden, aber nicht geerntet werden konnten, war ein viel zu großer Verlust. Dadurch, dass es so viele Einbußen im Abbau gab, ging viel Gold verloren. Das Ziel der Spanier war es, den fertigen Zucker nach Europa zu verfrachteten und dort mit Ländern zu handeln, welche nicht damit gesegnet wurden, Zucker anbauen zu können.

Doch nicht nur die Spanier waren auf großer Seefahrt durch die Welt. Da nicht nur Amerika kolonialisiert wurde, sondern auch in Afrika neue Gebiete besetzt wurden, zeigte sich rasch, dass die afrikanischen Ureinwohner sehr viel hartnäckiger, leistungsfähiger und vom Körperbau kräftiger waren. So war es nur eine Frage der Zeit, dass die Spanier sich dem Thema annahmen und die Afrikaner in Schiffe verfrachtet in die Karibik transportierten. Die miserablen Zustände an Board und die Überfüllung der Schiffe kosteten vielen Afrikanern das Leben. So kam meist nur die Hälfte der ausgesiedelten Afrikaner in der neuen Heimat an. Kaum hatten die Schiffe in der Karibik angelegt, wurden die afrikanischen Ureinwohner versklavt und gezwungen, die Zuckerrohrplantagen zu bewirtschaften. Dies geschah nicht aus freiem Willen, sondern sie wurden dazu mit Gewalt gezwungen und besaßen keinerlei Rechte. Durch diesen Sklavenhandel wurden in etwa 10 bis 15 Millionen afrikanische Ureinwohner nach Amerika gebracht.

Tätigkeiten und Lebensbedingungen der Sklaven

Als die Sklaven in Amerika ankamen, wurden sie in schäbigen Behausungen oder in Tierställen untergebracht. Dadurch, dass es den Europäern bei den Zuckerrohrplantagen nur um den großen Gewinn ging, wurde gespart, wo es nur ging. Um die Unterhaltskosten so gering wie möglich zu halten, wurden die Sklaven mit den nahrhaften Abfällen der Zuckerherstellung am Leben erhalten – auf ähnliche Weise wie die Nutztiere. Die afrikanischen Ureinwohner wurden dafür eingesetzt, das Zuckerrohr anzupflanzen, es zu bewässern und zu gegebener Zeit zu ernten. Natürlich erledigten sie dies alles zu Fuß und mühevoll per Hand, oft bei Hitze. Danach wurde die Ernte zusammengetragen, die Blätter vom Zuckerrohr getrennt und dann in den Raffinerien weiterverarbeitet. Da an der Weiterentwicklung des Zuckers viel experimentiert wurde, fand man im Laufe der Zeit heraus, dass die Melasse bzw. der Zuckersirup nach einigen Schritten der Verarbeitung schnell zu gären begann, wenn man ihn mit Wasser und Faseranteilen vermischte. Dieses gärende Gemisch hatte, in reiner Form, ähnliche Eigenschaften wie der bereits bekannte Alkohol von den Ureinwohnern Amerikas. Die Sklaven konsumierten diese Flüssigkeit, um sich sozusagen das Leid von der Seele zu trinken, sich in Rauschzustände zu versetzen und in Trance mit ihren Göttern zu kommunizieren oder schlicht und einfach den harten Alltag ein wenig erträglicher wirken zu lassen. Als deren Herren dies herausfanden, wurde den eingeschifften Ureinwohner dieses Getränk bewusst zur Stärkung gegeben. Des Weiteren wurde es auch als Belohnung benutzt, um den Sklaven mehr Arbeit abzuringen. Schnell entbrannten deswegen regelrechte Motivations-Kämpfe und die Arbeiter gelangten an neue Grenzen des Körpers, um einen Schluck von diesem alkoholischen Getränk zu bekommen.

