Flavoured Rum / Spiced Rum

Spirituosen lassen sich nicht einfach nur mit den verschiedensten Zutaten mischen, nachdem die Herstellung abgeschlossen wurde, sondern man kann sie auch im Zuge der Produktion mit natürlichen (und künstlichen) Aromastoffen anreichern. Das Paradebeispiel dafür ist neben dem Gin der Flavoured Rum. Dies ist aromatisierter Rum, dem meist beim Blending ein bestimmter Geschmack verliehen wird. Ein verwandter Begriff ist Spiced Rum, wobei es sich eher um zwei Arten innerhalb einer Kategorie als um Synonyme handelt.
 

Was ist Flavoured Rum?


RedLeg Spiced Rum

RedLeg Spiced Rum

Das englische Wort "flavour" bedeutet Geschmack (manchmal auch je nach Kontext Aroma), und flavoured – in der amerikanischen Schreibweise flavored – lässt sich mit "aromatisiert" übersetzen. Flavoured Rum ist somit Rum, bei dem eine Aromatisierung stattgefunden hat. Unterschieden wird in Rum, dessen Aromatisierung direkt nach der Destillation erfolgte – und dessen Basis somit weißer Rum ohne Lagerung / Blanco ist – und in Rum, der erst ins Holzfass abgefüllt wurde und reifen durfte, bevor ihm beim Blending die Geschmackstoffe hinzugefügt wurden. Jener brauner Rum bietet sich ebenso als Basis an wie der farblose Rum, wobei es sich beobachten lässt, dass Ersterer gern für Flavoured Rum und Letzterer gern für Spiced Rum zum Einsatz kommt. Der Mindestalkoholgehalt von Flavoured Rum und Spiced Rum ist 37,5 % vol., wie dies auch bei herkömmlichem Rum der Fall ist. Bemerkenswert ist, dass ein Großteil der Produkte, die als Flavoured Rum vermarktet werden, diese Bezeichnung eigentlich gar nicht verdient hat. Sie weist nämlich eine geringere Trinkstärke auf, sodass korrekterweise von Spirituose oder Likör auf Rumbasis gesprochen werden muss. Was ist der Unterschied zwischen Flavoured Rum und Spiced Rum? Die Wahl der Zutaten.

Flavored Rum: fruchtiger Genuss


Von Flavoured Rum spricht man in der Regel, wenn die Spirituose mit Früchten oder einer Frucht aromatisiert wurde. Beliebt ist allen voran die Kokosnuss, die ja in den tropischen Herstellungsländern wie auf den Inseln der Karibik heimisch ist. Rum mit Kokosgeschmack ist der Klassiker schlechthin und wird teilweise sogar in das Sortiment von Brennereien aufgenommen, die sonst keine weiteren Sorten an Flavoured Rum anbieten. Für den Kokoslikör auf der Basis von Rum – teilweise als cremige Variante mit Sahne erhältlich – kommen in fast allen Fällen echte Kokosnüsse zum Tragen. Weitere Tropenfrüchte wie Banane, Mango und Ananas sind häufig vorzufinden. Daneben trifft man auf aromatisierten Rum mit Zitrusfrüchten wie Zitrone und Orange sowie auf Flavoured Rum mit Apfel oder Beeren wie Erdbeere und Himbeere. Im Englischen wird gern das Wort Flavoured mit der Frucht ersetzt, sodass man z. B. auf Lime Rum, Coconut Rum, Banana Rum, Orange Rum und Pineapple Rum trifft. Unter diesen Begriffen wird aber auch Rum zusammengefasst, der nachträglich als einfacher Longdrink mit dem jeweiligen Fruchtsaft verfeinert wurde. Im Grunde gibt keine Frucht, die sich nicht für die Aromatisierung von Rum anbietet. So trifft man inzwischen u. a. auf Passionsfrucht, Melone und Kirsche. Mehrere Früchte auf einmal werden eher weniger verwendet, denn dann hätte man eher einen Cocktail als eine Flavoured Rum vorliegen.

