Pineau

Es gibt so viele alkoholische Getränke, die sich aus Weintrauben herstellen lassen. Der Wein und der Weinbrand sind auf der ganzen Welt zu Hause, obwohl sie vor allem von Frankreich geprägt werden. Darüber hinaus verstehen sich die Franzosen auf eine regionaltypische Spezialitäten mit geschützter Herkunftsbezeichnung. Dazu gehört der Pineau des Charentes, der schon namentlich deutlich macht, wo er herkommt. Worum handelt es sich hier genau?
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Was ist Pineau des Charentes?


Der volle Name lautet Pineau des Charentes oder Pineau Charentais, aber oft wird einfach nur von Pineau gesprochen. Der Zusatz "des Charentes" besagt "aus der Charente" und genau darin liegt das Erfolgsgeheimnis der Spirituose. Wie beispielsweise der Cognac, der Armagnac, der Calvados oder der Champagner darf der Pineau ausschließlich in dem dafür festgelegten Gebiet hergestellt werden. In diesem Fall sind das im Westen Frankreichs die Départements Charente und Charente-Maritime. Die Produktion erfolgt nach den AOC-Richtlinien (AOC = Appellation d'Origine Contrôlée) und befindet sich interessanterweise in fast demselben geografischen Gebiet wie die Zone für Cognac. Immerhin ist die Charente eine bekannte Weinbauregion.


Und um welche Art von Spirituose handelt es sich beim Pineau des Charentes? Er wird als Likörwein klassifiziert, sollte jedoch nicht mit den berühmten Likörweinen wie Sherry und Port verglichen werden. Der Pineau setzt sich auf der einen Seite aus Eaux-de-Vie und auf der anderen Seite aus nicht vergorenem Traubenmost zusammen. Ersteres ist der Fachbegriff für die Weindestillate aus der Cognac-Herstellung. Man darf also durchaus eine Parallele zum legendären Weinbrand ziehen, sollte den Pineau Charentais jedoch trotzdem als Klasse für sich betrachten. Das alkoholische Getränk verdankt der Beigabe von unfermentiertem Traubenmost seinen leicht anderen Charakter. Er blickt auf eine jahrhundertelange Tradition zurück, ist jedoch über seine Heimat hinaus so gut wie unbekannt und wird erst seit den 1930er-Jahren kommerziell produziert. Weder im Rest Frankreichs noch in Deutschland hat sich der Pineau des Charentes bisher so richtig durchsetzen können. Er ist aber vor allem für Fans von Cognac oder Brandy interessant und sollte auf keinen Fall unterschätzt werden.


Wie wird Pineau hergestellt?


Bei der Herstellung von Pineau des Charentes hat sich seit der Erfindung im späten 16. Jahrhundert kaum etwas verändert. Der Legende nach entstand er durch Zufall, weil ein Winzer ohne es zu bemerken in ein nicht komplett entleertes Fass mit Eau de Vie für Cognac frischen Most aus Weintrauben goss. Jenes Fass wanderte ganz normal in den Weinkeller und lagerte darin jahrelang. Beim Entleeren entdeckte man den Pineau des Charente, der daraufhin immer beliebter wurde. Heute stellt man in Frankreich pro Jahr bis zu 14 Millionen Liter von diesem Likörwein her.


Diverse Winzer und Weingüter stellen sowohl Cognac als auch Pineau des Charentes her. Dabei haben sie einige Regeln zu beachten: Erstens müssen die Eaux-de-Vie und der Traubenmost aus demselben Erntejahrgang stammen. Zweitens muss es sich um frisch gepressten und noch nicht fermentierten Most handeln, dem am Erntetag die Weinbranddestillate beigemischt werden. Drittens sollte das Mischverhältnis bei rund einem Anteil Eau de Vie und drei Anteilen Traubenmost liegen. Zunehmend achten die Hersteller von Pineau Charentais auch darauf, dass die Trauben aus dem ökologischen Anbau stammen. Zu den zugelassenen Rebsorten gehören sowohl Weißweinsorten als auch Rebsorten, wobei es je nach Sorte unterschiedliche Verschnitte gibt. Auch beim Alter und beim Zuckergehalt gibt es Unterschiede bei den Pineau-Sorten. Der Alkoholgehalt des Likörweins beträgt normalerweise 17 % vol. und der Säuregehalt meist unter 2 g/l. Der Zuckergehalt variiert, liegt jedoch nicht über 150 g/l.