Der Vorgänger von Rum wurde erfunden

In Europa wurde zu dieser Zeit der Alkohol in Kupferbrennblasen als Destillat zu einem Brand hergestellt. Diesen Vorgang eigneten sich hauptsächlich die Menschen in den Niederlanden und in Frankreich an. Durch die Bündnisse der Königshäuser wurden diese Apparate schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts in die Karibik geschifft. In den neu erkundeten Ländern wurden von den Zuckerrohrpflanzern die Abfälle des Zuckerrohrs zersetzt, wie es bereits bekannt war. Doch nach dem abgeschlossenen Gärvorgang wurden diese in der Kupferbrennlase gebrannt. Die Sklaven tranken dieses Getränk, welches als Ur-Form des Rums gilt. Von ihnen wurde es "Guildive", "Tafia", "Kill Devil" oder "Aguardiente de Caña" (spanische Bezeichnung) genannt. Später bürgerte sich – in Verbindung mit Protesten und Auflehnungen – in Jamaika der Begriff "rumbullion" ein, der mit Aufruhr und teils betrunkenen Einheimischen und Arbeitern verbunden wurde. Daraus wurde noch etwas später der Oberbegriff Rum.

Zu jener Zeit wurde der Vorgänger des Rums ausschließlich von den Sklaven konsumiert, da das Getränk einen scharfen und rauen Geschmack hatte und ziemlich hochprozentig sowie ungeschliffen war. Aus diesem Grund wurde es von den kolonisierten Spaniern nicht gerne getrunken. Für eine Gruppe stellte es aber eine willkommene Abwechslung dar: für die Seeleute. Auf der rauen See war die Urform von Rum ein perfektes Getränk, welches nicht schlecht wurde und ungenießbar war wie etwa das Bier. Mehr Informationen dazu gibt es im Artikel zum Thema Matrosen und Einfallsreichtum, denn die Seefahrer läuteten ein neues Kapitel der Rum-Geschichte ein.

Man kann die Geschichte von Rum grob in vier Etappen unterteilen, die alle voller faszinierender Fakten stecken. Alles begann mit der Entdeckung der Neuen Welt durch Kolumbus und der Kolonialisierung der Karibikinseln und Nachbarländer durch die Spanier. Das Zuckerrohr fand so seinen Weg in die besetzten Länder. Zum Anbau und zur Verarbeitung verschiffte man afrikanische Sklaven in die Neue Welt, und sie entdeckten den aus Zuckerrohrsaft und Melasse destillierten Alkohol für sich. Der dritte Schritt der Rum-Geschichte ist weniger mit den Arbeitern als mit den Seefahrern verbunden, die mit ihren Schiffen zwischen der Neuen und Alten Welt hin- und hersegelten und den Vorläufer des Rums für sich entdeckten.

Mischung mit Limettensaft, Lagerung von Obst in Alkohol

Dadurch, dass die Schiffsreisen der Seeleute meist über mehrere Monate anhielten, musste bewusst darüber nachgedacht werden, welche Lebensmittel und welche Getränke mitgenommen werden konnten. Nach reiflicher Überlegung wurden erst einmal Bier und Wasser mitgenommen. Dadurch, dass diese Getränke aber nicht für eine so lange Seefahrt gemacht waren, wurden bei dem Genuss von Wasser und Bier diverse Krankheiten übertragen. Zudem kam es zu Mangelerscheinungen wie Skorbut, gegen die man nichts unternehmen konnte. Als die Überfahrt in die Karibik endlich geschafft war, war das Erste, was die Matrosen in ihrer freien Zeit machten, sich mit dem Alkohol der Ureinwohner aus Zuckerrohr in einen berauschenden Zustand zu versetzen. Der Alkohol, welcher geringe Anschaffungskosten hatte, in großen Mengen vorhanden war und schnell zu einem berauschenden Gefühl verhalf, war nichts anderes als Zuckerrohrschnaps. Da der Vorgänger des heutigen Rums einen viel schärferen Geschmack hatte und den Matrosen meist zu rau war, mischten die Seeleute dieses Getränk mit verschiedenen Zutaten. Erst, als sie es sich von den Ureinwohnern abgeschaut hatten, Limone / Zitrone in den Zuckerrohrschnaps zu geben, wurde daraus ein Genussmittel, welches angenehm zum Trinken war. Limone war den Seeleuten bis dahin eine unbekannte Frucht, welche von den Ureinwohnern aber schon längst genutzt wurde.

