Marsala

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Woher kommt Marsala?

Wie beim Madeira handelt es sich beim Marsala um ein Produkt mit geschützter Herkunftsbezeichnung, das auf den Produktionsstandort anspielt. Hergestellt wird der aufgespritete Wein ausschließlich in der Hafenstadt Marsala in Sizilien, also ganz im Süden von Italien. Der Ort ist an der Westküste der Insel Sizilien im Mittelmeer gelegen und namensgebend für den dort seit Jahrhunderten produzierten Marsala Wein. Der süditalienische Likörwein wird daher von manchen zum ersten Mal im Urlaub kennengelernt, wobei er durchaus zu den erfolgreichen Exportgütern zählt. Der Hauptabsatzmarkt von Marsala ist Großbritannien, aber auch im Rest von Europa wie in Deutschland kennt und schätzt man den südländischen Wein. Offizielle Bezeichnungen sind u. a. Vino di Marsala und Vino Marsala.

Die Geschichte von Marsala

Und wer hat den Marsala Wein aus Sizilien erfunden? Wie bei vergleichbaren Likörweinen hatten die Engländer die Finger im Spiel. So gehen Experten davon aus, dass John Woodhouse aus England die zuvor mit dem Portwein und dem Sherry gesammelten Erfahrungen erstmals gegen Ende des 18. Jahrhunderts auf der italienischen Insel anwendete. So reicherte er den dortigen Wein mit reinem Alkohol an. Dieses Versetzen ermöglichte den Schiffstransport in britische Gefilde mit guter Haltbarkeit. Der Marsala Wein gleicht(e) in dieser Hinsicht dem Port.

Damals bestimmten drei Wein-Dynastien den Markt und Handel: Florio, Whitacker und Ingram. Der Marsala wurde bei den Engländern immer beliebter. Er beherrschte jahrhundertelang den Markt und die Wirtschaft vor Ort. Im Laufe der Zeit wurde jedoch trockener Weißwein oder großer italienischer Rotwein vom Festland so sehr bevorzugt, dass der Marsalawein etwas in Vergessenheit geriet. Nur noch wenige sizilianische Weingüter innerhalb der Weinbauregion widmen sich der Herstellung von Marsala. Umso mehr Aufmerksamkeit verdient der italienische Likörwein.

Was ist Marsala, und wie wird der Likörwein hergestellt?

Es handelt sich hier um aufgespriteten - also verstärkten - Wein, der auf den Trauben im Weinbaugebiet Trapani basiert. Ausgeschlossen aus dieser Zone werden die Regionen Favignana, Alcamo und Pantelleria. Rund 1.600 ha sind mit den zugelassenen Rebsorten bepflanzt, wobei sich von Sorte zu Sorte die Cuvée unterscheidet. Der Fokus auf autochthone Rebsorten, die in Sizilien heimisch sind, zieht sich wie ein roter Faden durch das Angebot an Marsala Arten. Gemeinsam ist den verschiedenen Marsala Sorten außerdem, dass sie einen vergleichsweise höheren Alkoholgehalt aufweisen, der normalerweise zwischen 17 und 20 % vol. liegt. Unterschieden werden sie nach dem Süßheitsgrad, dem Alter und der Farbe.

Die Kategorisierung nach Denomination hat sich eingebürgert, wobei die Marsala Weine seit den 60er-Jahren eine kontrollierte Herkunftsbezeichnung (Denominazione di origine controllata – DOC) besitzen. Faszinierenderweise wird der Marsala für die lokale Kundschaft oft nicht aufgespritet und weist einen trockeneren, milderen Charakter auf. Der exportierte Marsala hingegen wird mit Alkohol in der Form von Traubenmost oder Brandy versetzt. Die Zugabe von Weinbrand stoppt die Gärung und bestimmt den Restzuckergehalt. Dieses Aufspriten macht den Likörwein stärker und süßer. Bis zu 60.000 Hektoliter Wein mit DOC-Status entstehen im Jahr, wobei es in vielen Fällen noch an eine Lagerung in Holzfässern nach dem - beim Sherry ebenfalls traditionellen - Solera-Verfahren geht.