Die verschiedenen Sorten an Pineau des Charentes


Das Angebot an Pineau lässt sich in vier Kategorien unterteilen, bei denen sich jeweils die Details der Herstellung leicht unterscheiden:

- Roter Pineau basiert auf roten Rebsorten wie Merlot und Cabernet Sauvignon. Farblich hebt er sich jedoch kaum von seinen Verwandten ab. Der rote Pineau wird manchmal mit dem Prädikat Rubis oder Red vermarktet. Es ist üblich, dass er in Edelstahlbehältnissen lagert.

- Weißer Pineau basiert auf weißen Rebsorten, allen voran auf Ugni Blanc, Folle Blanche und Colombard. Er kann aber auch Sauvignon Blanc, Montils oder Sémillon beinhalten. Mit einer Farbe von Gold in helleren oder dunkleren Tönen ähnelt er seinen Verwandten optisch. Der Hauptunterschied zwischen Pineau Blanc und seinem Bruder ist die Lagerung Eichenfässern, in denen zuvor Cognac abgefüllt war.

- Rose Pineau ist nicht ganz so üblich. Bei ihm werden die roten Rebsorten anteilig wie Rotwein vinifiziert. Indem man die jungen Cognac-Destillate (Eaux de Vie) hinzugibt, unterbricht man die Alkoholbildung. Der Likörwein ruht in der Regel in Edelstahlbehältern und besitzt im Vergleich zu rotem und weißem Pineau des Charentes einen geringeren Zuckergehalt von circa 125 g/l.

- Etwas gesondert zu betrachten ist der häufig bernsteinfarbene Vieux Pineau, der sich als alt bezeichnet. Er stellt eine edle Rarität dar, die lang in ehemaligen Cognacfässern (Barriques) lagern darf und daher edlen Genuss verspricht. Manchmal ist solcher Pineau des Charentes mit dem Begriff Reserve oder Superieur gekennzeichnet.


Wie schmeckt Pineau des Charentes?


Es kommt darauf an, welche Pineau-Sorte man trinkt. So oder so darf man sich auf eine gewisse bissige Fruchtsäure und jugendliche Frische freuen. Eine feine Süße wie von Honig oder Karamell gleicht dies aus. Ebenso bemerkt man beim süßlichen Pineau oft eine Holznote. Pflaumen und Rosinen kommen sowohl im Aroma als auch im Geschmack neben etwas Weinigem zum Ausdruck. Pineau des Charentes wirkt recht konzentriert und nicht zu komplex. Dürfte er länger reifen, gibt er sich weich mit einem harmonischen Nachklang.


Wie trinkt man Pineau richtig?


Will man Pineau richtig trinken, sollte man ihn entweder als Aperitif vor dem Essen servieren oder als Digestif nach der Mahlzeit. Ersteres ist üblicher. In diesem Fall genießt man den Pineau des Charentes bei einer Trinktemperatur von 8 bis 10 °C, also gekühlt wie Weißwein. Manche Kenner bevorzugen 16 °C für die Premium-Produkte. Zum Pineau trinken verwendet man einen tulpenförmigen Kelch oder einen Cognac-Schwenker. Wer mit Pineau Cocktails mixen will, sollte u. a. das Pairing mit Tonic Water ausprobieren. Zu gleichen Anteilen gemischt und mit Maraschino-Kirschen sowie Eiswürfeln getrunken, ist dieser Longdrink denkbar einfach und lecker. Sowohl im Sommer als auch im Winter kommt der Pineau des Charentes aufgrund seiner fruchtigen Aussagekraft gut an.

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