Als die Reise über das Meer zurück in die Heimat in der Alten Welt wieder für die Seeleute begann, nahmen sie sowohl den Zuckerrohrschnaps als auch die Limetten bzw. Limonen mit auf See. Der ungenießbare salzige Geschmack des Wassers, welches noch dazu unhygienisch war, wurde durch die Mischung von Limettensaft und Zuckerrohrschnaps süßlich abgerundet. Doch nicht nur das war ein Vorteil dieser Mischung. Die Seeleute glaubten, dass der Zuckerrohrschnaps die schleichende Vitaminmangelkrankheit Skorbut verhindern würde. Dass dies durch die prophylaktische Fähigkeit der Limetten nicht der Fall war, kam erst viel später heraus. Skorbut war eine Krankheit, welche viele Gesichter hatte und sogar durch eine Herzschwäche zum Tod führen konnte. Die Ursache war ein Mangel an Vitaminen über mehrere Monate hinweg.

Die Matrosen nahmen den Schnaps aber nicht nur für ihr Wasser her. Da der aus Zuckerrohrsaft oder Melasse gebrannte Alkohol so billig zu bekommen und zudem im hohen Maße verfügbar war, wurden darin auch die Früchte, welche über den Ozean geschifft wurden, eingelegt und somit länger haltbar gemacht. Der Ursprung dessen Namen ist bis heute ungeklärt. Doch schätzt man, dass er von den afrikanischen Ureinwohnern stammt. Sie nutzen Worte wie "Rumbozze" oder "Rumboullion" als Synonyme für Rebellion und Aufstand. Diese Bezeichnung für die Spirituose gefiel den Matrosen, Piraten und Schmugglern. Er wurde schließlich zu Rum verkürzt, und seine Verbreitung erfolgte durch die Beliebtheit der Seeleute und ihrer exotischen Fracht.

Reifung bei der Überfahrt mit dem Schiff

Es sprach sich schnell herum, dass der Zuckerrohrschnaps mit Limonensaft nicht mehr so rau war, und das lockte sowohl Marinesoldaten als auch Piraten an. Das Getränk war sogar so beliebt, dass dieser als Lohn der Matrosen, der Piraten und der Soldaten fester Bestandteil wurde. Bis 1973 wurde diese Tradition von der britischen Marine festgehalten, worauf Navy Rum und Navy Strength Rum mit erhöhtem Alkoholgehalt anspielen. Da der damalige Rum durch diesen Wandel viel mehr Anhänger in der Seefahrt hatte und man durch die Benutzung die tropischen Früchte länger haltbar machen konnte, wurde der Alkohol nun vermehrt in Fässern verschifft. Durch die Lagerung in Fässern bekam der Zuckerrohrschnaps seinen angenehmen Geschmack, der das Interesse der Europäer weckte und den Stein für den Handel mit Rum ins Rollen brachte. Mehr Informationen dazu gibt es im vierten Wissenstext zur Geschichte von Rum (Vom Sklavengetränk zum Premium Rum).

Allgemeines zur Seefahrt damals und zum internationalen Handel von Neuer Welt und Alter Welt

Durch den neuen, angenehmen Geschmack war der Rum nun auch in den großen Handelsstädten auf dem Vormarsch. In England wurde er in London und Liverpool verbreitet, in Frankreich in Bordeaux und in Deutschland in Flensburg. Doch nicht nur in den europäischen Ländern wurde der Rum schnell verbreitet. Auch in Nordamerika entstand eine große Beliebtheit dieses Getränkes. So ermutigte George Washington schon seine Soldaten mit dem Rum. Er selbst trank angeblich auch sehr gerne davon. Amerika war nichts anderes als ein Machtinteresse der Europäer. Schnell starben fast alle Ureinwohner aus, während für den Transport von Sklaven sogar eigene Schiffsrouten eingerichtet wurden. Doch nicht nur in Europa befanden sich die Reichen und Mächtigen. So waren es etwa die Zuckerbarone in der Neuen Welt, welche im 18. Jahrhundert mehr Reichtum besaßen als sehr viele Europäer. Durch den festen Bestandteil vom Verdienst des Rums und der Verschiffung von Zucker wurde deren Gewinn immer mehr. Doch sie verdienten ebenso an den Waffen- und Werkzeugtransporten und den Schiffen selbst. Rum war später sogar so beliebt, dass damit mehr Gold gemacht wurde als mit Zucker. Dies kam nicht zuletzt daher, dass man in Europa herausfand, dass man Zucker genauso gut aus der Zuckerrübe gewinnen kann. Wie nicht anders zu erwarten war, wurden die Einbußen an Zucker im 19. Jahrhundert so mächtig, dass es zu einer Krise kam. Einige Besitzer der Zuckerrohrplantagen dachten schon so weit voraus, dass sie von der Zuckerproduktion zur ausschließlichen Destillation von Rum schwenkten, wodurch ein neuer Wirtschaftszweig entdeckt wurde.