Ein charmanter Likörwein aus Sizilien: Marsala

Will man Marsala kaufen, ist das Angebot überraschend breit gefächert. Als Anhaltspunkt kann man sich an den Farben orientieren, ein wenig wie bei White, Tawny und Ruby Port. Der goldene Marsala Oro (auch Gold Marsala genannt) und der bernsteinfarbene Marsala Ambra (auch Amber Marsala genannt) schließt sich dem roten Marsala Rubino an. Ambra Marsala erhält seine bräunliche Farbe von Süßungsmitteln wie gekochtem Traubenmost (mosto cotto). Er basiert auf weißen Trauben. Die Rebsorten Grillo und/oder Inzolia und/oder Cataratto und/oder Damaschino prägen ihn ebenso wie den Oro Marsala. Im Gegensatz dazu produziert man den rubinroten Rubino Marsala aus Rotweinsorten wie Nero d'Avola und/oder Perricone und/oder Nerello Mascalese, wobei die Cuvée darüber hinaus bis zu 30 % Weißweinsorten umfassen darf.

Wer den Marsala nicht nach Farbe einordnet, der sollte sich nach dem Alter bzw. Reifegrad richten. So durfte der Marsala Fine mindestens zwölf Monate lang reifen. Ein Marsala Superiore hingegen verbrachte mindestens zwei Jahre in Holzfässern. Marsala Superiore Riserva ist vier bis sechs Jahre alt. Marsala Soleras oder Vergine lagert über fünf Jahre lang, und Marsala Riserva oder Vergine Stravecchio besitzt ein Alter von zehn Jahren oder mehr. Je länger der Likörwein im Eichenfass lagert, desto interessanter und hochwertiger wird er. Die jungen Marsala Weine eignen sich mehrheitlich zum Kochen, wohingegen man ab dem Superiore Riserva den Marsala als Aperitif vor der Mahlzeit oder als Dessertwein nach dem Essen trinken kann. Der Hinweis Soleras bezieht sich darauf, dass hier mehrere Weine unterschiedlicher Fässer aus dem Solera-System zueinanderfinden. Die Lagerung erfolgt immer in Eichenfässern und vor Ort.

Drei Süßheitsstufen machen die Klassifizierung von Marsala ebenfalls einfacher und geben über den Charakter Auskunft. Marsala Secco weist einen Restzuckergehalt von weniger als 40 g pro Liter auf. Marsala Semisecco (auch Abboccato genannt) liegt bei 40 bis 100 g/l, und Marsala Dolce ist der Süßeste mit über 100 g/l Restzucker. Der Likörwein erinnert auch hiermit an seine Verwandten wie Madeira, Portwein und Sherry.

Wie schmeckt Marsala?

Es kommt immer darauf an, welche Sorte Marsala Likör man sich gönnt. Der aufgespritete Wein gibt sich in der Regel süßlich und fruchtig, reichhaltig und nuanciert. Junge Sorten begeistern z. B. mit Vanille, Aprikose, Zucker, Rosine und leichter Säure. Nüsse wie Mandeln schwingen mit. Länger gereifte Marsala Weine überzeugen darüber hinaus mit den verschiedensten Untertönen wie Tanninen, Tabak, Süßholz, Honig, Apfel, Sauerkirsche oder Tamarinde. Entweder verwendet man Marsala als Kochwein oder man genießt ihn als Aperitif oder Digestif. Wie wird er richtig getrunken? Die trockenen Sorten passen beim Kochen zu herzhaften Fleischgerichten; die süßen Sorten genießt man gern zu italienischen Desserts, zu Süßwaren oder zu Obstsalat. Zudem gibt es den bei den Italienern beliebten Marsala mit Ei (Marsala all'uovo ), der mit Zucker und Eigelb noch sanfter, süßer, dickflüssiger und reichhaltiger gemacht wird. Man serviert ihn nach der Mahlzeit. Generell liegt die richtige Trinktemperatur für Marsala Süßwein bei 10 bis 13 °C.

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