Aromatisierter Rum: Spiced Rum


Andere Zutaten der nicht fruchtigen Art kommen für den Spiced Rum zum Einsatz. Das lässt der englische Name erahnen, denn "spiced" bedeutet gewürzt. Der Vorläufer von Spiced Rum war angeblich auf einen britischen Admiral zurückzuführen, der die tägliche Rumration der zur See fahrenden Soldaten kürzte und den Alkoholgehalt der Spirituose senkte. Um dies wett zu machen, reicherte er den Rum mit Zucker und Zitrone an, und dies stellte die Geburtsstunde von Flavoured Rum dar. Es gibt jedoch auch andere Entstehungsgeschichten, bei denen z. B. behauptet wird, ein Schiff mit Rum und fruchtigen Zutaten sowie Lebensmitteln kenterte, und der Alkohol in den angeschwemmten Fässern habe sich damit vermischt. Von dem Ergebnis sei man so begeistert gewesen, dass der Flavoured / Spiced Rum geboren war.

Gegenwärtig setzt Spiced Rum auf Zutaten wie Zucker, Vanille und Gewürze aller Art, vornehmlich auf Zimt, Nelken, Muskatnuss und Ingwer. Das erklärt, warum Spiced Rum sich z. B. für den Winter und Mixgetränke für die kalte Jahreszeit anbietet. Sein würziger und süßer Beiklang erinnert an die Weihnachtsbäckerei und wärmt von innen heraus. Unterschieden wird in ein eher süßes und mildes und ein anregendes und kräftiges Trinkerlebnis. Im Gegensatz zu Spiced Rum erscheint Flavoured Rum eher sommerlich, tropisch, exotisch und erfrischend. Er wird gern bei heißem Wetter und auf Partys getrunken. Sozusagen das Zwischending zwischen Flavoured Rum und Spiced Rum sind Spirituosen, bei denen der Rum auf nur eine Zutat wie Vanille oder Honig trifft. Charakteristisch ist, dass aromatisierter Rum meist wunderbar weich und leicht statt schwer ist. Er strahlt unkomplizierten Charme aus, ist mild, will gefallen und kann vielseitig eingesetzt werden.

Bekannte Hersteller und Marken


Es gibt Rumproduzenten, die man auf Anhieb mit Flavoured Rum und Spiced Rum in Verbindung bringt. Dazu gehört die Firma Cruzan von den US Virgin Islands (genauer gesagt, von der zu Amerika gehörenden Jungferninsel St. Croix). Cruzan Rum gilt als Vorreiter von Flavoured Rum und ist aktuell in fast 20 Sorten erhältlich. Ebenso vielseitig und weltbekannt ist das Angebot an aromatisiertem Rum von Bacardi, einem globalen Top Seller. Mehr als zehn Sorten sind zu haben. Nicht vergessen sollte man den Malibu Rum, der zu den ältesten und bekanntesten Sorten an Flavored Rum gehört. Auch Belmont Estate – Coconut Rum – und Cubaney Elixir stehen für aromatisierten Rum. Das Paradebeispiel für Spiced Rum ist die Marke Captain Morgan aus Jamaika. In der Form von Captain Morgan Black Spiced Rum und Gold Spiced Rum bietet sie lange und kurz gereiften Melasse-Rum, der mit Gewürzen und Vanille aromatisiert wurde und in fast jeder Hausbar vorzufinden ist. Ebenso faszinierend und weltberühmt ist der The Kraken Black Spiced Rum mit dem ausgesprochen dunklen Farbton und dem unverwechselbaren, modernen Image. Bei all den Beispielen handelt es sich im Grunde um Spirituosen und Liköre statt um echten Flavoured Rum. Will man sich eines der wenigen Exemplare mit höherem Alkoholgehalt und mehr Rumanteil gönnen, steht z. B. der Rhum Clement Orange zur Auswahl. Hochwertige Flavored Rums werden von wahren Genießern nicht gemixt, sondern pur auf Eis getrunken, womit sie dem nicht aromatisierten dunklen / braunen Rum näherkommen. Wer den Spiced Rum nicht "on the rocks" genießen will, kann ihn stattdessen im Kühlschrank aufbewahren.