Bei vielen Spirituosen lässt es sich beobachten, dass sie im Laufe der Jahrhunderte eine Entwicklung durchlebten. Besonders deutlich ist diese beim Rum, der sich vom Sklavengetränk zum Premium-Produkt entwickelte und seinen Siegeszug um die Welt startete. Erst wurde das Zuckerrohr von Kolumbus in die Neue Welt gebracht, dann kamen die afrikanischen Sklaven auf die Idee, hieraus Alkohol zu destillieren. Jener Zuckerrohrschnaps fand bei den Seefahrern gefallen und wurde per Schiff nach Europa transportiert. Genau jener Aspekt der Rum-Geschichte prägte die Entwicklung in mehrerlei Hinsicht.

Beginn der gereiften Rumsorten

Die Haupttauschmittel gegen Rum waren Pferde, Holz oder getrockneter Fisch. Dadurch wurde der eigentliche Handel durch die Briten unterbunden, was jenen nicht gefiel. Deshalb wurden die Bitten nach einem Gesetz lauter, welches den Verkauf von Melasse verbieten sollte. Von 1919 bis 1933 wurde die Prohibition von Alkohol in den Vereinigten Staaten eingeführt. Dies bedeutete, dass sowohl der Genuss als auch der Transport und die Herstellung von Alkohol verboten waren. Der Rum-Handel litt hierunter – doch obwohl ein neues Gesetz in Kraft getreten war, hielten sich nur sehr wenige daran. Die Produktionsstätten wurden illegal weiter betrieben und es wurden so genannte Speakeasy-Clubs vertrieben. Um legal Alkohol konsumieren zu können, reisten tausende Amerikaner auf die Inseln der Karibik, hauptsächlich Kuba. Dadurch erlangte die karibische Zuckerrohrdynastie einen neuen Aufschwung. Die Amerikaner liebten den Geschmack dieses Getränkes und so entwickelte sich der Rum langsam, aber sicher vom Getränk der Sklaven zum Getränk der Kenner.

Durch diesen neuen Entwicklungsstand ließen die Destillateure mehr Arbeit in den Rum fließen. So waren die Macher darauf bedacht, diesem Getränk eine höhere Qualität zu verleihen. Ihre Idee dazu war es, eine größere Produktvielfalt herzustellen. Es sollten mehrere Sorten durch unterschiedliche Lagerungszeiten, scharfsichtige Maischeproduktionen und anspruchsvollere Herstellungstechniken produziert werden. Diesen Aufwand findet man selbst heute noch höchstens beim Wein. Auf Martinique wurden alleine um 1900 in 300 Destillieren mehrere verschiedene Sorten Rum gebrannt. Auch heute gibt es noch eine Vielfalt von verschiedenen Rumsorten. Unterschieden wird in diverse Rum Qualitäten wie Single Cask Rum, Blended Rum, Solera Rum und Cask Strength Rum sowie Rhum Agricole. Es wird geschätzt, dass es sich inzwischen um weit mehr als 1.500 unterschiedliche Arten handelt. So gibt es etwa einen Rum, der an den ursprünglichen Zuckerrohrschnaps erinnert. Aber es werden natürlich auch Sorten gehandelt, welche diverse Jahrzehnte in Fässern gelagert werden und zu den Arten gehören, die als Premium Rum betitelt werden.

Wichtige Ereignisse in der Rum-Geschichte

Eines der wichtigen Ereignisse in der Geschichte des Rums ist die Erfindung zweier verschiedener Männer, welche 1850 zeitgleich den Grundstein der heutigen industriellen Produktion von Rum entdeckt haben. Auf der einen Seite Felice Presto in Jamaika, auf der anderen Seite Don Bacardi in Kuba. Diese zwei Männer haben das Prinzip herausgefunden, wie man weißen Rum herstellt. Bei dem Namen Bacardi, wird sofort klar, dass er einer der Urväter des heutigen Rums war. Die Destillerie von Presto wurde von Ureinwohnern 1890 auf Jamaika zerstört und abgebrannt. Das Unternehmen war zwar weit verbreitet und genoss hohes Ansehen, konnte sich davon aber nicht mehr erholen und meldete seinen finanziellen Ruin an. 1888 wurde ein weiterer Meilenstein für den Genießer gesteckt. In der Dominikanischen Republik wurde der Rum Ron Brugal veröffentlicht. Er war würzig, aber hatte dennoch ein holziges Aroma, zu dem sich Kopfnoten von Schokolade, Kaffee und Zimt gesellten. So zeigte sich, dass schon ganz früh damit experimentiert wurde, Rum mit anderen Geschmäckern zu verfeinern oder mit bestimmten Zutaten zu aromatisieren. Durch diesen einmaligen Rum wurden weitere Destillerien dazu angeregt, neue Geschmacksrichtungen zu kreieren.

Was zeichnet Rum heute aus?

Der heutige Rum, der überall auf der Welt Anhänger und Kenner mit seinem Geschmack überzeugen kann, hat vielerlei verschiedene Produktionspunkte, welche dazu führen, was den Rum heute auszeichnet. In den frühen Jahren der Entdeckung von dem scharfen Getränk bis zum gegenwärtig modernen Rum, hat sich an der Grundsubstanz nicht viel getan. Sie besteht immer noch aus dem Zuckerrohrsaft, Wasser und kleingehäckseltem Zuckerrohr. In der industriellen Herstellung wird das Zuckerrohr oft durch die Melasse ersetzt. Werden nun diese Zutaten miteinander in Fässern vermischt, so entsteht die Maische, welche mittels Hefe zur Gärung gebracht wird. Durch den Schritt des Fermentierens entwickelt sich ein Gärungsprozess in der Flüssigkeit, welcher einen Alkoholgehalt von fünf Prozent am Ende des Prozesses vorweisen kann. Nun wird ganz typisch für den Rum zu destillieren begonnen, was dafür sorgt, dass der Rum mit einem Prozentsatz von über 60 Prozent versehen ist. Das Grundgetränk ist hergestellt. Unterschieden wird dabei zwischen dem Pot Still Rum aus der diskontinuierlichen Destillation im Kupferbrennkessel und dem Column Still Rum aus der kontinuierlichen Destillation im Säulensystem.

Doch in der heutigen Zeit wird nicht nur industriell hergestellter Rum verkauft. So gibt es beispielsweise den Agricole-Rum. Er wird auf die traditionelle Weise auf den französischen Antillen hergestellt und aus Zuckerrohrsaft gewonnen. Die zahlreichen Rumsorten der heutigen Zeit besitzen nicht zuletzt deshalb Premium-Qualität, weil man sie im Fass aus Eichenholz lagert. Das wurde vom Transport per Schiff inspiriert und ist heute – mit Ausnahme von weißem Rum – gang und gäbe. Mehrere Fassarten eignen sich für die Lagerung, u. a. das Bourbonfass aus amerikanischer Eiche und das Sherryfass aus europäischer Eiche. Rum der Gegenwart unterscheidet sich hauptsächlich in den verschiedenen Mischungsverhältnissen und den Lagerungsarten. In erster Linie wird der weiße Rum in Edelstahlfässern gelagert, um einen besseren Rum zu erhalten, so seine klare Farbe zu behalten und keinen Geschmack von den Hölzern aufzunehmen. Wird das Destillat hingegen in Eichenfässern gelagert, so verliert er sowohl die weiße Farbe als auch sehr geringfügig den Alkoholgehalt. Was guten Rum mit Premium-Qualität wirklich auszeichnet, ist die Länge der Lagerung. Konnte ein Destillat mehrere Jahrzehnte reifen, steckt es voller Faszination, Weichheit, Harmonie und Komplexität. Es verhält sich hier ähnlich wie bei Cognac und Whisky und anders als bei Gin. Der Geschmack zeigt sich aromatischer und abgerundeter, je länger die alkoholische Flüssigkeit in den Fässern gelagert wird. Doch darf man sich nicht von der Farbe täuschen lassen, da manche Hersteller den Rum extra einfärben, um einen dunkleren Farbton zu erreichen. Kommt ein Finishing in einer anderen, speziellen Fassart zum Tragen, ist der Rum aus dem Premium-Segment noch interessanter.